[445][B 40]Der Sinn der „Wertfreiheit“ der soziologischen und ökonomischen Wissenschaften1)[445][B 40]Umarbeitung eines für eine interne Diskussion im Ausschuß des „Vereins für Sozialpolitik“ 1913 erstatteten, als Manuskript gedruckten Gutachtens.1[445] Gemeint ist: Weber, Beitrag zur Werturteildiskussion, oben, S. 336–382. Ausgeschaltet [446]wurde möglichst alles nur diesen Verband Interessierende, erweitert die allgemeinen methodologischen Betrachtungen. Von andern für jene Diskussion erstatteten Gutachten ist dasjenige von Professor Spranger in Schmollers Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft publiziert worden.2[446] Gemeint ist: Spranger, Werturteile (1914), ein Wiederabdruck von: Spranger, Eduard, Die Stellung der Werturteile in der Nationalökonomie, in: Äußerungen zur Werturteildiskussion im Ausschuß des Vereins für Sozialpolitik. Als Manuskript gedruckt. – o. O. 1913, S. 59–81. Ich gestehe, daß ich diese Arbeit jenes auch von mir geschätzten Philosophen für merkwürdig schwach, weil nicht zur Klarheit gediehen, halte, vermeide aber jede Polemik mit ihm schon aus Raumgründen und lege nur den eigenen Standpunkt dar.3 In einem Brief an Heinrich Rickert vom 3. November [1915] kritisiert Weber Spranger ebenfalls und bezeichnet dessen Beitrag zur Werturteildiskussion „als miserables Gutachten über die ,Werth‘-Frage“, MWG II/9, S. 159 f., hier S. 159.cFehlt in A..a[445]A: Max Weber Index fehlt in A; in B folgt: Von Max Weber (Heidelberg).
[445][B 40]Umarbeitung eines für eine interne Diskussion im Ausschuß des „Vereins für Sozialpolitik“ 1913 erstatteten, als Manuskript gedruckten Gutachtens.
1
Ausgeschaltet [446]wurde möglichst alles nur diesen Verband Interessierende, erweitert die allgemeinen methodologischen Betrachtungen. Von andern für jene Diskussion erstatteten Gutachten ist dasjenige von Professor Spranger in Schmollers Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft publiziert worden.[445] Gemeint ist: Weber, Beitrag zur Werturteildiskussion, oben, S. 336–382.
2
Ich gestehe, daß ich diese Arbeit jenes auch von mir geschätzten Philosophen für merkwürdig schwach, weil nicht zur Klarheit gediehen, halte, vermeide aber jede Polemik mit ihm schon aus Raumgründen und lege nur den eigenen Standpunkt dar.[446] Gemeint ist: Spranger, Werturteile (1914), ein Wiederabdruck von: Spranger, Eduard, Die Stellung der Werturteile in der Nationalökonomie, in: Äußerungen zur Werturteildiskussion im Ausschuß des Vereins für Sozialpolitik. Als Manuskript gedruckt. – o. O. 1913, S. 59–81.
3
In einem Brief an Heinrich Rickert vom 3. November [1915] kritisiert Weber Spranger ebenfalls und bezeichnet dessen Beitrag zur Werturteildiskussion „als miserables Gutachten über die ,Werth‘-Frage“, MWG II/9, S. 159 f., hier S. 159.
c
Fehlt in A.
[445]A: Max Weber Index fehlt in A; in B folgt: Von Max Weber (Heidelberg).
Unter „Wertungen“ sollen nachstehend, wo nicht ein anderes gesagt oder von selbst ersichtlich ist, „praktische“ Bewertungen [446]einer durch unser Handeln beeinflußbaren Erscheinung als verwerflich oder billigenswert verstanden sein. Mit dem Problem der „Freiheit“ einer bestimmten Wissenschaft von Wertungen dieser Art, mit der Geltung und dem Sinn dieses logischen Prinzips also, in keiner Art identisch ist die ganz andere, kurz vorweg zu besprechende Frage:
b
[[A 84]]Ob man im akademischen Unterricht sich zu seinen ethisch oder durch Kulturideale oder sonst weltanschauungsmäßig begründetenA: [A 83]Die nachfolgenden Bemerkungen beschränken sich ausdrücklich auf empirische Disziplinen, wie die uns fachlich interessierende Soziologie (einschließlich der „Politik“), Nationalökonomie (einschließlich der „Wirtschaftspolitik“), Geschichte (aller Arten, also ausdrücklich: einschließlich z. B. der Rechts-, Religions- und Kulturgeschichte) es sind. /I. / Nicht diskutieren möchte ich persönlich auch innerhalb dieses Rahmens bei der Ausschußverhandlung mit Andersgesinnten über folgende Punkte: / 1. Ob im Verein für Sozialpolitik Fragen der „Weltanschauung“, genauer praktisch-politische „Wertungen“ ihre Stätte haben sollen? / Denn es scheint mir unter uns allen festzustehen, daß er vornehmlich zu diesem Zwecke geschaffen wurde, bestanden hat und weiter bestehen soll. Er soll dies ganz in dem richtig verstandenen Sinne weiter tun, den seine Diskussionen auch bisher hatten. Er hat ausdrücklich auf „Resolutionen“ und ähnliches verzichtet, hat damit den Typus des „Religionsgesprächs“, bei dem ein Teil Ketzer sein muß, von ihnen ferngehalten, hat absichtlich die Heranziehung verschiedener, möglichst entgegengesetzter Standpunkte für Referate zum Grundsatz gemacht, und er hat damit seinerseits alle diejenigen Postulate erfüllt, welche wir an eine Diskussion von praktischen Wertungen stellen, – deren wissenschaftliches Ziel sein kann: die entscheidenden, nicht weiter reduzierbaren Axiome, auf welchen die entgegengesetzten Standpunkte ruhen, bloßzulegen, – so daß man wählen könne. Das Seltsame ist bei dieser Lage nur, daß ein Teil seiner Mitglieder diesen Sachverhalt theoretisch nicht zutreffend versteht, obwohl sie praktisch meist ihm gemäß gehandelt haben. „Propaganda“ zu machen beabsichtigt der Verein seit seiner Gründung ausschließlich für die nur sehr allgemein dahin zu formulierende Stellungnahme: daß man an Erscheinungen des Wirtschaftslebens, wenn man sie wertend betrachtet, auch andere Wertmaßstäbe anlegen dürfe, als [A 84]lediglich das geschäftliche Rentabilitätsinteresse der jeweiligen Erwerbsunternehmungen. Ich sehe sonst gar nichts, was wirklich „gemeinsam“ wäre. Daß von seinen Gründern und Mitgliedern ein jeder gehofft haben wird, daß seine (von anderen Mitgründern oft stark divergierenden) Wertungen am hinreißendsten wirken würden, versteht sich hier wie sonst von selbst. Der Verein für Sozialpolitik war und ist ein Gebilde, innerhalb dessen in erster Linie praktisch-politische Fragen diskutiert worden sind und diskutiert werden sollen, unter hervorragender Beteiligung von Leuten, welche für deren Diskussion eine spezifische Voraussetzung: gelehrte Fachkenntnis der Tatsachen, mitbringen. Aber es wäre ein sehr schwerer Irrtum, zu glauben, daß gerade gelehrte Fachkenntnis eine spezifische Vorzugsqualität für die praktisch wertende Stellungnahme verleihe. Seine anscheinend weite Verbreitung macht es in der Tat erwünscht, daß man sich über den „Sinn“ des im Verein üblichen Diskutierens klar werde. Damit befassen sich die späteren Erörterungen. / Nicht diskutieren möchte ich für meine Person ferner: / 2.
d
praktischen Wertungen „bekennen“ solle oder nicht.A: ethischen, ästhetischen, weltanschauungsmäßigen oder anderen
e
Wissenschaftlich diskutierbar ist sie nicht.In A folgt nach einem Absatz: Ich bedaure die Hineinziehung dieses Problems.
f
Denn sieFehlt in A.
g
ist selbst eine gänzlich von praktischen Wertungen abhängige und eben deshalb unaustragbare FrageA: das
h
. Vertreten sindA: Frage, die eben deshalb unaustragbar ist
i
, um nurA: Denkbar ist nämlich
k
die Extreme zu zitieren, sowohl:Fehlt in A.
l
a) der Standpunkt, daß zwarIn A folgt ein Absatz.
m
dieFehlt in A.
n
Trennung rein logisch erschließbarerIn A folgt: logische
o
und rein empirischer Sachverhalte einerseits,A: logischer
p
von den praktischen,Fehlt in A.
q
ethischen oder weltanschauungsmäßigen,Komma fehlt in A.
r
Wertungen andererseits,A: „weltanschauungsmäßigen“
s
zu Recht bestehe, daß aber dennoch (oder vielleicht sogar:Fehlt in A.
u
eben deshalb)Doppelpunkt fehlt in A.
t
beide Kategorien von Problemen [B 41]auf das Katheder gehören, – wieKlammern fehlen in A.
a
b) der Standpunkt, daß, auch wenn jeneIn A folgt ein Absatz.
b
Trennung logisch nicht konsequent durchführbar sei, dennoch es sich empfehle, alleA: die
c
[447]praktischen Wertfragen im Unterricht möglichst zurücktreten zu lassen.A: jene
d
[447] In A folgt nach einem Absatz: Um nicht dem Vorwurf, mit der eignen Meinung zurückzuhalten, ausgesetzt zu sein, muß ich hier allerdings auf diese Fragen eingehen. / Zunächst also:
Der Standpunkt „b“ scheint
e
mir unannehmbarA: schiene
f
. –A: (subjektiv) unakzeptabel
g
Insbesondere scheint mir die für unsere DisziplinenGedankenstrich fehlt in A.
h
nicht selten gemachte Unterscheidung praktischerFehlt in A.
i
Wertungen in solche „parteipolitischen“ und solche anderen Charakters schlechterdings undurchführbar und nur ge[A 85]eignet, die praktische Tragweite der den Hörern suggerierten Stellungnahme zu verhüllen.A: „praktischer“
j
Die Ansicht vollends: daß dem Katheder die „Leidenschaftslosigkeit“ eignen müsse, folglich Dinge auszuscheiden seien, welche die Gefahr „temperamentvoller“ Erörterungen mit sich brächten, wäre, wenn man überhaupt einmal auf dem KathederB: verhüllen,
k
wertet, eine Bureaukratenmeinung, dieFehlt in A.
