Rezension von: Wilhelm Vallentin, Westpreußen seit den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts. 1896
(in: MWG I/4, hg. von Wolfgang J. Mommsen in Zusammenarbeit mit Rita Aldenhoff)
Bände

[602]Editorischer Bericht

Zur Entstehung

Max Weber hatte in seiner Freiburger Antrittsrede1[602]Siehe oben, S. 543–574. die These von der „ökonomischen Verdrängung“2Oben, S. 550. der deutschen durch die polnische Bevölkerung am Beispiel der Provinz Westpreußen entwickelt. Mit Hilfe der preußischen Gemeindelexika und dem Unterscheidungskriterium „protestantisch“ für deutsch sowie „katholisch“ für polnisch hatte er die Bevölkerungsbewegung in Westpreußen, getrennt nach Gütern und Dörfern der jeweiligen Bodengüte, analysiert. Er war dabei zu dem Ergebnis gekommen, daß deutsche Landarbeiter vorzugsweise aus fruchtbaren Gegenden abwanderten, während sich gleichzeitig polnische Bauern in kargen, weniger fruchtbaren Gegenden ansiedelten. Die Ursache für diese tendenzielle Zunahme der polnischen Bevölkerung sah er in der Fähigkeit der Polen begründet, sich den jeweils schlechteren Lebensbedingungen anzupassen. Unter diesen Gesichtspunkten rezensierte Weber die Untersuchung Wilhelm Vallentins über die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung Westpreußens für die Historische Zeitschrift. Es ist nicht bekannt, ob und von wem er dazu aufgefordert wurde oder ob er sich selbst an die Redaktion gewandt hat. Vallentins Arbeit war als Band vier der von dem Tübinger Professor für Volkswirtschaft Friedrich Julius Neumann herausgegebenen Reihe „Beiträge zur Geschichte der Bevölkerung in Deutschland seit dem Anfange dieses Jahrhunderts“ erschienen, eine Reihe, auf die Max Weber bereits in seiner Antrittsrede Bezug genommen hatte.3Oben, S. 543f.

[603]Zur Überlieferung und Edition

Ein Manuskript ist nicht überliefert. Der Abdruck folgt dem Text, der in der Historischen Zeitschrift, hg. von Heinrich von Treitschke und Friedrich Meinecke, 76. Band, 2. Heft (März/April), 1896, S. 308f., erschienen ist (A). Der Text ist gezeichnet „Max Weber“.