Landwirtschaft und Agrarpolitik. Grundriß zu 8 Vorlesungen im Evangelisch-sozialen Kursus zu Berlin. Oktober 1893
(in: MWG I/4, hg. von Wolfgang J. Mommsen in Zusammenarbeit mit Rita Aldenhoff)
Bände

[259][A 3]Landwirtschaft und Agrarpolitik

Grundriß zu 8 Vorlesungen im Evangelisch-sozialen Kursus zu Berlin. Oktober 1893

Umfangreichere Hauptwerke.

  • v. d. Goltz, Handbuch der gesamten Landwirtschaft. 3 Bände. Tübingen, 1890.
  • (Kürzer: derselbe in Schönbergs Handbuch der Politischen Ökonomie. Band III Abschn. XIII.)1[259]Der Artikel „Landwirtschaft“ von Theodor von der Goltz erschien als Abschnitt XIII sowohl in Band 1 der ersten Auflage als auch in Band 2 der zweiten Auflage von Schönbergs „Handbuch der Politischen Ökonomie“. In der dritten Auflage des Handbuchs erschien er als Abschnitt XIV in Band 2. Handbuch der Politischen Ökonomie, hg. von Gustav Schönberg, Band 1. – Tübingen: H. Laupp 1882, S. 541–668; dass., Band 2, 18862, S. 3–148, und dass., Band 2, 18913, S. 1–126.
  • Roscher, Nationalökonomik des Ackerbaues und der verwandten Urproduktionen. (Standpunkt der „historischen Schule“.)2Wilhelm Roscher gilt als Begründer der sogenannten älteren historischen Schule der deutschen Nationalökonomie. Vgl. besonders seine „Ansichten der Volkswirthschaft aus dem geschichtlichen Standpunkte“. – Leipzig und Heidelberg: C. F. Winter’sche Verlagsbuchhandlung 1861.
  • Buchenberger, Agrarwesen und Agrarpolitik, bisher Band I, Leipzig 1892, als Abt. III T[eil]2 von Ad[olph] Wagners Handbuch der politischen Ökonomie (vom praktisch-politischen Standpunkt).
  • Zur Einführung in die schwebenden Fragen: v. Miaskowski, Agrarpolitische Zeit- und Streitfragen.

§ 1. Vorgeschichte der modernen deutschen Agrarverfassung.

Dorfgemeinden und Rittergüter, – Betriebsweise und sozialer Charakter der mittelalterlichen Agrarverfassung, – Art und Bedeutung ihrer modernen Umgestaltung.

Hauptwerk: G[eorg] F[riedrich] Knapp, Die Bauernbefreiung und der Ursprung der Landarbeiter in den älteren Teilen Preußens. Leipzig 1887.

[260]§ 2. Die Betriebsformen und ihre technischen und wirtschaftlichen Bedingungen.

a. Produktion für den eigenen Bedarf – für den Markt. Verhältnis der Bodenstatik zu beiden.

b. Extensität und Intensität der Bewirtschaftung. – Reine Viehzucht. – Feldgraswirtschaft. – Dreifelderwirtschaft. – Hackfruchtbau, technische Nebengewerbe. – Maschinenbetrieb.

[A 4]Hauptzahlen über die Produktionsverhältnisse:

Die mit Cerealien bebaute Fläche bildete 1883 bezw. 1885 ca. der gesamten bebauten Ackerfläche in Deutschland, Österreich, Frankreich,3[260]1883 waren 60,1% der Ackerfläche im Deutschen Reich mit Getreide- und Hülsenfrüchten bebaut, in Österreich 61,52% und in Frankreich 59,34%. Conrad, Johannes, Agrarstatistik, in: HdStW 11, 1890, S. 73.

dagegen ¼ in England,4In Großbritannien wurden 1885 25,79% und im Vereinigten Britischen Königreich (Großbritannien und Irland) 22,99% der Ackerbaufläche mit Getreide- und Hülsenfrüchten bebaut. Ebd.

(mit Brotkorn speziell sind in ersteren Ländern ca. 30%, in England des landwirtschaftlich genutzten Bodens bestellt.)5Im Deutschen Reich wurden 31% der gesamten Ackerbaufläche mit Brotkorn (Weizen und Roggen) bestellt, in Österreich 29,1%, in Frankreich 33% und in Großbritannien 15,9%. Ebd.

An Hackfrüchten (Kartoffeln, Rüben) steht Deutschland mit 15% der Anbaufläche obenan.6Vgl. die Angaben ebd. (15,1%).

Futterkräuter: Deutschland , England und Frankreich 15%.7Mit Futterkräutern wurden 1883 9,2% der Ackerfläche im Deutschen Reich bebaut. In Großbritannien (1885) 14,34%, im Vereinigten Britischen Königreich 14,07% und in Frankreich 15,75%. Ebd.

Handelsgewächse (Tabak, Raps etc.): Deutschland 1,3%, Frankreich 2,7%, England 0,3%.8Ebd. Die Angabe für England bezieht sich auf das Vereinigte Britische Königreich.