l
jeder unabhängige Lehrer zurückweisen müßte. Von denjenigen Gelehrten, welche sich die praktischenA: welche – nach meiner subjektiven Ansicht –
m
Wertungen bei empirischen Erörterungen nicht versagen zu sollen glaubten, warenA: „praktischen“
n
gerade die leidenschaftlichsten – wie etwa Treitschke, in seiner Art auch MommsenA: sind
4
–[447] Weber geht hier vermutlich von seinen eigenen Erfahrungen mit den beiden im damaligen Berliner Universitäts- und öffentlichen Leben bekannten Historikern Heinrich von Treitschke und Theodor Mommsen aus, deren Vorlesungen er als Student besuchte. Vgl. dazu die Erläuterung zu Weber, Beitrag zur Werturteildiskussion, oben, S. 338, Anm. 1.
o
am ehesten zu ertragen. Denn gerade durch dieIn A folgt: gerade vom Standpunkt der prinzipiellen Trennung beider Sphären
p
Stärke der Affektbetontheit wird der Hörer wenigstens in die Lage versetzt, seinerseitsA: durch das Medium der unterschiedlichen
q
die Subjektivität der Wertung des Lehrers in ihrem Einfluß auf eineIn A folgt: relativ leicht die Scheidung der verquickten Probleme vorzunehmen, also
r
etwaige Trübung seiner FeststellungenA: die
s
abzuschätzen und alsoA: empirischen Feststellung
t
für sich das zu tun, was dem Temperament des Lehrers versagt blieb. Dem echten Pathos bliebe so diejenige Wirkung auf die Seelen der Jugend gewahrt, welche – wie ich annehme – die Anhänger der praktischen Kathederwertungen ihnen gern sichern möchten, ohne daß der Hörer dabei zur Konfusion verschiedener Sphären miteinander verbildet würde, wie es [448]geschehen muß, wenn die Feststellung empirischer TatsachenA: so
u
und die Aufforderung zur praktischen[448]A: reiner Faktizitäten
a
Stellungnahme zu großen Lebensproblemen beideA: das Provozieren praktischer
b
in die gleiche kühleA: beides
c
Temperamentlosigkeit getaucht werdenFehlt in A.
d
. A: wird
Der Standpunkt „a“ scheint mir, und zwar
e
vom eigenen subjektiven Standpunkt seiner etwaigen Anhänger aus,A: mir – vom
f
dann und nur dann akzeptabel, wenn der akademische Lehrer sich zur unbedingtenA: aus-
g
Pflicht setzt, in jedem einzelnen Falle, auch auf die Gefahr hin, seinen VortragA: absoluten
h
dadurch reizloser zu gestalten, seinen Hörern und, was die Hauptsache, sich selbst unerbittlichA: seine Wertungen
i
klar zu machen: was von seinen jeweiligen Ausführungen entweder rein logisch erschlossen oder reinIn A folgt: (eventuell „pedantisch“)
k
empirische Tatsachenfeststellung und was praktische Wertung ist. Dies zu tunFehlt in A.
l
allerdings scheint mir direkt ein Gebot der intellektuellen Rechtschaffenheit, wenn [B 42]man einmal die Fremdheit der Sphären zugibt; in diesem Fall ist esFehlt in A
m
das absolute Minimum des zu Fordernden. – A: logische Heterogenität zugibt, und also
Die Frage dagegen: ob man auf dem Katheder überhaupt (auch unter dieser Kautel) praktisch
n
werten solleA: praktisch-politisch
o
oder nicht, ist ihrerseits eine solche der praktischen Universitätspolitik und deshalb [A 86]letztlich nur vom Standpunkt jenerA: soll
p
Aufgaben aus entscheidbar, welche der einzelne von seinenA: der
q
Wertungen aus den Universitäten zuweisen möchte. Wer für sie, undA: seinen
r
damit für sich selbst, kraftA: sie (und
s
seiner Qualifikation zum akademischen LehrerA: selbst kraft
t
heute noch die universelle Rolle: Menschen zu prägen, politische, ethische, künstlerische, kulturliche oder andereA: Lehrer)
u
Gesinnung zu propagieren, in Anspruch nimmt, wird zu ihr anders stehen, als derjenige, welcher die Tatsache (und ihre Konsequenzen) bejahen zu müssen glaubt: daß die akademischen HörsäleA: prägen und politische
a
heute ihre wirklichA: Hochschulen
b
wertvollen Wirkungen nun einmal nurFehlt in A.
c
durch fachmäßige Schulung seitens fachmäßig Qualifizierter entfalten und daß deshalb die „intellektuelle Rechtschaffenheit“ die einzige spezifische Tugend sei, zu der sie zu erziehen habenFehlt in A.
d
. Man kann den ersten Standpunkt aus eben[449] sovielFehlt in A.
e
verschiedenen letzten[449]A: ebenso viel
f
Positionen heraus vertreten wie den zweiten. Diesen letzteren insbesondere (den ich persönlich einnehme) kann man ableitenA: „letzten“
g
sowohl aus einer höchst überschwänglichen wie gerade umgekehrt auch aus einer durchaus bescheidenen Einschätzung der Bedeutung der „Fach“bildung. Z. B. nichtFehlt in A.
h
, weil man etwa wünschte, daß alle Menschen, im innerlichen Sinne, zu möglichst reinen „Fachmenschen“ werden möchten. Sondern gerade umgekehrt, weil man die letzten höchst persönlichen Lebensentscheidungen, die ein Mensch aus sich heraus zu treffen hat, nicht mit Fachschulung – wie hoch deren Bedeutung für die allgemeine Denkschulung nicht nur, sondern indirektIn A folgt: aus dem Grunde
i
auch für die Selbstdisziplin und sittliche Einstellung des jungen Menschen gewertet werden möge – in denselben Topf geworfen und ihre Lösung aus eigenem Gewissen herausA: etwa
k
dem Hörer nichtFehlt in A.
l
durch eineFehlt in A.
m
Kathedersuggestion abgenommen zu sehen wünscht. In A folgt: unvermerkte
Das günstige Vorurteil Professor v. Schmollers für die Kathederwertung ist mir persönlich als Nachhall einer großen Epoche, die er und seine Freunde mit schaffen halfen, durchaus verständlich.
5
Aber ich meine: es könne auch ihm doch schon der Umstand nicht[449] Max Weber bezieht sich auf den 1872 gegründeten Verein für Sozialpolitik und seine Gründungsmitglieder, zu denen neben Gustav Schmoller, die Nationalökonomen Lujo Brentano, Johannes Conrad, Bruno Hildebrand, Wilhelm Roscher und Adolph Wagner gehörten. Weiteres dazu oben, S. 340, Anm. 2.
n
entgehen, daß zunächstA: kaum
o
die rein tatsächlichenFehlt in A.
p
Verhältnisse sich für die jüngere Generation in einem wichtigen Punkt erheblich geändert haben. Es war vor 40 Jahren in den Kreisen der Gelehrtenwelt unserer DisziplinenFehlt in A.
q
der Glaube weit verbreitet: daß auf dem Ge[B 43]biet der praktisch-politischen Wertungen letztlich eine der möglichen Stellungnahmen die ethischA: unserer Gelehrtenwelt
r
allein richtige sein müsse. (Schmoller selbst hat freilich diesen Standpunkt stets nur sehr eingeschränkt vertreten.)A: „ethisch“
6
Dies nun ist heute gerade unter den Anhängern der Kathederwertungen, wie leicht festzustellen ist, nicht [450]mehr der Fall. Nicht mehr die ethische Forderung, deren (relativ) schlichte Gerechtigkeitspostulate sowohl in der Art ihrer letzten Begründung wie in ihren Konsequenzen (relativ) einfach und vor allem (relativ) unpersönlich, weil unzweideutig spezifisch überpersönlich, geartet teils waren teils zu sein schienen, ist es, in deren Namen heute die Legitimität der Kathederwertungen gefordert wird. Sondern Zur Position des langjährigen Vereinsvorsitzenden Gustav Schmoller vgl. oben, S. 340, Anm. 3 mit dem Hinweis auf dessen programmatische Rektoratsrede von 1897: Schmoller, Wechselnde Theorien (wie oben, S. 186, Anm. 2), bes. S. 338, 341.
s
(kraft einer unvermeid[A 87]lichen Entwicklung) ein bunter Strauß von „Kulturwertungen“, in Wahrheit: von[450]A: waren, sondern
t
subjektiven Ansprüchen an die Kultur, oder ganz offen: das angebliche „Recht der Persönlichkeit“ des LehrersFehlt in A.
u
. Man mag sich nun über den Standpunkt entrüsten, aber man wird ihn – und zwar deshalb, weil auch er eben eine „praktische Wertung“ enthält – wohlIn A folgt: sind es, in deren Namen heute die Freiheit der Kathederwertung gefordert wird
a
nicht widerlegenFehlt in A.
b
können: daß von allen Arten der Prophetie die in diesem Sinne „persönlich“ gefärbte Professoren-Prophetie die einzige ganz und gar unerträgliche ist. Es ist doch ein beispielloser Zustand, wenn zahlreiche staatlich beglaubigteA: „widerlegen“
c
Propheten, welchezahlreicher offiziell beglaubigter
d
nicht auf den Gassen oder in den Kirchen oder sonst in der Öffentlichkeit, oder, wenn privatim, dann in persönlich ausgelesenen Glaubenskonventikeln, die sich als solcheA: die
e
bekennen, predigen,In A folgt: fühlen und
f
sondern in der angeblich objektiven, unkontrollierbaren, diskussionslosen und alsoFehlt in A.
g
vor allem Widerspruch sorgsam geschützten Stille des vom Staat privilegierten Hörsaals „im Namen der Wissenschaft“ maßgebendeA: unkontrollierbaren diskussionslosen,
h
Kathederentscheidungen überFehlt in A.
i
Weltanschauungsfragen zum besten zu geben sich herausnehmenA: von
k
. Es ist ein alter, von Schmoller bei einer gegebenen Gelegenheit scharf vertretener Grundsatz: daß die Vorgänge in den Hörsälen der öffentlichen Erörterung entzogen bleiben sollen. Obwohl nunA: geben, die einzige ganz und gar unerträgliche ist
l
die Ansicht möglich ist, daß dies gelegentlich, auchFehlt in A.
m
auf empirisch-wissenschaftlichem Gebiet, gewisse Nachteile haben könne, nimmt man offenbar und nehme auch ich an: daß die „Vorlesung“ eben etwas anderes als ein „Vortrag“A: gelegentlich auch,
n
sein solle, daß die unbefangene Strenge, Sachlichkeit, Nüchternheit der Kollegdarlegung unter dem Hineinreden der Öffentlichkeit, z. B. der Presse-Öffentlichkeit, zum [451]Schaden des pädagogischen Zweckes leiden könne. Allein ein solches Privileg der Unkontrolliertheit scheint doch jedenfalls nur für den Bereich der rein fachlichen Qualifikation des Professors angemessen. Für persönliche ProphetieA: „öffentlicher Vortrag“ oder ein „Essay“
o
[B 44]aber gibt es keine Fachqualifikation und darf es daher auch nicht jenes[451]A: Prophetien
p
Privileg geben. Vor allem aber darf sie nicht dieA: das
q
bestehende Zwangslage des Studenten, um seines FortkommensA: geben: die nun einmal
r
im Leben willen bestimmte Lehranstalten und also: deren Lehrer,A: „Fortkommens“
s
aufsuchen zu müssen, dazu ausbeutenFehlt in A.
