Aufruf zum Besuch eines sozialwissenschaftlichen Kursus in Karlsruhe vom 4. bis 8. Oktober [1897]
(in: MWG I/4, hg. von Wolfgang J. Mommsen in Zusammenarbeit mit Rita Aldenhoff)
Bände

[902][A 1]Aufruf zum Besuch eines sozialwissenschaftlichen Kursus in Karlsruhe vom 4. bis 8. Oktober [1897]

Die evangelisch-soziale Konferenz für Württemberg und die evangelisch-soziale Vereinigung für Baden veranstalten vom 4. bis 8. Oktober dieses Jahres im großen Auditorium der technischen Hochschule in Karlsruhe einen sozialwissenschaftlichen Kursus. Wie die vorausgegangenen Berliner Kurse des Evangelisch-sozialen Kongresses,1[902] Der Evangelisch-soziale Kongreß veranstaltete vom 10. bis zum 20. Oktober 1893 und vom 24. September bis 2. Oktober 1896 sozialpolitische Kurse in Berlin. Weber wirkte an beiden Kursen mit; sein Beitrag zum ersten Kursus „Landwirtschaft und Agrarpolitik“ ist in diesem Band abgedruckt, S. 259–271. Sein Beitrag zum zweiten Kursus über „Börsenfragen“ erscheint in MWG I/5. wird auch dieser Kursus einen wissenschaftlich informatorischen Charakter tragen. Er wird dabei aber auch auf die bei der selbständigen Entwicklung des Südens vielfach eigenartigen Verhältnisse der süddeutschen Länder Rücksicht nehmen. Wir laden sozial interessirte Männer und Frauen jedes Standes und ohne Unterschied des Bekenntnisses zur Beteiligung an diesem Kursus freundlichst ein. Zur Deckung der Unkosten wird eine Teilnehmerkarte ausgegeben, die gegen Einsendung von 3 Mark durch Herrn Pfarrer Dieterich-Holzheim (Württemberg), Stadtpfarrer Dr. Lehmann-Hornberg (Baden), Vikar Wolf, Straßburg i[m] E[lsaß] (Am Roseneck 19), Realgymnasiallehrer Pfarrer Waitz, Darmstadt, oder die Braunsche Hofbuchhandlung in Karlsruhe zu beziehen ist, an welch letzterer Stelle auch Auskunft über Wohnungen erteilt wird. Vorlesungen sollen gehalten werden über:

  1. Agrarpolitik, mit besonderer Berücksichtigung der Agrarverfassung[,] Professor Dr. Max Weber-Heidelberg, 6 Stunden.
  2. Unternehmer- und Arbeiterverbände, Professor Dr. Herkner-Karlsruhe, 5 Stunden.
  3. Bevölkerungsproblem, Privatdozent Dr. Losch, Finanzassessor am statistischen Landesamt, Stuttgart, 3 Stunden.
  4. Handwerkerfrage, Privatdozent Dr. Troeltsch, Tübingen, 4 Stunden. [903]
  5. Handelspolitik, mit besonderer Berücksichtigung der Handelsverträge, Professor Dr. von Schulze-Gaevernitz-Freiburg, 5 Stunden.
  6. Kommunalpolitik, Referent noch nicht bestimmt, 5 Stunden.

Im Anschluß an die Vorlesungen finden Diskussionen statt. Im Einzelnen wird folgender Stundenplan festgesetzt:

MontagDienstagMittwochDonnerstagFreitag
8–9HerknerHerknerHerknerHerkner
9–10KommunalpolitikKommunalpolitikTroeltschTroeltschKommunalpolitik
10–11HerknerLoschDiskussion Handwerkerfrage TroeltschDiskussion Arbeiter- u[nd] Unternehmerverbände (Herkner)Diskussion Kommun[al]politik
11–12TroeltschTroeltsch
12–1
3–4LoschDiskussion Bevölkerungsproblem (Losch)
4–5WeberKom[munal]politikKom[munal]politikvon Schulze-G[aevernitz]
5–6Webervon Schulze-G[aevernitz]von Schulze-G[aevernitz]von Schulze-G[aevernitz]
6–7WeberWeberWeberWeber
Ab[en]ds von 8 Uhr anVortrag u[nd] gesell[ige] VereinigungfreifreiDiskussion Agrarpolitik (Weber)Diskussion Handelspolitik v. Schulze-G[aevernitz]

Für Beschaffung nicht zu teurer Logis in geeigneten Gasthäusern wird ein Lokalkomitee besorgt sein.