Brache und ewige Weide: Deutschland und Frankreich England ½ der Ackerfläche,912,7% der Ackerfläche im Deutschen Reich waren 1883 Ackerweide und Brache, in Frankreich 14,01% und in Großbritannien (1885) 48,36%, im Vereinigten Britischen Königreich 54,68%. Ebd. in England ist gegen 1870 das Ackerland um vermindert, die ewige Weide um ¼ erhöht.10Zwischen 1871 und 1883 nahm in England die Fläche des dauernden Graslandes [261]ohne Heide und Bergweide um 21,5% zu, die Fläche des Ackerlandes nahm im gleichen Zeitraum um 7,6% ab. Berechnet nach: Reitzenstein, Friedrich Frhr. von, und Nasse, Erwin, Agrarische Zustände in Frankreich und England (Schriften des Vereins für Socialpolitik 27). – Leipzig: Duncker & Humblot 1884, S. 168.

[261]Produzierte Quanta der Hauptproduktionsländer des Brotkornes (1878–87).11Gemeint ist die mittlere Getreideproduktion um 1878/87.

Weizen:12Vgl. zu den folgenden Zahlen: Juraschek, Franz von, Übersichten der Weltwirtschaft, Jahrgang 1885–1889. – Berlin: Verlag für Sprach- und Handelswissenschaft (P. Langenscheidt) o. J., S. 163. Sie lauten hier für die Vereinigten Staaten: 157,1, für Frankreich 104,1, für Britisch-Ostindien (1882/3–86/7) 96,2, für Rußland (mit Polen) (1883/87) 86,7, für Österreich-Ungarn 53,8, für das Deutsche Reich 38,4, für Italien (1879/87) 43,9 und für Großbritannien und Irland (1884/87) 27,4 Millionen Hektoliter. Roggen:13Ebd.; die Angaben für Rußland (mit Polen) lauten (1883/87) 250,6, für das Deutsche Reich 80,6, für Österreich-Ungarn 43,2 und für Frankreich 24,3 Millionen Hektoliter.
Ver[einigte] Staatenca. 160 Mill. hl.Rußland250 Mill. hl.
Frankreichca. 100 Mill. hl.Deutschland 80 Mill. hl.
Indienca. 100 Mill. hl.(1878–87.)
Rußlandca. 90 Mill. hl.Österreich 43 Mill. hl.
Österreich, Deutschland (1878–87: 38 Mill, hl.), Italien zw[ischen] je 30 und 50 Mill. hl.Frankreich 24 Mill. hl.
Die anderen unerheblich
Großbritannien u. Irland 27 Mill. hl.

Etwas abgenommen hat in Deutschland seitdem die Anbaufläche und die Produktion von Brotkorn, etwas zugenommen die Heu- und Futter-Produktion.

Geschätzte Gesamtproduktion der Erde an Cerealien (exkl[usive] Hülsenfrüchte) ca. 3 Milliarden hl. im Werte von 20–21 Milliardena[261]A: Millionen ; Siehe Anm. 14. Μ. Davon Europa ca. 1,8 Milliarde, Deutschland ca. ¼ Milliarde hl.14Die Angaben lassen sich aus den Werten der Weltgetreideproduktion für 1889 (ebd., S. 164f.) errechnen. Für das Jahr 1884 wird ein Gesamtwert der Weltzerealienernte von 22 Milliarden Mark angegeben. Ebd., S. 169.

Die Hackfruchtproduktion ist an Kartoffeln und an Zuckerrüben am stärksten in Deutschland (ca.29 der gesamten Produktion).15Die Statistik des Deutschen Reichs verzeichnete für 1892 eine Gesamternte von 91,4 Millionen Tonnen Feldfrüchten. Davon waren 48,8 Millionen Tonnen, also ca. ⁵/₉ der Gesamternte, Hackfrüchte (Kartoffeln und Zuckerrüben). Vierteljahrshefte zur Statistik des Deutschen Reichs, 2. Jg., 1893. – Berlin: Puttkammer & Mühlbrecht 1893, S. III/43.

[262]Viehhaltung: 1 Stück Rindvieh kommt in Deutschland, Österreich, Frankreich auf je 3 Personen, in Nordamerika auf je 2.16[262]Im Deutschen Reich kamen 1883 auf 100 Einwohner 34,5, in Österreich 1880 38,76 Stück Rindvieh. In Frankreich wurden 1886 13 275 021 Stück Rindvieh gezählt, die Zahl der Einwohner betrug 38 218 903. In Nordamerika kamen, gemäß den Censuserhebungen vom Jahre 1880 bzw. 1881, auf 100 Einwohner 79 Rinder. Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich, 5. Jg., 1884. – Berlin: Puttkammer & Mühlbrecht 1884, S. 33; österreichisches Statistisches Handbuch für die im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder, 5. Jg., 1886. – Wien: Verlag der K.K. Statistischen Central-Commission 1887, S. 89; Annuaire Statistique de la France. Onzième Année, 1888. – Nancy: Imprimerie Berger-Levrault 1888, S. 6 und 215; Sering, Max, Die landwirthschaftliche Konkurrenz Nordamerikas in Gegenwart und Zukunft. – Leipzig: Duncker & Humblot 1887, S. 593.