t
, um ihm neben dem, was er hierzu braucht: Weckung und Schulung seiner Auffassungsgabe und seines Denkens, und daneben: Kenntnisse, auch noch, vor jedem Widerspruch sicher, die eigene zuweilen gewiß ganz interessante (oftA: auszubeuten
u
auch recht gleichgültigeIn A folgt: aber
a
) sogenannte „Weltanschauung“ einzuflößen. Für dieA: irrelevante
b
Propaganda seiner praktischen IdealeA: deren
c
stehen dem Professor, ebenso,Fehlt in A.
d
wie jedermann sonstFehlt in A.
e
, andere Gelegenheiten zu Gebot,Fehlt in A.
f
und wenn nicht, so kann er sie sich [A 88]in geeigneter Form leicht schaffen, wie bei jedem ehrlichen Versuch dazu die Erfahrung beweist. Aber der Professor sollteA: Gebot
g
nicht den Anspruch erheben, als Professor den Marschallstab des Staatsmanns (oder des Kulturreformers) im Tornister zu tragen, wie er tut, wenn er die Sturmfreiheit des Katheders für staatsmännische (oder kulturpolitische) Sentiments benutzt. In der Presse, in Versammlungen, Vereinen, Essays, in jeder jedem anderen Staatsbürger ebenfalls zugänglichen Form mag (und: soll) er tun, was sein Gott oder Dämon ihn heißt. Was aber heute der Student im Hörsaal doch vor allen Dingen von seinem Lehrer lernen sollte, ist: 1. die Fähigkeit, sich mit der schlichten Erfüllung einer gegebenen Aufgabe zu bescheiden; – 2. Tatsachen, auch und gerade persönlich unbequeme Tatsachen, zunächst einmal anzuerkennen und ihre Feststellung von der bewertendenA: muß
h
Stellungnahme dazu zu scheiden; – 3. seine eigene Person hinter die SacheA: subjektiver
i
zurückzustellen und alsoA: „Sache“
k
vor allem das Bedürfnis zu unterdrücken: seine persönlichen Geschmacks- und sonstigen Empfindungen ungebetenFehlt in A.
l
zur Schau zu stellen. Es scheint mir, daß dies heute ganz ungleich dringlicher ist, als es etwa vor vierzig Jah[452]ren war, wo gerade dies Problem eigentlich gar nicht in dieser Form existierte. Es ist ja nicht wahr, – wie man behauptet hat –, daß die „Persönlichkeit“ in dem Sinn eine „Einheit“ sei und sein solleIn A folgt: und sozusagen „unkeusch“
m
, daß sie sozusagen in Verlust geraten müßte, wenn man ihrer nicht bei jeder Gelegenheit ansichtig wird. Bei jeder beruflichen[452]A: „solle“
n
Aufgabe verlangt die SacheA: „beruflichen“
o
als solche ihr Recht und will nach ihren eigenen Gesetzen erledigt sein. Bei jeder beruflichen Aufgabe hat der, welchem sie gestellt ist, sich zu beschränken und das auszuscheiden, was nicht streng zur SacheA: „die Sache“
p
gehört, am meisten aber:A: „zur Sache“
q
eigene Liebe und Haß. Und es [Β 45]ist nicht wahr, daß eine starkeA: aber
r
Persönlichkeit sich darin dokumentiere, daß sieA: „starke“
s
bei jeder Gelegenheit zuerst nach einer nur ihr eigenen ganz „persönlichen Note“In A folgt: (wie es die Folge sein würde)
t
fragt. Sondern es ist zu wünschen, daß gerade die jetzt heranwachsende Generation sich vor allen Dingen wieder an den Gedanken gewöhne: daß „eine PersönlichkeitA: persönlichen „Note“
u
zu sein“ etwas ist, was man nicht absichtsvoll wollen kann und daß es nur einen einzigen Weg gibt, um es (vielleicht!) zu werden: die rückhaltlose Hingabe an eine „Sache“, möge diese und die von ihr ausgehende „Forderung des Tages“A: eine „Persönlichkeit
7
nun im Einzelfall aussehen wie sie wolle. Es ist stilwidrig, in sachliche[452] Zitat aus Goethes „Wilhelm Meisters Wanderjahre“, in: Goethes Werke, hg. im Auftrage der Großherzogin Sophie von Sachsen, Band 42, Abt. II. – Weimar: Hermann Böhlaus Nachfolger 1907, S. 167; vgl. dazu Weber, Wissenschaft als Beruf, MWG I/17, S. 71–111, hier S. 111 mit Hg.-Anm. 66.
a
Facherörterungen persönlicheFehlt in A.
b
Angelegenheiten zu mischen. Und es heißtA: „persönliche“
c
den „Beruf“ seines einzigen heute wirklich noch bedeutsam gebliebenen Sinnes ent[A 89]kleiden, wenn man diejenige spezifische Art von Selbstbegrenzung, die er verlangt, nicht vollzieht. Ob aber der modische Persönlichkeitskult auf dem Thron, in der Amtsstube oder auf dem Katheder sich auszuleben trachtet,A: heißt,
d
– er wirkt äußerlich fast immer effektvoll, im innerlichsten Sinn aber überall gleich kleinlich, und er schädigt überall die Sache. Nun hoffe ichA: trachtet
e
[,] nichtIn A folgt: nach dem oben schon Bemerkten
f
besonders sagen zu müssen: daß mit dieser Art von Kultus des PersönlichenIn A folgt: noch
g
, nur weil es „persönlich“ [453]ist, gerade die Gegner, mit denen sich diese Darlegungen befassenA: „Persönlichen“
h
, ganz gewiß am allerwenigsten zu schaffen haben. Sie sehen teils die Kathederaufgabe in anderem Lichte, teils haben sie[453]A: Herren, welche vermutlich innerhalb des Ausschusses andere Ansichten vertreten werden, und denen die nachfolgenden sachlichen Beratungen entgegentreten
i
andere Erziehungsideale, die ich achte, aber nicht teile. Indessen nicht nurA: Die Älteren halten an der bei der ganz anderen Situation vor 40 Jahren höchst verständlichen Praxis fest, die Jüngeren haben wohl inhaltlich
k
[,]A: als solche achten, aber nicht teilen muß. Aber nicht
N1
was sie wollen[,] fehlt in MWG-Druckfassung; in MWG digital sinngemaß ergänzt.
l
, sondern wie das, was sie mit ihrer Autorität legitimieren, auf eine Generation mit einer ohnehin unvermeidlich stark entwickeltenA: wollen
m
Prädisposition zum Sichwichtignehmen wirken muß, istA: unvermeidlicher
n
zu erwägen.A: möchte ich bitten
N2
Nachfolgende Absatzmarkierung fehlt in MWG-Druckfassung; Korrektur in MWG digital entsprechend der Fassung A und B.
Schließlich: daß manche angebliche
o
Gegner der (politischen)A: (nicht: alle) der außerhalb des Vereins für Sozialpolitik oder in Gegnerschaft zu ihm stehenden angeblichen
p
Kathederwertungen gewiß am allerwenigsten dazu legitimiert sind, sich, zur Diskreditierung vonFehlt in A.
q
außerhalb der Hörsäle in voller Öffentlichkeit sich vollziehenden kultur- und sozialpolitischenIn A folgt: der im Verein von jeher heimischen, ausdrücklich und offen praktisch-politischen Problematik gewidmeten,
r
Erörterungen, auf den von ihnen noch dazu oftFehlt in A.
s
arg mißverstandenen Grundsatz der Ausscheidung der „Werturteile“ zu berufen, bedarfA: zum Teil
t
wohl kaum der besonderen Feststellung.In A folgt: innerhalb unseres Kreises
u
Die unbezweifelbareIn A folgt: Gerade die meisten unter ihnen leben ganz und gar von der Vertretung ihrer eigenen Wertungen, die dabei den Vorzug haben, der heutigen Interessenkonstellation und Mode besser „angepaßt“ zu sein. In A folgt ein Absatz.
a
Existenz dieser pseudo-wertfreien, tendenziösen, dabei in unserem FachA: In der
b
durch die zähe und zielbewußte Parteinahme starker Interessentenkreise getragenen Elemente macht es unzweifelhaft verständlich, daß eine bedeutende Anzahl gerade innerlich unabhängiger GelehrterFehlt in A.
c
zurzeit bei der Kathederwertung beharren, weil sie jenesA: kann m. E. eine wirklich entscheidende „Rechtfertigung“ dafür gefunden werden, daß auch die – im üblichen Sinne – „sozialpolitische“ Parteimeinungen vertretenden Gelehrten
e
Zu erwarten wäre: jene
d
Mimicry einer nur scheinbaren „Wertfreiheit“ mitzumachen zu stolz sindA: beharren. Ich kann es sehr gut verstehen, daß in der Zeit der offenen oder verhüllten Interessenteneinflüsse gerade unabhängig gesonnene Gelehrte keine Neigung verspüren, jenes so praktische
f
. Persönlich glaube ich, daß trotzdem das (nach meiner [B 46]Meinung) Richtige [A 90]geschehen sollte und daß das Gewicht der praktischen Wertungen eines Gelehrten dadurch, daß er ihre Vertretung auf die adäquaten Gele[454]genheiten außerhalb des Hörsaals beschränkt, nurFehlt in A.
g
wachsen würde, wenn man weiß, daß er die Strenge besitzt, innerhalb des Hörsaals nur das zu tun, was „seines Amtes“ ist. Indessen dies alles sind[454]A: eher
h
ja eben ihrerseits praktische WertungsfragenA: sind dies alles
i
und deshalbA: „praktische Wertungsfragen“
k
unaustragbar. Fehlt in A.
