Das Polenthum in den deutschen Ostmarken. Vortrag am 13. März 1897 in Freiburg
(in: MWG I/4, hg. von Wolfgang J. Mommsen in Zusammenarbeit mit Rita Aldenhoff)
Bände

[819]Editorischer Bericht

Zur Entstehung

Bereits auf denn ersten Alldeutschen Verbandstag im September 1894 in Berlin hatte Max Weber zur Polenfrage in den ostelbischen Provinzen Preußens Stellung genommen und nachdrücklich die Sperrung der Grenzen für polnische Wanderarbeiter sowie eine verstärkte staatliche Kolonisationstätigkeit zwecks Ansiedlung deutscher Bauern gefordert.1[819] Abgedruckt in diesem Band, S. 717–719. Er trat der im Dezember 1896 gegründeten2Alldeutsche Blätter. Mitteilungen des Alldeutschen Verbandes, Nr. 8 vom 21. Febr. 1897, S. 44. Freiburger Ortsgruppe des Alldeutschen Verbands bei,3Der genaue Zeitpunkt ist nicht bekannt, läßt sich auch nicht aus den im ZStA Potsdam aufbewahrten Akten des Alldeutschen Verbandes ermitteln. in der Erwartung, daß er hier Unterstützung für seine Forderungen finden würde. Am 13. März 1897 sprach er hier über die Polenfrage in den östlichen Provinzen. Der Vorsitzende der Ortsgruppe, Gottfried Baist, war Professor der romanischen Philologie und gehörte dem weiteren Freundeskreis Webers an.4Weber, Marianne, Lebensbild1, S. 216f. Baist hatte gerade eben (Februar 1897) den Vorsitz der Ortsgruppe übernommen. Alldeutsche Blätter, Nr. 8 vom 21. Febr. 1897, S. 44. Schriftführer der Ortsgruppe war der Professor für Anatomie Franz Keibel,5Alldeutsche Blätter, Nr. 8 vom 21. Febr. 1897, S. 44. Schwager des mit Weber eng befreundeten Philosophen Heinrich Rickert. Der Vortrag wurde in der Freiburger Zeitung mit dem Titel „Über das Polenthum in den deutschen Ostmarken“ angekündigt.6Freiburger Zeitung, Nr. 59 vom 13. März 1897, S. 2. Weber unterstrich nochmals seine Forderungen nach Zurückdrängung der polnischen Wanderarbeiter und nach forcierter innerer Kolonisation. Späterhin ist Weber aus dem Alldeutschen Verband wieder ausgetreten, mit der Begründung, daß dieser sich der Polenfrage nicht in seinem Sinne angenommen habe. Bei dieser Gelegenheit erklärte er, er habe seine Forderungen in mehreren Vorträgen bis zum „Steckenpferdreiten“ vorge[820]tragen, ohne damit durchgedrungen zu sein, da er als „Feind der Junker“ gelte.7[820] Brief an Ernst Hasse vom 22. April 1899, Abschrift Marianne Weber (masch.), ZStA Merseburg, Rep. 92, Nl. Max Weber, Nr. 30/4.

Die Freiburger Zeitung stellte ihrem Bericht über Max Webers Ausführungen die folgende Bemerkung voran:8Freiburger Zeitung, Nr. 61 vom 16. März 1897, S. 2. „Auf Veranlassung der rührigen Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes hielt der bekannte Nationalökonom Prof. Dr. Max Weber am Samstag Abend einen Vortrag über das Polenthum in den deutschen Ostmarken.“ Am Schluß des Berichts vermerkte die Zeitung „lebhaften Beifall“; im Anschluß an den Vortrag sprach der Vereinsvorsitzende Gottfried Baist Max Weber seinen Dank aus.

Wir verfügen weiterhin über einen Bericht der Breisgauer Zeitung9Breisgauer Zeitung, Nr. 63 vom 16. März 1897, S. 2. über den Vortrag, in dem am Ende auf die abschließende Diskussion Bezug genommen wird, „in welcher Herr Prof. Keibel die interessante Mittheilung“ gemacht habe, „daß aus dem alldeutschen Verband heraus sich eine Gesellschaft gebildet habe, die in den Ostmarken ein Waisenhaus gründete und tüchtige Kräfte für die Hebung des dortigen Handwerks heranziehen will.“

Zur Überlieferung und Edition

Ein Manuskript ist nicht überliefert. Über den Vortrag liegen uns folgende Presseberichte vor:

  1. „Das Polenthum in den deutschen Ostmarken“, Freiburger Zeitung, Nr. 61 vom 16. März 1897, S. 2;
  2. Breisgauer Zeitung, Nr. 63 vom 16. März 1897, S. 2.

Webers Ausführungen – A(1) und A(2) – werden nach diesen Berichten wiedergegeben.