1 Schwein kommt in Deutschland auf je 4–5 Personen (also auf jede Familie 1), in Nordamerika auf je 2 Personen.171883 kamen im Deutschen Reich auf 100 Einwohner 20,1 Schweine. Gemäß den Censuserhebungen von 1880 bzw. 1881 kamen in Nordamerika auf 100 Einwohner 93 Schweine. Statistisches Jahrbuch 1884, S. 33; Sering, Konkurrenz, S. 593.

Abnehmend in Deutschland die Schafhaltung, absolut und relativ.18Zwischen 1873 und 1883 nahm die Schafhaltung im Deutschen Reich um 23,26 % ab. Statistisches Jahrbuch 1884, S. 32.

Zunehmend die Schweinehaltung.19Zwischen 1873 und 1883 nahm die Schweinehaltung um 29,22 % zu. Ebd.

[A 5]§ 3. Die Standorte der Produktion und die Bedeutung der internationalen Konkurrenz.

Hauptwerk: Max Sering, Die landwirtschaftliche Konkurrenz Nord-Amerikas.

Von der Gesamtproduktion der Erde an Getreide von ca. 3 Milliarden hl. wird 0,6 Milliarde = international ausgetauscht.20Die mittlere Getreideproduktion um 1878/87 betrug 3 Milliarden hl, davon wurden 1887 569 Millionen hl (Getreide und Mehl) international umgesetzt. Juraschek, Übersichten der Weltwirtschaft, S. 163 und 179.

Mehreinfuhr von Getreide und Mehl: Die europäischen Staaten außer Rußland, Österreich-Ungarn und demb[262]A: den Orient.

[263]Insbes[ondere] (1888) Deutschland für 180 Millionen Μ., Frankreich für 290 Mill. Μ., Italien für 120 Mill. Μ., England für 1 Milliarde Μ.21[263]1888 lauteten die Werte in Millionen Mark für die Ein- und Ausfuhr jeweils für das Deutsche Reich: 211,8 und 34,8, für Frankreich: 299,8 und 11,7, für Italien: 128,4 und 10,2, für Großbritannien: 1047,2 und 14,8. Juraschek, Übersichten der Weltwirtschaft, S. 176.

Mehrausfuhr (1888): Rußland für 800 Mill. Μ., Nordamerika und Kanada für 530 Mill. Μ., Ostindien für 300 Mill. Μ., Österreich-Ungarn für 260 Mill. Μ.22Rußland exportierte 1888 Getreide und Mehl für 796,4 Millionen Mark (Einfuhr: 1,9 Mill.), Nordamerika und Kanada für 591,8 (Einfuhr: 64,4), Ostindien für 310,1 (Einfuhr: 2,5) und Österreich-Ungarn für 269,1 (Einfuhr: 10,7). Ebd.

Nach Abschluß der Handelsverträge 1892 betrug der Wert der deutschen Mehreinfuhr an Cerealien und Mehl rund 450 Mill. Μ.23Die Statistik des Deutschen Reichs verzeichnete für 1892 bei Getreide und Mehl eine Mehreinfuhr im Wert von 470 Millionen Mark. Statistik des Deutschen Reichs. Neue Folge, Band 74. – Berlin: Puttkammer & Mühlbrecht 1894, S. 5 und 7.

§ 4. Die Rechtsformen des Betriebes.

a. Agrarkommunismus. – Der Russische Mir24Der Mir, d. h. die russische Bauerngemeinde, verwaltete seine Angelegenheiten selbst. Er sorgte für die Umteilung des kommunalen Landbesitzes und der Weiden und war bis 1903 kollektiv für die Steuerzahlung verantwortlich. Vgl. MWG I/10, S. 764f. (Glossar). (v. Keußler, Genossenschaftl[iches] Grundbesitzrecht in Rußland 1889). – Südslavische Hauskommunionen.25Gemeint ist die bei den Südslawen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts verbreitete Lebensform der Zadruga, bei der Großfamilien bis zu 60 Personen unter einem Hausvater zusammenlebten und wirtschafteten. – Sonstige Spuren.

b. Das private Bodeneigentum und seine Entwickelung.

c. Art der Bewirtschaftung: Eigenwirtschaft – Administration26Gemeint ist die Verwaltung eines landwirtschaftlichen Gutes durch einen Stellvertreter des Eigentümers (Gutsverwalter). – Teilbau27Beim Teilbau handelt es sich um ein Pachtverhältnis, bei dem der Pächter einen Teil, oftmals die Hälfte des Rohertrags an den Verpächter abführen muß. – Verpachtung.