Jedenfalls wäre aber die prinzipielle Inanspruchnahme des Rechtes der Kathederwertung m. E. nur dann konsequent, wenn zugleich Gewähr dafür geschaffen würde
l
, daß alle ParteiwertungenA: werde
m
Gelegenheit hätten, sich auf dem Katheder Geltung zu verschaffenA: Parteimeinungen
2)
.[454][B 476][[A 90]] Dafür
t
genügt noch keineswegs das holländische Prinzip: Entbindung auchA: (Dafür
u
der theologischen Fakultät vomFehlt in A.
a
Bekenntniszwang, aber Freiheit der Universitätsgründung im Falle der Sicherung der Geldmittel und der Innehaltung der Qualifikationsvorschriften für die Lehrstuhlbesetzung und privates Recht der Stiftung von Lehrstühlen mit Präsentationspatronat der Stifter.A: von allem
9
Denn das prämiiert nur den Geldbesitz und die ohnehin im Besitz der Macht befindlichen Zu den Besonderheiten von Glaubensbekenntnis und Stiftungsrecht an den niederländischen Universitäten – mit Bezug auf Webers Äußerungen beim Hochschullehrertag 1909 in Leipzig – vgl. oben, S. 344, Anm. 5.
b
autoritären Organisationen: nur klerikaleFehlt in A.
c
Kreise haben bekanntlich davon Gebrauch gemacht.A: die klerikalen
d
A: gemacht).
s
Index fehlt in A; Textpassage in A im Haupttext.
n
Bei uns pflegt aber mit der Betonung des Rechts auf KathederwertungIndex fehlt in A.
o
geradezu das Gegenteil jenes Prinzips der gleichmäßigen Vertretung aller (auch der denkbar „extremsten“) Richtungen vertreten zu werden. Es war z. B. natürlich von Schmollers persönlichem Standpunkt aus konsequent, wenn er „Marxisten und Manchesterleute“ für disqualifiziert zur Innehabung von akademischen Lehrstühlen erklärte,A: Vertretung der Kathederwertungsfreiheit
8
obwohl gerade[454] Schmollers Diktum lautete: „Weder strikte Smithianer noch strikte Marxianer können heute Anspruch darauf machen, für vollwertig gehalten zu werden.“ Schmoller, Wechselnde Theorien (wie oben, S. 186, Anm. 2), S. 341.
p
er nie die Ungerechtigkeit besessen hat, die wissenschaftlichen Leistungen zu ignorieren, welche gerade diesen Kreisen entstammen. Allein eben hier liegen dieFehlt in A.
q
Punkte, in denen ich persönlich unserem verehrten Meister niemals folgen konnte. Man darf doch offenbar nicht in einem Atem die Zulassung der Kathederwertung verlangen und – wenn die Konsequenzen gezogen werden sollen – darauf hinweisen, daß [455]die Universität eine staatliche Anstalt für die Vorbildung „staatstreu“ gesonnener Beamten sei. Damit würde man die Universität nicht etwa zu einer „Fachschule“ (was vielen Dozenten so degradierend erscheint), sondern zu einem Priesterseminar machen, – nur ohne ihr dessen religiöse Würde geben zu können. Nun hat man freilich gewisse Schranken rein „logisch“ erschließen wollen.Fehlt in A.
r
Einer unserer allererstenFehlt in A.
e
Juristen erklärte gelegentlich, indem[455]A: allerersten, politisch streng konservativ gesonnenen
f
er sich gegen den AusschlußA: auf einer Tagung des Hochschullehrertages (worin
g
von Sozialisten von den Kathedern aussprach:A: die Exklusion
h
A: aussprach):
10
wenigstens einen „Anarchisten“ würde auch er als Rechtslehrer nicht akzeptieren können, da der ja die Geltung des Rechts als solchen [B 47]überhaupt negiere, – und er[455] Weber bezieht sich auf die Aussage des Strafrechtlers Adolf Wach auf dem Hochschullehrertag in Leipzig 1909, vgl. Verhandlungen des III. Deutschen Hochschullehrertages zu Leipzig am 12. und 13. Oktober 1909. Bericht erstattet vom engeren geschäftsführenden Ausschuß. – Leipzig: Verlag des Literarischen Zentralblattes für Deutschland 1910, S. 3–21, hier S. 9, sowie ausführlicher oben, S. 345, Anm. 7.
i
hielt dies Argument offenbar für durchschlagend. Ich bin der genauFehlt in A.
k
gegenteiligen Ansicht. Der Anarchist kann sicherlich ein guter RechtskundigerFehlt in A.
l
sein. Und ist er das, dann kann gerade jener sozusagen archimedische Punkt außerhalb der uns so selbstverständlichen Konventionen und Voraussetzungen, auf die ihn seine subjektiveA: sehr guter „Jurist“
m
Überzeugung – wenn sie echtFehlt in A.
n
ist – stellt, ihn befähigen, in denIn A folgt: und praktisch bewährt
o
Grundanschauungen der üblichen Rechtslehre eine ProblematikFehlt in A.
p
[A 91]zu erkennen, die allenA: als problematisch
q
denjenigen entgehtFehlt in A.
r
, welchen jeneA: entgehen
s
allzu selbstverständlich sind. Denn derA: sie
t
radikalste Zweifel ist der Vater der Erkenntnis.A: Der
u
Der Jurist hat so wenig die Aufgabe, den Wert jener Kulturgüter, deren Existenz an den Bestand von „Recht“ gebunden ist, zu „beweisen“, wie der Mediziner die Aufgabe hat, „nachzuweisen“, daß die Verlängerung des Lebens unter allen Umständen erstrebenswert sei. Beide sind dazu auch, mit ihren Mitteln, gar nicht imstande. Wollte man aber das Katheder zur Stätte praktischer Werterörterungen machen, dann wäre es offenbar Pflicht, gerade die prinzipiellsten Grundfragen der unge[456]hemmten Freiheit der Erörterung von allen Standpunkten aus freizugeben. Kann dies geschehen?In A folgt ein Gedankenstrich und ein Absatz.
a
Gerade die entscheidenstenFehlt in A.
b
und wichtigsten praktisch-politischen WertfragenA: verschiedensten
c
sind heute[456]A: Wertfragen aber
d
von den Kathedern deutscherA: nun
e
Universitäten durch die Natur der politischenA: staatlicher
f
Verhältnisse ausgeschlossen. Wem die Interessen der Nation über ausnahmslos allen ihren konkreten Institutionen stehen, für den bildetFehlt in A.
g
es z. B.A: ist
h
eine zentral wichtige Frage: obFehlt in A.
i
die heute maßgebende Auffassung von der Stellung des Monarchen in Deutschland vereinbar ist mit den Weltinteressen der NationIn A folgt: z. B.
k
und mitA: ihren Machtinteressen
l
denjenigen Mitteln: Krieg und Diplomatie, durch welche diese wahrgenommen werden?Fehlt in A.
m
Es sind nicht immer die schlechtesten Patrioten und auch keineswegs Gegner der Monarchie, welche heuteA: werden.
n
geneigt sind, diese Frage zu verneinen und an dauerndeIn A folgt: vielfach
o
Erfolge auf jenen beiden Gebieten nicht zu glauben, solange hier nicht sehr tiefgehendeFehlt in A.
p
Änderungen eingetreten sind. Jedermann aber weiß, daß diese Lebensfragen der Nation auf deutschen Kathedern nicht in voller FreiheitA: tiefgreifende
q
diskutiert werden könnenIn A folgt: unbefangen
3)
.[456][B 47]Das ist keine deutsche Eigentümlichkeit. In fast allen Ländern bestehen, offen oder verhüllt, tatsächliche Schranken. Nur die Art der dadurch ausgeschlossenen Wertprobleme ist verschieden.
g
Fehlt in A.
r
Angesichts dieserIndex fehlt in A.
s
Tatsache aberA: der
t
, daß gerade die praktisch-politisch entscheidenden Wertungsfragen der freienFehlt in A.
u
Kathedererörterung dauernd entzogen sind, scheint es mir der Würde der Vertreter der Wissenschaft alleinFehlt in A.
a
zu entsprechen: auch [B 48]über solcheA: am besten
b
Wertprobleme, die man ihnen zu behandeln freundlichst erlaubtA: die
c
, zu schweigen. – A: „erlaubt“
Auf keinen Fall darf aber die – unaustragbare, weil durch Wertung bedingte –
d
Frage: ob man im Unterricht praktische Wertungen vertreten dürfe, müsse, solleFehlt in A.
e
, irgendwie mit der rein logischen Erörterung der Rolle verquickt werden, welche Wertungen für empirische Disziplinen, wie die Soziologie und Nationalökonomie [457]es sind, spielenA: solle, müsse
f
.A: Rolle, welche Wertungen für empirische Disziplinen spielen, verquickt werden
h
Darunter müßte sonst[457] In A folgt: Jeder weiß: daß in jener – unaustragbaren – praktischen Frage jeder Dozent die eigene, oft langjährige Praxis vertreten wird, und niemand kann davon eine ersprießliche Auseinandersetzung erwarten. Es gibt einfach eine Janitscharenmusik der de pacti puris feststehenden, weil bewährten „Standpunkte“.
i
die UnbefangenheitA: muß auch
k
der Diskussion des eigentlichen logischen SachverhaltsIn A folgt: an
l
leiden, dessen Entscheidung an sich für jene Frage noch gar keine Anweisung gibt, außerA: Sachverhaltes
m
der einen rein logisch geforderten: Klarheit und deutliche Trennung der heterogenen Problemsphären durch den Dozenten.A: gibt (außer
n
A: heterogener Probleme). Im Gegensatz zu anderen Geschmacksrichtungen scheint mir persönlich überhaupt eine nur kraft persönlicher Wertung zu entscheidende Frage uninteressant. –
Nicht
o
diskutieren möchte ich ferner, ob die Scheidung von empirischer FeststellungIn A geht voraus: 3.
p
und praktischer Wertung „schwierig“ sei. Sie ist es. Wir alle, der unterzeichnete Vertreter dieser ForderungA: Arbeit
q
ebenso wie [A 92]andere, verstoßen immer wieder einmal dagegen. Aber wenigstens die Anhänger der sogenannten ethischenA: dieses Postulats
r
Nationalökonomie könnten wissen: daß auch das SittengesetzA: „ethischen“
s
unerfüllbar ist, dennoch aber als „aufgegeben“ gilt. Und eine Gewissenserforschung könnte vielleicht zeigen, daß die Erfüllung des Postulats vor allem deshalb schwierig ist, weil wir es uns ungern versagen, auch das so interessante Gebiet der Wertungen, zumal mit der so anregenden „persönlichen Note“,A: „Sittengesetz“
t
zu betreten. Jeder Dozent wird natürlich die Beobachtung machen, daß die Gesichter der Studenten sich aufhellen und ihre Mienen sich spannen, wenn er persönlich zu „bekennen“ anfängt, und ebenso, daß die Besuchsziffer seiner Vorlesungen durch die Erwartung, daß er dies tun werde, höchst vorteilhaft beeinflußt wird. Jeder weiß ferner, daß die Frequenzkonkurrenz der Universitäten oftKomma fehlt in A.
a
einem noch so kleinen Propheten, der die Hörsäle füllt, bei Vorschlägen gegenüber einem noch so erheblichen Gelehrten und sachlichen Lehrer die Vorhand gibt,Fehlt in A.
