Agrarpolitik. . Grundriß einer Vortragsreihe 1895
(in: MWG I/4, hg. von Wolfgang J. Mommsen in Zusammenarbeit mit Rita Aldenhoff)
Bände

[597]Editorischer Bericht

Zur Entstehung

Das Freie Deutsche Hochstift war 1859 von Otto Volger, einem Demokraten der 48er Revolution, gegründet worden. Neben der Pflege des Goetheschen Erbes veranstaltete das Hochstift Kurse zur Volksbildung.1[597]Vgl. zur Geschichte des Hochstifts: Adler, Fritz, Freies Deutsches Hochstift. Seine Geschichte, 1.Teil: 1859–1885. – Frankfurt a.M.: Johannes Weisbecker 1959, bes. S. 26f., sowie Rumpf, Hermann, Aus der Geschichte des freien Deutschen Hochstifts. – Frankfurt a.M.: Osterrieth o. J. [1938]. Diese Kurse bzw. Vortragsreihen wurden von namhaften Fachwissenschaftlern durchgeführt. Zu ihnen gehörte auch Max Weber. Unter dem Titel „Agrarpolitik“ führte er dort am 15., 22. und 29. Februar sowie am 7. und 14. März 1896 eine Vortragsreihe durch. Die Umstände seiner Einbeziehung in das Vortragsprogramm des Freien Deutschen Hochstifts sind nicht bekannt. Das Programm des Hochstifts für das Winterhalbjahr 1895–96 (Oktober bis März)2Freies Deutsches Hochstift zu Frankfurt a.Μ. Lehrgänge im Winter-Halbjahr 1895–96. – Frankfurt a.Μ.: Gebrüder Knauer o. J. [1895], S. 5–12. sah Vorträge in insgesamt sechs Abteilungen vor: I. Geschichte, II. Literaturgeschichte, III. Kunstgeschichte, IV. Staatswissenschaften, V. Volkswirtschaftslehre und VI. Philosophie. Für jede Fachrichtung, mit Ausnahme der Literaturgeschichte, für die das Programm drei Referenten nannte, wurde jeweils ein Dozent angegeben; jeder Lehrgang bestand aus fünf Vorträgen. Webers Vortragsreihe war der Abteilung „V.Volkswirtschaftslehre“ zugeordnet. Im Rahmen der Ankündigung des Lehrplans wurden pro Abteilung von den Referenten selbst mehr oder weniger ausführliche stichwortartige Überblicke über die geplanten Vorträge und einzelnen Sitzungen gegeben.3Ebd., S. 7–12. Auch Weber fertigte ein solches Exposé an. Der gedruckte Text ist zwar sowenig wie die übrigen Überblicke namentlich gezeichnet, doch ist davon auszugehen, daß er von ihm stammt: Der Entwurf ist sehr detailliert, er stimmt weitgehend mit den tatsächlich gehaltenen Vorträgen, über die uns ausführliche Zeitungsberichte überliefert sind,4Siehe den Abdruck der Berichte unten, S. 748–790. [598]überein; ferner bestehen thematische Bezüge zu anderen Vorträgen Webers über agrarpolitische Fragen, z. B. die Betonung des Zusammenhangs von Bodenbesitzverteilung und Bevölkerungsdichte5[598]Unten, S. 599. und die ausführliche Behandlung der Vorschläge der Nationalökonomen Johann Karl Rodbertus und Albert Schäffle über die Begrenzung des Realkredits.6Unten, S. 600. Das genaue Datum der Entstehung und Veröffentlichung des Textes ist nicht bekannt. Doch dürfte er spätestens im September 1895, eher früher, gedruckt vorgelegen haben. Denn da die „Lehrgänge“ des Winterhalbjahrs im Oktober 1895 begannen, mußten die Ankündigungen, in deren Rahmen das Eposé Webers ja gedruckt war, zu diesem Zeitpunkt spätestens fertiggestellt sein.

Zur Überlieferung und Edition

Ein Manuskript ist nicht überliefert. Der Abdruck folgt dem Text, der unter der Überschrift: „V. Volkswirtschaftslehre. 7. Herr Professor Max Weber aus Freiburg i. Br.: Agrarpolitik“, in: Freies Deutsches Hochstift zu Frankfurt a.Μ. Lehrgänge im Winter-Halbjahr 1895–96. – Frankfurt a.M.: Gebrüder Knauer o. J. [1895], S. 10f., erschienen ist (A).1Die „Lehrgänge“ sind als Broschüre erschienen und in der Bibliothek des Freien Deutschen Hochstifts, Frankfurt am Main, gesammelt überliefert. Der Titel von Webers Vortragsreihe lautete demnach „Agrarpolitik“. Der Text lag spätestens im September 1895 gedruckt vor. Neben der Übersicht existieren über die jeweiligen Vortragsabende ausführliche Presseberichte.2In diesem Band abgedruckt, unten, S. 748–790. Die Zwischenüberschriften der Übersicht stimmen mit den in den Zeitungsberichten genannten Titeln der einzelnen Vorträge überein.