[264]Hauptzahlen:
Verpachtet ist ca. der bebauten Fläche in Deutschland.28[264]Im Deutschen Reich machte das Pachtland von der Gesamtanbaufläche (ausgenommen Holzland) nahezu 15% aus. Vgl. Rabe, Otto, Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Pacht. – Berlin: Paul Parey 1891, S. 15.
Verpachtet ist ca. 40% der bebauten Fläche in Frankreich (inkl[usive] Teilbau)29Der Anteil des gepachteten oder von Teilbauern bewirtschafteten Landes an der Gesamtanbaufläche betrug in Frankreich 40,23%. Ebd.
Verpachtet ist ca. 67 der bebauten Fläche in England.301890 betrug die Gesamtausdehnung des verpachteten Landes in Großbritannien 27 924 000 acres, die des von Eigentümern bewirtschafteten Landes 4 843 000. Vgl. Paasche, Hermann, Die Entwickelung der britischen Landwirtschaft unter dem Druck ausländischer Konkurrenz, in: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, 3. Folge, Band 3, 1892, S. 6.
In Deutschland sind von den Betrieben unter 2 und über 200 ha ca. ¼ reine Pachtbetriebe, von denjenigen zwischen 2 und 200 ha nur wenige Prozent (bei diesen sind dagegen Mischpachtverhältnisse häufig).311882 waren im Deutschen Reich von der Gesamtzahl der landwirtschaftlichen Betriebe von einer Größe bis zu 2 Hektar 24,9% reine Pachtbetriebe, von einer Größe von 200 Hektar und darüber 22,8%. In den Größenklassen 2–20 Hektar und 20–200 Hektar betrug der prozentuale Anteil der reinen Pachtbetriebe 2,7 und 3,8. Hier war der Anteil der Mischpachtungen (Betriebe mit Pacht- und Eigenland) umso stärker, nämlich 35,6% und 15,9%, während er bei der kleinsten und der stärksten Größenklasse (bis 2 Hektar und 200 Hektar und mehr) nur 24,9% und 14,1% betrug. Rabe, Bedeutung, S. 14.

d. Kredit, speziell der Realkredit. – Rechtsformen der Verschuldung und ihre wirtschaftliche Bedeutung.

Die deutsche Grundverschuldung wird auf 20 Milliarden Μ. = des Wertes,32Auf welche Angaben sich Weber hier bezieht, konnte nicht nachgewiesen werden. die französische auf 14 Milliarden Franks (11 Mill[iarden] Μ.)33Gemäß den Wechselkursen an der Berliner Börse entsprachen 1893 14 Milliarden Francs 11,2 Milliarden Mark. Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich, 17. Jg., 1896. – Berlin: Puttkammer & Mühlbrecht 1896, S. 126. = des Wertes geschätzt,34Für den 31. Dezember 1876 wurde in Frankreich eine Grundbuchschuld von 14,3 Milliarden Francs festgestellt. Wirminghaus, A., Hypothekenschulden (Statistik), in: HdStW 41, 1892, S. 515. die englischen Verhältnisse sind wegen der differenten Rechtslage damit unvergleichbar.

Im östlichen Preußen beträgt die Verschuldung des Großgrundbesitzes ca. das 32fache, des bäuerlichen ca. das 18fache des Grundsteuerreinertrages,35Weber bezieht sich vermutlich auf die 1883 vom preußischen Landwirtschaftsministerium durchgeführte Erhebung über die Verschuldung des Grundbesitzes in 52 Amtsgerichtsbezirken Preußens. Eine weitere Erhebung wurde erst 1896 durchgeführt. Die [265]Ergebnisse der ersten Untersuchung wurden publiziert in den Landwirthschaftlichen Jahrbüchern, Band 13, Supplementband 1, 1884, S. 1–82, sowie ebd., Band 14, Supplementband 2, 1885, S. 1–32. in Baden ist innerhalb des bäuerlichen Besitzes [265]der [A 6]Besitz bis 5 ha mit 60%, von 5–10 mit 25%, von 10–50 mit 10% und über 50 ha mit 5% des Wertes verschuldet.36Vgl. Buchenberger, Adolf, Die Lage der bäuerlichen Bevölkerung im Großherzogtum Baden, in: Bäuerliche Zustände in Deutschland, 3. Band (Schriften des Vereins für Socialpolitik 24). – Leipzig: Duncker & Humblot 1883, S. 287. Nach Buchenberger war der kleine Grundbesitz verhältnismäßig am stärksten belastet, während mit dem Aufstieg in die Besitzgruppen der eigentlichen Bauern die Verschuldung zurückging.

e. Das Erbrecht und seine wirtschaftliche und soziale Bedeutung. – Teilbarkeit – Testierfreiheit – Anerbenrecht – Fideikommisse. (v. Miaskowski: Das Erbrecht und die Grundeigentumsverteilung im Deutschen Reich 1882.)