b
– es sei denn, daß die Prophetie den, politisch oder konventionell, jeweils als normal angesehenen WertungenA: gibt;
c
allzu entlegen wäre. Nur der pseudowertfreie Prophet der materiellen InteressentenA: der politisch oder konventionell jeweils als „normal“ angesehenen Meinung
d
ist, kraft des Einflusses dieser auf die politischen GewaltenA: Großinteressenten
e
, auch [458]ihm an Chance überlegen. Ich halte dies alles für unerfreulich und möchte daher auch auf die Behauptung: daß die Forderung der Ausscheidung von praktischen WertungenA: Regierungen
f
„kleinlich“ sei, daß sie die Vorlesungen „langweilig“ machen würde, nicht eingehen. Ich lasse dahingestellt, ob Vorlesungen über ein empirisches Fachgebiet [B 49]vor allen Dingen „interessant“ zu sein bestrebt sein müssen[458] In A folgt: „parteiisch“ und
g
, fürchte aber meinerseits, daß jedenfalls einA: Denn ich finde sie nicht überzeugend
h
durch allzu interessanteFehlt in A.
i
persönliche Noten erzielter ReizA: „interessante“
j
den Studenten auf die Dauer denFehlt in A.
k
Geschmack an schlichterA: der
l
sachlicher Arbeit abgewöhnenA: schlichter,
m
würde. A: abgewöhnt werden
Nicht
n
diskutieren ferner, sondern ausdrücklich anerkennen möchte ich: daß man gerade unter dem Schein der Ausmerzung aller praktischen Wertungen ganz besonders stark, nach dem bekannten Schema: „die Tatsachen sprechen zu lassen“, suggestiv solche hervorrufen kann. Die bessere Qualität unserer parlamentarischen und Wahlberedsamkeit wirkt ja gerade mit diesem Mittel,In A geht voraus: 4.
o
– und für ihre Zwecke ganz legitim. Darüber, daß dies auf dem Katheder, gerade vom Standpunkt der ForderungA: Mittel
p
jener Scheidung aus, von allen Mißbräuchen der allerverwerflichste wäre, ist kein Wort zu verlieren. Daß aber ein illoyal erweckter Schein der Erfüllung eines GebotesA: des Postulates
q
sich für die WirklichkeitA: Postulates
r
ausgeben kann, bedeutet doch keine Kritik des GebotesA: Wirklichkeit
s
selbst. Dieses aber geht gerade dahin: daß, wenn der LehrerA: Postulates
t
praktische WertungenIn A folgt: trotz aller Bedenken
u
sich nicht versagen zu sollen [A 93]glaubt, er diese als solche den SchülernA: „Wertungen“
a
und sich selbst absolut deutlich mache.A: anderen
b
In A folgt nach einem Absatz: 5. Steril wäre es, wenn sich Andersdenkende vielleicht an den Ausdruck „subjektiv“ (den ich gelegentlich von „Wertungen“ brauchte) klammern wollten. Was in der empirischen Sphäre als „subjektiv“ zu behandeln ist, kann in einer anderen, heterogenen, vielleicht normativ begründbar sein. Es steht aber fest, daß wir heute in der Wertungssphäre zum mindesten auch mit solchen Wertungen zu tun haben, die ihrerseits selbst „normative“ Begründbarkeit für sich gar nicht beanspruchen. Die Abgrenzung beider wäre eine Angelegenheit, welche jedenfalls nicht unsere Disziplin nebenher erledigen könnte. In A folgt ein Absatz.
Was schließlich am allerentschiedensten bekämpft werden muß
c
, ist die nicht seltene Vorstellung: der Weg zur wissenschaftli[459]chenA: 6. Was ich am allerentschiedensten bekämpfe
d
„Objektivität“ werde durch ein Abwägen[459] Fehlt in A.
e
der verschiedenen Wertungen gegeneinander und ein „staatsmännisches“ Kompromiß zwischen ihnen betreten. DieA: „Abwägen“
f
„mittlere Linie“ ist nicht nur mit den Mitteln empirischer DisziplinenIn A folgt: jeweilige, aus dem Kräfteverhältnis und aus den höchst konkret bedingten Wertungen derjenigen, die die Macht haben, sich ergebende
g
genau ebenso wenig wissenschaftlichA: empirisch
h
beweisbar, wie die „extremsten“ WertungenA: als geltensollend
i
. SondernIn A folgt: beider Teile
k
in der Wertungssphäre wäre gerade sie normativ am allerwenigstenIn A folgt: auch
l
eindeutig. Auf das Katheder gehört sie nicht, – sondern in die politischen Programme, Bureaus und ParlamenteA: unter keinen Umständen
m
. Die Wissenschaften, normative und empirische, können den politisch Handelnden und den streitenden Parteien nur einen unschätzbaren Dienst leisten, nämlich ihnen zu sagen: 1. es sind die und die verschiedenenA: Bureaus
n
„letzten“ Stellungnahmen zu diesem praktischenIn A folgt: möglichen
o
Problem denkbar; – 2. so und so liegen die Tatsachen,Fehlt in A.
p
mit denen ihr bei eurer Wahl zwischen diesenIn A folgt: insbesondere die faktischen Konsequenzen und die Mittel,
q
Stellungnahmen zu rechnen habt. – Damit sind wir bei unserer „Sache“.A: eueren eigenen
r
Fehlt in A; in A folgt stattdessen ein Absatz und die Zwischenüberschrift: II. , danach eine Textpassage, die weitgehend in Fn. 4 (unten, S. 460) übernommen worden ist. In A folgt ein weiterer Absatz.
[[A 94]]Unendliches Mißverständnis und vor allem terminologischer, daher gänzlich steriler, Streit hat sich
s
an das Wort „Werturteil“ geknüpft, welches zur Sache offenbar gar nichts austrägt. Es ist, wie eingangs gesagt,In A folgt: nun
t
ganz unzweideutig, daß es sich bei diesen Erörterungen für unsere DisziplinenA: doch
u
um praktische Wertungen [B 50]sozialer Tatsachen als, unter ethischen oder unter Kulturgesichtspunkten oder aus anderen GründenFehlt in A.
a
, praktisch wünschenswert oder unerwünscht, handelt. Daß die Wissenschaft 1. „wertvolle“, d. h. logisch und sachlich gewertetFehlt in A.
b
, richtige und 2. „wertvolle“, d. h. im Sinne des wissenschaftlichen Interesses wichtige Resultate zu erzielen wünscht, daß ferner schon die Auswahl des Stoffes eine „Wertung“ enthält – solche Dinge sind trotz alles darüber Gesag[460]tenA: „gewertet“
c
A: (die wenigstens von mir schon in jenen Aufsätzen ausführlich erörtert waren) sind trotzdem
4)
[460][B 50][[A 93]]Ich muß
q
mich auf das beziehen, was ich s.Z.A: In der Sache selbst muß ich
r
im „Archiv für Sozialwissenschaft“,A: Zt.
s
Band XIX, ferner Band XXII, XXIV, gesagt habeKomma fehlt in B.
12
(die, wie recht wohl möglich ist, zuweilen ungenügende Korrektheit der Einzelformulierungen dürfte keinen zur Sache wesentlichen Punkt betreffen) und möchte für die „Unaustragbarkeit“ gewisser letzter Wertungen auf einem wichtigen Problemgebiet u. a. namentlich auf G[ustav] Radbruchs „Einführung in die Rechtswissenschaft“ (2. Aufl. 1913) Weber verweist auf seine Aufsätze, die im „Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik“ erschienen sind: Weber, Objektivität (19. Band, 1904), Weber, Kritische Studien (22. Band, 1906) und Weber, Stammlers Überwindung (24. Band, 1907).
13
verwiesen haben. Ich weiche in einigen Punkten [A 94]von ihm ab. Aber für das hier erörterte Problem sind sie nicht von Bedeutung. Radbruch, Einführung 2.
p
Index fehlt in A; Textpassage in A im Haupttext.
d
allen Ernstes als „Einwände“ aufgetaucht. Nicht minder ist das fast unbegreiflich starke Mißverständnis: als ob behauptet würde, daß die empirische Wissenschaft[460] Index fehlt in A.
e
„subjektive“ Wertungen von MenschenA: die Wirtschaftswissenschaft (oder gar: alle empirische Wissenschaft)
f
nicht als Objekt behandeln könne (während doch die Soziologie, in der Nationalökonomie aber die gesamte GrenznutzenlehreFehlt in A.
g
A: die ganze Grenznutzenlehre doch
11
auf der gegenteiligen Voraussetzung beruht)[,] immer wieder[460] Zur subjektiven Wertlehre und der Grenznutzlehre vgl. die Erläuterungen oben, S. 350, Anm. 10.
h
entstanden. Aber es handelt sich doch ausschließlich um die an sich höchst triviale Forderung: daß der Forscher und Darsteller die Feststellung empirischer Tatsachen (einschließlich des von ihm festgestelltenA: ebenfalls wiederholt
i
„wertenden“ Verhaltens der von ihm untersuchten empirischenFehlt in A.
k
Menschen) und seine praktisch wertende, d. h. diese Tatsachen (einschließlich etwaiger zum Objekt einer Untersuchung gemachten „Wertungen“ von empirischenFehlt in A.
l
Menschen) als erfreulich oder unerfreulich beurteilende, in diesem Sinn: „bewertende“,A: handelnden
m
Stellungnahme unbedingtFehlt in A.
n
auseinanderhalten solle, weil es sich da nun einmal um heterogene Probleme handelt. InFehlt in A.
o
einer sonst wertvollen Abhandlung führt ein Schriftsteller aus: ein Forscher könne doch auch seine eigene Wertung als „Tatsache“ hinnehmen und nun daraus die Konsequenzen ziehen. [461]Das hiermit Gemeinte ist ebenso unbestreitbar richtig wie der gewählte AusdruckA: Ferner: in
t
irreführend. Man kann natürlich sich vor einer Diskussion darüber einigen, daß eine bestimmte[461] In A folgt: direkt
u
praktische Maßregel: etwa die Deckung der Kosten einer Heeresvermehrung lediglich aus den Taschen der Besitzenden, „Voraussetzung“ der Diskussion seinA: bestimmt
a
und lediglich die Mittel, dies durchzuführen, zur Erörterung gestellt werden sollen. Das ist oft recht zweckmäßig. Aber eine solche gemeinsamA: sei,
b
vorausgesetzte praktische Absicht [B 51]nennt man doch nicht eine „Tatsache“, sondern einenA: gemeinsame
c
„a priori feststehenden Zweck“. Daß das auch sachlich [A 95]zweierlei ist, würde sich sehr baldIn A folgt: gemeinsam
d
in der Diskussion der „Mittel“ zeigen, es sei denn, daß der alsA: auch
e
undiskutabel „vorausgesetzte Zweck“ so konkret wäre, wieFehlt in A.
f
der: sich jetzt eine Zigarre anzuzünden. Dann sind freilichIn A folgt: etwa
g
auch die Mittel einerFehlt in A.
