Rezension von: Theodor Freiherr von der Goltz, Die ländliche Arbeiterklasse und der preußische Staat. 1893
(in: MWG I/4, hg. von Wolfgang J. Mommsen in Zusammenarbeit mit Rita Aldenhoff)
Bände

[238]Editorischer Bericht

Zur Entstehung

Im Zuge seiner Beschäftigung mit der Landarbeiterfrage wurde Max Webers Interesse nicht nur auf die Probleme der sogenannten „inneren Kolonisation“, d. h. der Bestrebungen, deutsche Arbeiter und Bauern vor allem in den preußischen Ostprovinzen anzusiedeln, gelenkt, sondern auch auf die Frage nach der Entstehung der modernen Landarbeiterschaft.

Beide Themen wurden in der Schrift Theodor von der Goltz’ über die ländliche Arbeiterklasse und den preußischen Staat behandelt.1[238]Goltz, Theodor von der, Die ländliche Arbeiterklasse und der preußische Staat. – Jena: Gustav Fischer 1893. Von der Goltz war ein anerkannter Agrarwissenschaftler und zu dieser Zeit Professor in Jena, wo er zugleich auch die Landwirtschaftliche Lehranstalt an der Universität leitete. Er hatte sich bereits intensiv mit den Ergebnissen der vom Verein für Socialpolitik veranstalteten Erhebung über die Lage der Landarbeiter auseinandergesetzt und dabei Webers Untersuchung besondere Aufmerksamkeit zuteil werden lassen.2Ebd., S. 124–131, und: ders., Die Verhältnisse der Landarbeiter in Deutschland, in: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, 3. Folge, Band 5, 1893, S. 752–762.

Weber hatte die Goltzsche Schrift schon zusammen mit der Untersuchung Max Serings über Kolonisationsfragen im östlichen Deutschland3Sering, Max, Die innere Kolonisation im östlichen Deutschland (Schriften des Vereins für Socialpolitik 56). – Leipzig : Duncker & Humblot 1893. besprochen.4In diesem Band oben, S. 223–228. Während er in jener, an ein breiteres Publikum gerichteten Rezension jedoch den Schwerpunkt auf das Thema „innere Kolonisation“ legte, stellte er in der nachstehend abgedruckten Besprechung die Frage nach den historischen Bedingungen für die Entstehung der modernen Landarbeiterschaft in das Zentrum seiner Überlegungen. Die näheren Umstände der Entstehung des Textes sowie der Publikation in einer der führenden nationalökonomischen Fachzeitschriften sind nicht bekannt.

[239]Zur Überlieferung und Edition

Ein Manuskript ist nicht überliefert. Der Abdruck folgt dem Text, der im Augustheft der Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, hg. von Johannes Conrad u. a., Jena, 3. Folge, Band 6, 2. Heft, 1893, S. 289–296, erschienen ist (A). Der Artikel ist mit „Berlin. Max Weber.“ gezeichnet.