§ 5. Die soziale Gliederung der Landbevölkerung und ihre Stellung innerhalb des Gesamtvolkes.

Hauptzahlen:

1882: Der Land- und Forstwirtschaft, Tierzucht, Fischerei angehörig: einschließlich der Angehörigen und Unselbständigen 19 225 455 = 42,5 Proz. der Gesamtbevölkerung Deutschlands.37Vgl. Statistik des Deutschen Reichs. Neue Folge, Band 2. – Berlin: Puttkammer & Mühlbrecht 1884, S. 29*.

Davon selbständige Landwirte 2 252 531 = 27,9 Proz. der landw[irtschaftlichen] Bevölkerung.38Vgl. ebd., S. 67*. Die Prozentangabe bezieht sich auf die im landwirtschaftlichen Bereich selbständig und unselbständig Erwerbstätigen ohne Angehörige. Die Referenzzahl ist daher nicht 19 225 455, sondern 8661 409. Ebd., S. 29*.

Von je 1000 Einwohnern:

Land- und Forstwirtschaft, Tierzucht, Fischerei 425,1,
(Industrie355,1,
Handel und Verkehr100,2,
übrige Berufsstände109,1).39Auf die „übrigen Berufsstände“ kommen laut Reichsstatistik, ebd., S. 42*, 119,6 (nicht 109,1 ) von je Tausend Einwohnern.

Auf die Landwirtschaft kommen 500 und mehr von 1000 in: Posen, Ost-, Westpreußen, Pommern, Mecklenburg, Oldenburg, Hanno[266]ver, Südbaiern, – weniger als 400: Provinz Sachsen, Thüringen, Westfalen, Rheinland, – weniger als 200: Königreich Sachsen.40[266]Vgl. ebd.

Mehr als in Deutschland kommen auf die Landwirtschaft in: Rußland, Österreich (ca. 60 Proz.), Ungarn (ca. 67 Proz.), Italien (ca. 62 Proz.).41 Vgl. ebd., S. 30*. Die Angabe für Österreich lautet 59,8%, für Ungarn 67,2% und für Italien 62,6% ; Rußland wird in der Reichsstatistik nicht aufgeführt.

Weniger in England: 14 Proz. in England und Wales, 18 Proz. in Schottland, etwa ebensoviel in Frankreich, der Schweiz, denc[266]A: der Vereinigten Staaten.42 In England und Wales waren laut Reichsstatistik 14%, in Schottland 18,8%, in Frankreich 46,3%, in der Schweiz 45,9%, in den Vereinigten Staaten 47,3% und im Deutschen Reich 46,7% der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft beschäftigt. Vgl. ebd.

a. Besitz- und Betriebsgrößen:

1882 befanden sich im Deutschen Reich

Betriebe:ZwergbetriebeKleinbetriebeMittlere BauernbetriebeGroßbäuerl[iche] BetriebeGroßbetrieb
0–2 ha2–5 ha5–20 ha20–100 ha100 ha u[nd] mehr
% aller Betriebe43Vgl. Statistik des Deutschen Reichs. Neue Folge, Band 5. – Berlin: Puttkammer & Mühlbrecht 1885, S. 5*. Der Anteil der Großbetriebe von 100 Hektar an aufwärts an den landwirtschaftlichen Betrieben insgesamt wird hier mit 0,5 % angegeben. 58,018,617,6 5,3 0,51
% der landw[irtschaftlich] bebauten Fläche:44 Vgl. ebd., S. 6*. Landwirtschaftliche Großbetriebe von 100 Hektar und darüber bebauten gemäß den Angaben der Reichsstatistik 24,1% der landwirtschaftlichen Fläche. 5,710,028,831,124,4

Die Großbetriebe (über 100 ha) umfaßten über ½ der Fläche in: Pommern (57,4 Proz.), Posen (55,3 Proz.), Mecklenburg (Schwerin 59,0, Strelitz 56,0),45 Vgl. ebd., S. 25* und 27*. Die Angabe für Mecklenburg-Schwerin lautet 59,9% (nicht 59%), die für Mecklenburg-Strelitz 61% (nicht 56%). Ebd., S. 27*.

[A 7] ½ in: Ostpreußen (38,6 Proz.), Westpreußen (47,1 Proz.), Brandenburg (36,3 Proz.), Schlesien (34,9 Proz.), – zusammen in den sieben preußischen Ostprovinzen 42 Proz., im Durchschnitt des preußischen Staates 31,7 Proz.,46Vgl. ebd., S. 25*. In Schlesien umfaßten Betriebe über 100 Hektar 34,5% (nicht 34,9%) und in Sachsen, das von Weber nicht genannt wird, 27,0% der landwirtschaftlichen Fläche, im Durchschnitt der sieben preußischen Ostprovinzen also 42,3% (errechnet nach den Angaben der Reichsstatistik, ebd.).

[267]dagegen unter in Westdeutschland (Hannover, Oldenburg, Hessen-Nassau, Westfalen, Hessen) und Süddeutschland.47[267]Vgl. ebd., S. 25* und 27*.