h
Diskussion nur selten bedürftig. In fast jedem Falle einer allgemeiner formulierten AbsichtA: der
i
, z. B. in dem vorhin als Beispiel gewählten, wird man dagegen die Erfahrung machen: daß bei der Diskussion der Mittel nicht nur sich zeigt,A: Ansicht
j
daß die Einzelnen unter jenem vermeintlich eindeutigen Zweck ganz verschiedenes verstanden haben. SondernA: zeigt:
k
insbesondere kann sich ergeben: daß der genau gleiche Zweck aus sehr verschiedenen letzten Gründen gewollt wird und daßA: haben, sondern
l
dies auf die Diskussion der Mittel von Einfluß istFehlt in A.
m
. Doch dies beiseite. Denn daß man von einem bestimmten Zweck als gemeinsam gewollt ausgehen und nur die Mittel, ihn zu erreichen, diskutieren kann und daß dies dann eine rein empirisch zu erledigende Diskussion ergeben kann – dasA: sei
n
ist wohl noch nie jemandemA: kann,
o
zu bestreiten eingefallen. Aber gerade um die Wahl der ZweckeA, B: jemanden
p
(und nicht:A: „Zwecke“
q
der „Mittel“ bei fest gegebenem Zweck), gerade darum also, in welchem Sinn die Wertung, die der Einzelne zugrunde legt, eben nicht als „Tatsache“ hingenommen, sondern zum Gegenstand einer wissenschaftlichen Kritik gemacht werden könne, dreht sich ja die ganze Erörterung. Wenn dies nicht festgehalten wird, so ist alle weitere AuseinandersetzungA: nicht
r
vergeblich. – A: alles weitere Reden
[462]Gar nicht zur Diskussion steht eigentlich
s
die Frage: inwieweit praktische Wertungen, insbesondere also: ethische, ihrerseits normative[462]A: gestellt ist – wenigstens von meiner Seite –
t
Dignität beanspruchen dürfen, also anderen Charakter haben, als z. B. die einmal als Beispiel angeführte Frage: ob Blondinen den BrünettenA: eine „normative“
u
A: Meinung: daß „Blondinen den Brünetten“
14
vorzuziehen seien,[462] Diese vergleichende Exemplifizierung eines wissenschaftlich nicht entscheidbaren Werturteils hatte Werner Sombart schon auf der Generalversammlung des Vereins für Sozialpolitik in Wien bei der Debatte über die Produktivität in der Volkswirtschaft angeführt, in: Verhandlungen VfSp 1909, S. 572. Weiteres dazu oben, S. 351 f., Anm. 11.
v
oder als ähnlichA: seien
w
subjektive Geschmacksurteile. Das sind Probleme der Wertphilosophie, nicht der Methodik der empirischen Disziplinen. WoraufA: ähnliche
x
allein es für diese ankommt, ist: daß einerseitsA: Indem ich nur beiläufig bemerke, daß ich jene Dignität zu bestreiten in der Tat sehr weit entfernt bin, möchte ich umso nachdrücklicher auf das hinweisen, worauf
y
die Geltung eines praktischen Imperativs als Norm und andrerseitsA: ankommt: daß
a
die Wahrheitsgeltung einer empirischenFehlt in A.
b
Tatsachenfeststellung in absolutA: empischen
c
heterogenen Ebenen der Problematik liegen und daßA: gänzlich
d
der spezifischen Dignität jeder von beidenFehlt in A.
e
Abbruch getan wird, wenn man dies verkennt und beide Sphären zusammenzuzwingen sucht.In A folgt: schwerer
f
Dies ist meines Erachtens in starkem Maße geschehen, insbesondereA: ignoriert. In A folgt ein Absatz.
g
durch Professor von SchmollerA: Ziemlich stark mißverstanden fühle ich persönlich mich speziell
5)
.[462][B 51][[A 95]] In
r
seinem Aufsatz über dieA: (in
s
„Volkswirtschaftslehre“ im H[and]-W[örter-]B[uch] d[er] StaatswissenschaftenFehlt in A.
t
, neueste Auflage.A: H.-W. d. St.-W. ; B: H.-W.B. d. Staatswissenschaft
u
A: Auflage).
15
Gemeint ist der 1911 in der 3. Auflage des Handwörterbuchs der Staatswissenschaften erschienene Artikel: Schmoller, Volkswirtschaft3.
q
Index fehlt in A; Textpassage in A im Haupttext.
h
[B 52]Gerade dieIndex fehlt in A.
i
Verehrung für unseren Meister verbietet esIn A folgt: wissenschaftliche und persönliche
k
, dieseIn A folgt: mir
l
Punkte, wo ich glaube,In A folgt: (im Grunde wenigen)
m
ihm nicht beipflichten zu dürfen, zu übergehen.Komma fehlt in B.
n
Absatz fehlt in A.
Zunächst
[[A 98]]Zunächst ist die in Schmollers Auffassung liegende
o
möchte [A 96]ich mich dagegen wenden, daß den Anhängern der „Wertfreiheit“A: Nur nebenbei
p
die bloße Tatsache des historischen und [463]individuellen Schwankens der jeweils geltendenFehlt in A.
a
wertenden Stellungnahmen[463] Fehlt in A.
b
alsA: Stellungnahme mir
c
Beweis für den notwendigIn A folgt: entscheidender
d
nur „subjektiven“ Charakter z. B. der EthikA: deren stets
e
gelte. Auch empirische Tatsachenfeststellungen sindFehlt in A.
f
oft sehr umstritten und darüberIn A folgt: ja
g
, ob man jemanden für einen Schurken zu halten habeA: umstritten. Darüber
h
, kann oft eine wesentlich größere allgemeineA: halten solle
i
Übereinstimmung herrschen als (geradeFehlt in A.
k
bei den Fachleuten) etwa über die Frage der Deutung einer verstümmelten Inschrift. Die nach Schmollers Annahme zunehmende konventionelle Einmütigkeit aller Konfessionen und Menschen über die Hauptpunkte der praktischen Wertungen stehtA: (selbst und gerade
l
in schroffem Gegensatz zu meinemIn A folgt: freilich
m
entgegengesetzten EindruckA: dem
n
. Allein dasIn A folgt: anderer
o
scheint mir ohne Belang für die Sache. Denn was jedenfalls zu bestreiten istIn A folgt: alles
p
, wäre: daß man sich bei irgend einer solchen durch Konvention geschaffenen faktischen Selbstverständlichkeit gewisser noch so weit verbreiteter praktischer Stellungnahmen wissenschaftlich beruhigen dürfe. Die spezifische Funktion der Wissenschaft scheint mir gerade umgekehrt: daß ihr das konventionell Selbstverständliche zum Problem wird. Gerade dies haben jaA: ich jedenfalls bestreiten würde
q
Schmoller und seine Freunde selbst s. Z.Fehlt in A.
r
getan. Daß man ferner die kausaleA: s. Zt.
s
Wirkung des faktischen Bestehens gewisser ethischer oder religiöser Überzeugungen auf das Wirtschaftsleben untersucht und unter UmständenA: kausalen
t
hoch veranschlagt,Fehlt in A.
u
hat doch nicht etwa die Folge: daß man nunA: veranschlagt – wie ich es in einem Einzelfall getan habe –
a
jene kausal vielleicht sehrFehlt in A.
b
wirksam gewesenen Überzeugungen um deswillen auch zu teilen habe oder auch nur für „wertvoll“Fehlt in A.
c
halten müsse, wie umgekehrt durch Bejahung des hohen Werts einer ethischen oder religiösen Erscheinung nicht das geringste darüber ausgesagt ist, ob auch die ungewollten Folgen, die ihre Verwirklichung gehabt hat oder haben würde, mit dem gleichen positiven Wertprädikat zu versehen wärenA: jenen Einfluß etwa für „segensreich“
d
. Über diese Fragen ist durch tatsächliche Feststellungen gar nichts auszumachenFehlt in A.
e
, und sie würde der Einzelne sehr ver[464]schieden beurteilen müssen, je nach seinen eigenen religiösen und anderen praktischen WertungenA: habe ich gar nichts aussagen wollen
f
. Das alles gehört gar nicht zur Streitfrage.[464]A: Überzeugungen
g
Dagegen bestreite ichFehlt in A.
h
sehr nachdrücklichIn A folgt: nach wie vor
i
: daß eine „realistische“ Wissenschaft vom Ethischen, d. h. die Aufzeigung der faktischen Einflüsse, welche die jeweiligIn A folgt: (und habe dabei Schmoller keineswegs mißverstanden – wie sein eigener Aufsatz zeigt)
k
in einer Gruppe von Menschen vorwiegenden ethischen Überzeugungen durch deren sonstige Lebensbedingungen erfahren und umgekehrt wieder auf [Β 53]diese geübt haben, ihrerseits eine „Ethik“ ergebeA: jeweiligen
l
, welche jemals über das Geltensollende etwas aussagen könne. So wenig wie eine „realistische“ Darstellung der astronomischen Vorstellungen etwaA: sei
m
der Chinesen, –Fehlt in A.
n
welche also aufzeigt, aus welchen praktischen Motiven und wie sie Astronomie betriebenGedankenstrich fehlt in A.
o
, zu welchen Ergebnissen und warum sie zu diesen kamen, –A: betreiben
p
jemals die Richtigkeit dieser chinesischen AstronomieGedankenstrich fehlt in A.
q
zu erweisen zum [A 97]Ziele haben könnte. Und so wenig wie die Feststellung, daßA: der chinesischen „Astronomie“
r
die römischen Agrimensoren oder die Florentiner Bankiers (die letzteren selbst bei Erbteilungen von ganz großen Vermögen) mit ihren Methoden recht oftIn A folgt: zuweilen
s
zu Resultaten kamen, welche mit der Trigonometrie oder dem Einmaleins unvereinbar sind, etwa dieA: zuweilen
t
Geltung dieser letzterenA: deren
u
zur Diskussion stellt. DurchFehlt in A.
a
empirisch-psychologische und historische Untersuchung eines bestimmten Wertungsstandpunktes auf seine individuelle, soziale, historische Bedingtheit hin gelangt man nunA: Was ich also bestimmt bestreite ist: daß man durch
c
und nimmer jeZu erwarten wäre: nie
b
zu irgend etwas anderemFehlt in A.
d
, als dazu: ihn verstehend zu erklären. Das ist nichts Geringes. Es istIn A folgt: gelange
e
nicht nur wegen des persönlichen (aber nicht wissenschaftlichen) Nebenerfolgs: dem wirklich oder scheinbar AndersdenkendenFehlt in A.
f
persönlich leichter „gerecht werden“ zu können, erwünscht. SondernA: Gegner
g
es ist auchA: erwünscht, sondern
h
wissenschaftlich höchst wichtig 1. für den Zweck einerFehlt in A.