In Frankreich sind die bäuerlichen Betriebe von ca. 5–30 ha in Zunahme, die Betriebe über 40 ha in Abnahme begriffen, Großbetriebe unerheblich, die Bauernbetriebed[267]A: Bauernbetriebes über 20 ha stärker, die Kleinbetriebe schwächer als in Deutschland vertreten.48In Frankreich fand eine stete Ausdehnung des Kleinbesitzes vor allem auf Kosten des Großbesitzes, weniger auf Kosten des Mittelbesitzes, statt. Die Ursachen waren die geltende Realteilung sowie der wachsende Grunderwerb durch Landarbeiter. Vgl. Reitzenstein/Nasse, Agrarische Zustände, S. 10–12.

In England: Auseinanderfallen von Bodenbesitz und Betriebsgröße: von (1872) 1 172 000 Eigentümern besitzen ca. 2000 fast die Hälfte von ganz Großbritannien und Irland,49Die amtliche Erhebung von 1873 verzeichnete für England und Wales insgesamt 972 836 Grundeigentümer. 5408 Eigentümer (mit mehr als 1000 acres) besaßen 64,7% der landwirtschaftlich genutzten Fläche von England und Wales. Reitzenstein/Nasse, Agrarische Zustände, S. 130–132. Angaben zu Schottland und Irland finden sich hier nicht. dagegen sind die Betriebe: in Irland am meisten Kleinbetriebe unter 12 ha ( der Fläche),50In Irland waren 1887 71,3% der Betriebe kleiner als 12 ha (= 30 acres). Conrad, Johannes, Bauerngut und Bauernstand. II. Statistisch, in: HdStW 21, 1891, S. 273. Angaben über den Flächeninhalt werden hier nicht gemacht. in England die bedeutendste Gruppe Betriebe von 40 bis 120 ha ( der Fläche), also Großbauern und kleine Großbetriebe.51Der amtlichen Erhebung von 1873 zufolge besaßen 37 116 Eigentümer (mit einem Besitz von 100 bis 1000 acres, also 40 bis 400 Hektar) ca. ein Drittel der landwirtschaftlich genutzten Fläche von England und Wales. Reitzenstein/Nasse, Agrarische Zustände, S. 130–132.

b. Die soziale Stellung der landwirtschaftlichen Unternehmer in ihrer modernen Umgestaltung.

c. Das platte Land und das Bevölkerungsproblem.

Historische Verschiedenheiten der Lösung in Deutschland: „Landhunger“ und Wanderung – Rodung und innere Kolonisierung52„‚Landhunger‘ und Wanderung“ beziehen sich offenbar auf die Lösung des Bevölkerungsproblems bei den Germanen vor und während der Völkerwanderungszeit. In diesem Sinne verwendet Weber den Begriff „Landhunger“ in seiner Habilitationsschrift: Die römische Agrargeschichte in ihrer Bedeutung für das Staats- und Privatrecht. – Stuttgart: Ferdinand Enke 1891, S. 68f. mit Anm.38 (MWG I/2, S. 160). – „Rodung und innere Kolonisierung“ charakterisieren wohl das Mittelalter einschließlich der Ostkolonisation. – die Städte – die Industrie – gegenwärtige Lage.

[268]Innere Wanderung und Auswanderung:

Gegenden mit Mehrzuwanderung: Berlin, Brandenburg, Hansastädte, Königr[eich] Sachsen, Rheinprovinz, Westfalen: zusammen 1885/90 Gewinn 492 000 Köpfe oder 49 Proz. ihrer natürlichen Zunahme (durch Überschuß der Geburten).53[268]Weber stützt sich hier und im folgenden auf die von Georg von Mayr zusammengestellten Angaben. Vgl. Mayr, Statistik, Tabelle I. Der Gewinn durch Zuwanderung betrug hiernach in den genannten Regionen 498 642 bei einem Geburtenüberschuß von 1 002 415, also 49,74%.

Gegenden mit Μehrabwanderung: das übrige Deutschland: 1885/90 Verlust 837 000 Köpfe oder 43,8 Proz. seiner natürlichen Zunahme.54Läßt man die Werte für die einzelnen Regierungsbezirke und Kreise unberücksichtigt und berücksichtigt nur die in den Zwischensummen der preußischen Provinzen und übrigen Länder genannten Werte, ergibt sich nach den Zahlen, ebd., für das übrige Deutschland eine Auswanderung von 845 040 bei einem Geburtenüberschuß von 1 899 461 (= 44,49%).

Das ostelbische Deutschland außer Brandenburg allein: 1885/90 Verlust 600 000 Köpfe oder ¾e[268]In A folgt: Proz. Siehe Anm. 55. der natürlichen Zunahme, (Ostpreußen 132 000 oder 100,6 Proz.).55Vgl. ebd.: Zwischen 1885/90 gab es in den Provinzen Ostpreußen, Westpreußen, Posen, Pommern, Schlesien und den Großherzogtümern Mecklenburg eine Abwanderung von 596 044 bei einem Geburtenüberschuß von 787 058 (= 75,73%). In Ostpreußen betrug die Zahl der Abwanderer 131 733 bei einem Geburtenüberschuß von 130 921.

Es betrugen Proz. der Bevölkerung:

die Stadtbevölkerungdie Landbevölkerung
187156Vierteljahrshefte zur Statistik des Deutschen Reichs für das Jahr 1873. Erstes Heft. (Band II. Heft I der Statistik des Deutschen Reichs). – Berlin: Verlag des Königlichen Preußischen Statistischen Bureaus 1873, S. 159. 32,1 Proz.67,9 Proz.
188557Statistik des Deutschen Reichs. Neue Folge, Band 32. – Berlin: Puttkammer & Mühlbrecht 1888, S. 29*. 43,7 Proz.56,3 Proz.

In den Großstädten (über 100 000 Einwohner) wohnten

1871 : 4,8,58Ebd., S. 29*. 1885 : 9,5,59Ebd. 1890 : 12 Proz. der Bevölkerung.60Gemäß der Volkszählung vom 1. Dezember 1890 wohnten in den Großstädten 11,4% der Bevölkerung. Vgl. Statistik des Deutschen Reichs. Neue Folge, Band 68. – Berlin: Puttkammer & Mühlbrecht 1894, S. 20*.

[269]d. Die Landarbeiter.

  • Litteratur: v. d. Goltz, Die ländliche Arbeiterfrage und ihre Lösung. 2. Aufl. 1872.61[269]Die erste Auflage erschien 1872, die zweite 1874.
  • [A 8]Ders.: Die Lage der ländlichen Arbeiter im Deutschen Reich (Tabellenwerk auf Grund einer Enquête).62Gemeint ist die vom „Congreß deutscher Landwirthe“ 1872/73 durchgeführte Erhebung über die Lage der Landarbeiter im Deutschen Reich, deren Ergebnisse in der genannten Publikation veröffentlicht sind. 1873.63Die Untersuchung erschien 1875.
  • Ders.: Die ländliche Arbeiterklasse und der preußische Staat. 1893. (300 S.).
  • Quistorp (Pfarrer), Die soziale Not der ländlichen Arbeiter (Heft 10 der Evang[elisch]-soz[ialen] Zeitfragen).
  • G[eorg] F[riedrich] Knapp, Die Landarbeiter in Knechtschaft und Freiheit. (4 kurze Vorträge.) 1891.
  • Nobbe, Zur ländlichen Arbeiterfrage. (Vortrag auf dem 2. Evang[elisch]-Soz[ialen] Kongreß 1891.)
  • Schriften des Vereins für Sozialpolitik Bd. 53–55,1892. (Die Verhältnisse der Landarbeiter betreffend, auf Grund einer Enquête.)64Der Verein für Socialpolitik führte 1891/92 eine Erhebung über die Lage der Landarbeiter durch. Nach der Erhebung des preußischen Landesökonomiekollegiums 1848/49 und der des „Congresses deutscher Landwirthe“ 1872/73 war dies die dritte große Untersuchung über die Lage der ländlichen Unterschichten. Max Weber bearbeitete die Lage der ostelbischen Landarbeiter. Seine Ergebnisse wurden in Band 55 der Schriften des Vereins für Socialpolitik veröffentlicht. Vgl. Weber, Landarbeiter.
  • Monographien: K[arl] Kaerger, Die Sachsengängerei, 1880 (umfassende Darstellung auf Grund amtlicher Erhebungen).65Die Schrift beruhte auf persönlichen Ermittlungen, die Karl Kaerger vor Ort 1889 mit behördlicher Unterstützung eingeholt hatte. Vgl. sein Vorwort. Sie erschien 1890.
  • Wittenberg (Pfarrer), Ländliche Arbeiterverhältnisse in Neuvorpommern und auf Rügen. 1893.66Der genaue Titel lautet: Wittenberg, Hans, Die Lage der ländlichen Arbeiter in Neuvorpommern und auf Rügen. – Leipzig: Reinhold Werther 1893.
  • C[arl] L[udwig]f[269]A: O. ; Verwechslung der Vornamen, vgl. Anm. 67 sowie das Literaturverzeichnis. Fischer (Pfarrer), Beitrag zur Orientierung über die Lage der ländlichen Arbeiter in Ostpreußen. Königsberg 1893.67Der Verfasser der Schrift war der ostpreußische Pfarrer Carl Ludwig Fischer.
  • [270](Antwort auf den Fragebogen des Evang[elisch]-soz[ialen] Kongresses.)68[270]Der Evangelisch-soziale Kongreß führte 1892/93 eine Erhebung über die Lage der Landarbeiter durch. Er wandte sich dabei mit einem von Paul Göhre und Max Weber ausgearbeiteten Fragebogen an die evangelischen Geistlichen im Deutschen Reich. Der Fragebogen ist abgedruckt im Rahmen der Vorbemerkung Webers zu „Die Landarbeiter in den evangelischen Gebieten Norddeutschlands“, unten, S. 694–705.