i
empirischen Kausalbetrachtung menschlichen HandelnsA: der
k
, um dessen wirkliche letzten MotiveFehlt in A.
l
kennen zu lernen, 2. aber, [465]wenn man mit einem (wirklich oder scheinbar) abweichend Wertenden diskutiert,A: die wirklichen letzten Motive
m
für die Ermittlung der wirklichen[465] Fehlt in A.
n
gegenseitigen Wertungsstandpunkte. Denn dies ist der wirkliche Sinn einerFehlt in A.
o
Wertdiskussion: dasA: Wertungsstandpunkte im Wege der
p
, was der Gegner (oder auch: man selbst) wirklich meint, d. h.: den Wert: auf den es jedem der beiden TeileA: um das
q
wirklich und nicht nur scheinbar,A: ihm
r
ankommt, zu erfassen und so zu diesem WertA: – nicht nur scheinbar –
s
eine Stellungnahme überhaupt erstFehlt in A.
t
zu ermöglichen. Weit entfernt also, daß vom Standpunkt der Forderung der „Wertfreiheit“ empirischer Erörterungen aus Diskussionen von Wertungen steril oder gar sinnlos wären, ist gerade die Erkenntnis dieses ihres Sinnes Voraussetzung aller nützlichen Erörterungen dieser Art. Sie setzen gerade das Verständnis für die Möglichkeit prinzipiell und unüberbrückbar abweichender letzter Wertungen voraus.Fehlt in A.
u
DennFehlt in A.
a
weder bedeutet „alles verstehen“ auch „alles verzeihen“A: Aber
16
noch führt überhaupt vom bloßen Verstehen[465] Eine auf Anne Louise Germaine de Staël zurückgehende Redewendung: „Tout comprendre c’est tout pardonner“.
b
des fremden Standpunktes an sich ein Weg zu dessen Billigung. SondernA: „Verstehen“
c
mindestens ebenso leicht, oftA: Billigung, sondern
d
mit weit höherer Wahrscheinlichkeit, zu der Erkenntnis: daß, warum und worüber, man sich nicht einigen könne. Gerade dieseA: ja
e
Erkenntnis ist aberA: Diese
f
eine [B 54]Wahrheitserkenntnis und geradeFehlt in A.
g
ihr dienen „Wertungsdiskussionen“. Was man dagegenFehlt in A.
h
auf diesem Wege ganz gewiß nicht gewinnt – weil es in der gerade entgegengesetzten Richtung liegt –[,] ist irgend eine normativeA: aber
i
Ethik oder überhaupt die Verbindlichkeit irgend eines „Imperativs“. Jedermann weiß vielmehrA: „normative”
k
, daß ein solches Ziel durch die, zum mindesten dem Anschein nach, „relativierende“ Wirkung solcher Diskussionen eher erschwert wird. Damit ist natürlich nun wieder nicht gesagt: daß man um deswillen sie vermeiden solle. Im geraden Gegenteil. Denn eine „ethische“ Überzeugung, welche durch psychologisches „Verstehen“ abweichender Wertungen sich aus dem Sattel heben läßt, ist nur ebensoviel wert gewesen wie religiöse Meinungen, welche durch wissenschaftliche Erkenntnis [466]zerstört werden, wie dies ebenfallsA: doch
l
vorkommt. Wenn[466] In A folgt: typisch
m
schließlich SchmollerA: In welchem Sinn
n
annimmt,In A folgt: mit Recht oder Unrecht
17
daß die Verfechter der „Wertfreiheit“ der empirischen Disziplinen[466] Vgl. die Erläuterung oben, S. 354, Anm. 15.
o
nur „formale“ ethische Wahrheiten (gemeint ist offenbar: im Sinn der Kritik der praktischen Vernunft) anerkennen könnten, so möge darauf – obwohl das Problem nicht unbedingt zur Sache gehört – mit einigen Erörterungen eingegangen sein. A: ich persönlich
[[A 98]]Zunächst ist die in Schmollers Auffassung liegende
p
Identifikation von ethischen Imperativen mit „Kulturwerten“A: anerkenne, möchte ich nicht erörtern, [A 98]weil es eine mehr persönliche, die Erörterung wenigstens des jetzt hier diskutierten Problems nicht direkt berührende Angelegenheit ist. Nur gegen die
q
, auch den höchsten, abzulehnenA: „Kulturidealen“
r
. Denn esA: habe ich mich gewendet
s
kann einen Standpunkt geben, für den KulturwerteA: Es
t
„aufgegeben“ sind, auch soweit sie mit jeglicher Ethik in unvermeidlichem, unaustragbarem Konflikt liegen. Und umgekehrt ist eine Ethik, die alle Kulturwerte ablehnt, ohne inneren Widerspruch möglich.A: Kulturideale
u
Jedenfalls aber sind beide WertsphärenFehlt in A.
a
nicht identisch. Ebenso ist es einA: ist beides
b
schweres (freilich weitverbreitetes) MißverständnisA: Nur nebenbei sei gesagt: daß ich es für ein sehr
c
, wenn geglaubt wirdIn A folgt: halten würde
d
: „formale“ Sätze wie etwa die der Kantischen Ethik enthielten keine inhaltlichen Weisungen.A: würde
e
Die Möglichkeit einer normativen Ethik wird allerdingsIn A folgt ein Gedankenstrich.
f
dadurch nicht in Frage gestellt, daß esFehlt in A.
g
Probleme praktischer Art gibt, für welche sie aus sich selbst heraus keine eindeutigen Weisungen geben kann (und dahin gehören, wie ich glaube, in ganz speziflscher Art bestimmte institutionelle, daher gerade ,,sozialpolitische“ Probleme) und daß fernerIn A folgt: 1.
h
die EthikA: Probleme), daß ferner 2.
i
nicht das Einzige ist, was auf der WeltIn A folgt: vielleicht
k
„gilt“, sondern daß neben ihr andere Wertsphären bestehen, deren Werte unter Umständen nur der realisieren kann, welcher ethische „Schuld“ auf sich nimmt. DahinIn A folgt: normativ
l
gehört speziell die Sphäre politischen Handelns. Es wäre m. E. schwächlich, die Spannungen gegen das Ethische, welche gerade [467]sieA: Auch dahin
m
enthält,A: diese Sphäre
n
leugnen zu wollen. Aber es ist dies keineswegs, wie die übliche Entgegensetzung „pri[B 55]vater“ und [„]politischer Moral“ glauben macht, nur ihr eigentümlich. – Gehen wir einige der vorstehend bezeichneten „Grenzen“ der Ethik durch.[467] In A folgt: nach Art eines allgemeinen Weltanschauungs-Bastiat
o
Fehlt in A.
Zu den von keiner Ethik eindeutig entscheidbaren Fragen gehören
p
die Konsequenzen des Postulates der „Gerechtigkeit“. Ob man z. B.In A folgt: u. a. schon
q
– wie dies wohl Schmollers seinerzeit geäußerten Anschauungen am ehesten entsprechen würde – dem, der viel leistet, auch viel schuldet, oder umgekehrt von dem, der viel leisten kann, auch viel fordert, ob man alsoFehlt in A.
r
z. B. im Namen der Gerechtigkeit (denn andere Gesichtspunkte – etwa der des nötigen „Ansporns“ –A: etwa weiter
s
haben dann auszuscheiden) dem großen Talent auch große Chancen gönnen solleFehlt in A.
t
oder ob man umgekehrt (wie Babeuf) die Ungerechtigkeit der ungleichen Verteilung der geistigen Gaben auszugleichen habe durch strenge Vorsorge dafür, daß das Talent, dessen bloßer Besitz ja schon ein beglückendes Prestigegefühl geben könne, nicht auch noch seine besseren Chancen in der Welt für sich ausnützen könne:B: solle,
u
– dies dürfte aus „ethischen“ Prämissen unaustragbar sein. Diesem Typus entspricht aber die ethische Problematik der meisten sozialpolitischen Fragen. – A: möge
Aber auch
a
auch auf dem Gebiet des persönlichen Handelns gibt es ganz spezifisch ethische Grundprobleme, welche die Ethik aus eigenen Voraussetzungen nicht austragen kann. Dahin gehört vor allem die Grundfrage: ob der Eigenwert des ethischen Handelns – der „reine Wille“ oder die „Gesinnung“, pflegt man das auszudrücken – allein zu seiner Rechtfertigung genügen soll, nach der Maxime: „der Christ handelt recht und stellt den Erfolg Gott anheim“, wie christliche Ethiker sie formuliert haben.a–a (bis S. 470: Zweifels feststellbar:) A: Ich kann mir aber nicht denken, daß eine Ausschußdebatte über Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer normativen Ethik, oder über [A 99]die Frage, ob sie nur „formale“ oder auch „inhaltliche“ Normen ergründen könne (und vor allem: über den Sinn dieses gar nicht so einfachen Unterschiedes) irgendwelche erfreuliche Resultate zeitigen würde. Und ich habe seinerzeit den Nachdruck auf den von diesen schwierigen Problemen gänzlich unabhängigen, unbezweifelbaren Sachverhalt gelegt:
18
Oder ob die Verantwortung für die als möglich oder wahrscheinlich voraus[468]zusehenden Folgen des Handelns, wie sie dessen Verflochtenheit in die ethisch irrationale Welt bedingt, mit in Betracht zu ziehen ist. Auf sozialem Gebiet geht alle radikal revolutionäre politische Haltung, der sog. „Syndikalismus“ vor allem, von dem ersten, alle „Realpolitik“ von dem letzten Postulat aus. Beide berufen sich auf ethische Maximen. Aber diese Maximen liegen untereinander in ewigem Zwist, der mit den Mitteln einer rein in sich selbst beruhenden Ethik schlechthin unaustragbar ist. [467] Max Weber bezieht sich hier vermutlich auf Luthers Genesis-Vorlesung, in der es heißt: „Fac tuum officium, et eventum Deo permitte.“ Das Zitat findet sich auch in „Politik als Beruf“ von 1919, MWG I/17, S. 157–252, S. 237 mit Hg.-Anm. 124.
Diese beiden ethischen Maximen sind solche von streng „formalem“ Charakter, darin ähnlich den bekannten Axiomen der „Kritik der praktischen Vernunft“.