Problem der ländlichen Arbeitsverfassung – Möglichkeiten der Lösung – die bestehenden Arbeitsverfassungen und ihre historische Herkunft – die Tendenzen der neuesten Entwickelung und ihre Konsequenzen.

Zahl der Landarbeiter:

1882 waren von 8 Millionen in der Landwirtschaft Erwerbsthätigen unselbständig 5,8 Millionen, und zwar

1) Verwaltungs- und Aufsichtspersonal 47 000,69Statistik des Deutschen Reichs. Neue Folge, Band 2, S. 67*. Die genaue Zahl lautet: 47 465.
2) Knechte, Mägde und Gehilfen1 589 000,70Vgl. ebd. Die genaue Zahl lautet: 1 589 088.
3) in der Landwirtschaft des Familienhauptes thätige Familienglieder1 934 000,71Vgl. ebd. Die genaue Zahl lautet: 1 934 615.
4) Tagelöhner ohne selbständigen Betrieb (davon 1 042 000 in Preußen,)73Vgl. ebd., S. 81*. Die genaue Zahl lautet: 1 042 244. 1 373 000,72Vgl. ebd. Die genaue Zahl lautet: 1 373 774.
5) Tagelöhner, die zugleich selbständig Landwirtschaft betreiben 866 000.74Vgl. ebd., S. 67*. Die genaue Zahl lautet: 866 493.

[A 9]§ 6. Stellung und Aufgaben des Staates.

Vgl. das zu § 5 zitierte Buch von v. d. Goltz,75Gemeint ist Goltz, Theodor von der, Die ländliche Arbeiterklasse und der preußische Staat. – Jena: Gustav Fischer 1893. ferner: Sering, Die innere Kolonisation im östlichen Deutschland. Leipzig 1892.76Serings Schrift erschien 1893.

[271]Historische Phasen und Charakter der preußischen Agrarpolitik – Regulierungsgesetze77[271]Das preußische Regulierungsedikt vom 14. September 1811 und seine Deklaration vom 29. Mai 1816 schufen die rechtlichen Voraussetzungen für die Allodifikation bäuerlichen Eigentums und die Ablösung der bäuerlichen Abgaben und Dienstpflichten. Die Gesetze bezogen sich auf Bauern mit „schlechten Besitzrechten“. – Gemeinheitsteilung78Gemeint ist die preußische Gemeinheitsteilungsordnung vom 7. Juni 1821, welche die Aufteilung der Allmende an die Mitglieder der Nutzungsgemeinschaft einleitete. – Ablösungsgesetz79Dies bezieht sich entweder auf die Ablösungsordnung vom 7. Juni 1821, die spannfähigen Bauern mit „guten Besitzrechten“ die Ablösung ihrer Dienste und Leistungen ermöglichte, oder auf das „Gesetz, betreffend die Ablösung der Reallasten und die Regulierung der gutsherrlichen und bäuerlichen Verhältnisse“ vom 2. März 1850, das die in der Reformzeit eingeleitete Aufhebung der bäuerlichen Dienste und Abgaben endgültig regelte. – Zollpolitik

Rückschlag in den 70er Jahren – Schutzzollpolitik801879 ging das Deutsche Reich zu einem System hoher Schutzzölle für agrarische und industrielle Produkte über. – Rentengüter- und Ansiedelungsgesetze.81Gemeint sind die drei preußischen Gesetze vom 26. April 1886, 27. Juni 1890 und 7. Juli 1891.

Bodenbesitzreform- und Heimstättenbewegung82Die Bodenbesitzreformbewegung strebte in ihrer ersten, radikalen Phase (bis 1898) die weitgehende Verstaatlichung oder Kommunalisierung des privaten Grundbesitzes im Deutschen Reich an. Das Ziel der seit 1890 in Europa einsetzenden Heimstättenbewegung war die Einführung eines Heimstättenrechts nach amerikanischem Vorbild, das die fast unentgeltliche Vergabe von Land an Siedler aus ungesicherten sozialen Verhältnissen regelte und diese unter einen besonderen Schutz vor Zwangsvollstreckung stellte. – Domänenpolitik des Staates.

Bestehende Probleme und Aufgaben des Staates. Lage und Aussichten der inneren Kolonisation. – Stellung zu den Landarbeitern.

Stellung der Kirche.

Vgl. dazu: Bäuerliche Glaubens- und Sittenlehre. Erfahrungen eines Thüringschen Landgeistlichen (anonym). Gotha 1890.83Gemeint ist die von Hermann Gebhardt anonym veröffentlichte Schrift: Zur bäuerlichen Glaubens- und Sittenlehre. Von einem thüringischen Landpfarrer. – Gotha: Gustav Schloessmann 18902.