19
Von diesen wird um dieses Charakters willen vielfach geglaubt, sie enthielten inhaltliche Weisungen zur Bewertung des Handelns überhaupt nicht. Das trifft, wie gesagt, [Β 56]keineswegs zu. Nehmen wir absichtlich ein möglichst weit von aller „Politik“ abliegendes Beispiel, welches vielleicht verdeutlichen kann, welchen Sinn dieser vielberedete „nur formale“ Charakter jener Ethik eigentlich hat. Angenommen, ein Mann sagt mit Bezug auf seine erotische Beziehung mit einer Frau: „Anfänglich war unser beider Verhältnis nur eine Leidenschaft, jetzt ist es ein Wert“, – so würde die kühl temperierte Sachlichkeit der Kantischen Ethik die erste Hälfte dieses Satzes so ausdrücken: „Anfänglich waren wir beide einander nur Mittel“ – und damit den ganzen Satz als einen Sonderfall jenes bekannten Prinzips in Anspruch nehmen, welches man seltsamerweise gern als einen rein zeitgeschichtlich bedingten Ausdruck des „Individualismus“ hingestellt hat, während es in Wahrheit eine überaus geniale Formulierung einer unermeßlichen Vielheit ethischer Sachverhalte bedeutet, die man nur eben richtig verstehen muß. In ihrer negativen Fassung und in der Ausschaltung jeglicher Aussage darüber: was denn das positive Gegenteil der ethisch abzulehnenden Behandlung des anderen „nur als Mittel“ sei, enthält sie offensichtlich 1. die Anerkennung außerethischer selbständiger Wertsphären, – 2. die Begrenzung der ethischen Sphäre diesen gegenüber, – endlich 3. die Feststellung, daß und in welchem Sinn dem Handeln im Dienst außerethischer Werte dennoch Unterschiede der ethischen Dignität anzuhaften vermögen. Tatsächlich sind jene Sphären von Werten, welche die Behandlung des andern „nur als Mittel“ gestatten oder vorschreiben, der Ethik gegenüber heterogen. Es kann das [469]hier nicht weiter verfolgt werden: jedenfalls aber zeigt sich, daß der „formale“ Charakter selbst jenes höchst abstrakten ethischen Satzes gegen den Inhalt des Handelns nicht etwa indifferent bleibt. – Nun aber kompliziert sich das Problem weiter. Jenes negative Prädikat selbst, welches mit den Worten „nur eine Leidenschaft“ ausgesprochen wurde, kann von einem bestimmten Standpunkt aus als eine Lästerung des innerlich Echtesten und Eigentlichsten des Lebens hingestellt werden, des einzigen oder doch des königlichsten Weges hinaus aus den unpersönlichen oder überpersönlichen und daher lebensfeindlichen „Wert“-Mechanismen, aus dem Angeschmiedetsein an das leblose Gestein des Alltagsdaseins und aus den Prätensionen „aufgegebener“ Unwirklichkeiten. Es läßt sich jedenfalls eine Konzeption dieser Auffassung denken, welche – obwohl sie für das von ihr gemeinte Konkretissimum des Erlebens den Ausdruck „Wert“ wohl verschmähen würde – eben doch eine Sphäre konstituieren würde, welche jeder Heiligkeit oder Güte, jeder ethischen oder ästhetischen Gesetzlichkeit, jeder [B 57]Kulturbedeutsamkeit oder Persönlichkeitswertung gleich fremd und feindlich gegenüberstehend, dennoch und eben deshalb ihre eigene in einem alleräußersten Sinn des Worts „immanente“ Dignität in Anspruch nähme. Welches immer nun unsere Stellungnahme zu diesem Anspruch sein mag, jedenfalls ist sie mit den Mitteln keiner „Wissenschaft“ beweisbar oder „widerlegbar“. [468] Gemeint ist: Kant, Kritik der praktischen Vernunft.
Jede empirische Betrachtung dieser Sachverhalte würde, wie der alte Mill bemerkt hat,
20
zur Anerkennung des absoluten Polytheismus als der einzigen ihnen entsprechenden Metaphysik führen. Eine nicht empirische, sondern sinndeutende Betrachtung: eine echte Wertphilosophie also, würde ferner, darüber hinausgehend, nicht verkennen dürfen, daß ein noch so wohlgeordnetes Begriffsschema der „Werte“ gerade dem entscheidendsten Punkt des Tatbestandes nicht gerecht würde. Es handelt sich nämlich zwischen den Werten letztlich überall und immer wieder nicht nur um Alternativen, sondern um unüberbrückbar tödlichen Kampf, so wie zwischen „Gott“ und „Teufel“. Zwischen diesen gibt es keine Relativierungen und Kompromisse. Wohlgemerkt: dem Sinn nach nicht. [470]Denn es gibt sie, wie jedermann im Leben erfährt, der Tatsache und folglich dem äußeren Schein nach, und zwar auf Schritt und Tritt. In fast jeder einzelnen wichtigen Stellungnahme realer Menschen kreuzen und verschlingen sich ja die Wertsphären. Das Verflachende des „Alltags“ in diesem eigentlichsten Sinn des Wortes besteht ja gerade darin: daß der in ihm dahinlebende Mensch sich dieser teils psychologisch, teils pragmatisch bedingten Vermengung todfeindlicher[469] Auf John Stuart Mill verweist Weber – mit demselben Bezug auf dessen empiristische Erkenntnistheorie und fast derselben Formulierung – ebenfalls in seiner am 7. November 1917 gehaltenen Rede „Wissenschaft als Beruf“, MWG I/17, S. 71–111, hier S. 99 mit Hg.-Anm. 44.
b
Werte nicht bewußt wird und vor allem: auch gar nicht bewußt werden will, daß er sich vielmehr der Wahl zwischen „Gott“ und „Teufel“ und der eigenen letzten Entscheidung darüber: welcher der kollidierenden Werte von dem Einen und welcher von dem Andern regiert werde, entzieht. Die aller menschlichen Bequemlichkeit unwillkommene, aber unvermeidliche Frucht vom Baum der Erkenntnis aber ist gar keine andere als eben die: um jene Gegensätze wissen und also sehen zu müssen, daß jede einzelne wichtige Handlung und daß vollends das Leben als Ganzes, wenn es nicht wie ein Naturereignis dahingleiten, sondern bewußt geführt werden soll, eine Kette letzter Entscheidungen bedeutet, durch welche die Seele, wie bei Platon, ihr eigenes Schicksal: – den Sinn ihres Tuns und Seins heißt das – wählt. Wohl das gröblichste Mißverständnis, welches den Absichten der Vertreter der Wertkollision gelegentlich immer wieder zuteil geworden ist, enthält daher die Deutung dieses Standpunkts als „Relativismus“, – als einer Lebensanschauung also, [B 58]die gerade auf der radikal entgegengesetzten Ansicht vom Verhältnis der Wertsphären zueinander beruht und (in konsequenter Form) nur auf dem Boden einer sehr besonders gearteten („organischen“) Metaphysik sinnvoll durchführbar ist. – [470]B: totfeindlicher
Kehren wir zu unserem Spezialfall zurück, so scheint mir ohne die Möglichkeit eines Zweifels feststellbar:
a
[[A 99]]daß auf dem Gebiet der praktisch-politischen (speziell also auch der wirtschafts- und sozialpolitischen) Wertungen, sobald daraus Direktiven für ein wertvolles Handeln abgeleitet werden sollen: 1. die unvermeidlichen Mittel und 2. die unvermeidlichen Nebenerfolge, 3. die dadurcha (ab S. 467: Aber auch)–a A: Ich kann mir aber nicht denken […] unbezweifelbaren Sachverhalt gelegt:
c
bedingte Konkurrenz mehrerer möglicher WertungenB: da durch
d
[471]miteinander in ihren praktischen KonsequenzenA: möglicher Werte
e
das einzige sind, was eine empirische[471]A: ihrer praktischen Konsequenz
f
Disziplin mit ihren Mitteln aufzeigen kann. Philosophische Disziplinen können darüber hinaus mit ihren Denkmitteln den „Sinn“ der Wertungen, also ihre letzte sinnhafte Struktur und ihre sinnhaften Konsequenzen ermitteln, ihnen also den „Ort“ innerhalb der Gesamtheit der überhaupt möglichen „letzten“ Werte anweisen und ihre sinnhaften Geltungssphären abgrenzen. Schon so einfache Fragen aber, wie die: inwieweitA: empirische
g
ein Zweck die unvermeidlichen Mittel heiligen solle, wie auch die andere: inwieweitA: Sowohl die Frage, wie weit
h
die nicht gewollten Nebenerfolge in den Kauf genommen werden sollen, wie vollendsA: wie weit
i
die dritte, wie Konflikte zwischenFehlt in A.
k
mehreren in concreto kollidierenden, gewollten oder gesollten ZweckenA: gegenüber
l
zu schlichten seien, sind ganz und garA: Zwecke
m
Sache der Wahl oder des Kompromisses. Es gibt keinerlei (rationales oder empirisches)A: ist
n
wissenschaftliches Verfahren irgendwelcher ArtFehlt in A.
o
, welches hier eine Entscheidung geben könnte. Am allerwenigsten kann diese Wahl unsereFehlt in A.
p
streng empirischeA: Diese Wahl selbst kann nie unsere
q
Wissenschaft dem Einzelnen zu ersparen sich anmaßen, und sie sollteB: strengempirische
r
daher auch nicht den Anschein erwecken, es zu können. – A: anmaßen und soll
Ausdrücklich sei schließlich aber noch bemerkt: daß die Anerkennung dieses Sachverhalts für unsere Disziplinen von der Stellungnahme zu den vorstehend in größter Kürze angedeuteten werttheoretischen Ausführungen vollständig unabhängig ist. Denn es gibt eben überhaupt keinen logisch haltbaren Standpunkt, von dem aus man ihn ablehnen könnte, außer dem einer durch kirchliche Dogmen eindeutig vorgeschriebenen Rangfolge der Werte. Ich muß
s
abwarten, ob sich wirklich Leute finden, welche behaupten, daß die Fragen: ob eine konkrete Tatsache sich so oder anders verhält? warum der betreffende konkrete Sachverhalt so und nicht anders geworden ist? ob auf einen gegebenen Sachverhalt nach [B 59]einer Regel des faktischenA: In der „Streitfrage“ selbst muß ich
t
Geschehens ein anderer Sachverhalt, [472]und mit welchem Grunde von WahrscheinlichkeitFehlt in A.
u
[,] zu folgen pflegt? dem Sinn nach nicht grundverschieden[472]A: Grade von Eindeutigkeit
a
seien von den Fragen: was man in einer konkreten Situation praktisch tun solle? unter welchen Gesichtspunkten jene SituationA: logisch nicht verschieden
b
praktisch erfreulich oder unerfreulich erscheinen könne? ob es – wie immer geartete – allgemein formulierbare Sätze (Axiome) gebe, auf welche sich dieseA: sie
c
Gesichtspunkte reduzieren lassen? – ferner: daß einerseits die Frage: in welcher Richtung sich eine konkret gegebene tatsächliche Situation (oder generell: eine Situation eines bestimmten, irgendwie hinlänglich bestimmten Typus) mit Wahrscheinlichkeit, und mit wie großer Wahrscheinlichkeit sie in jener Richtung sich entwickeln werdeA: jene
d
(bzw. typisch zu entwickeln pflegeA: werde
e
)?A: pflege
f
und die andere Frage: ob man dazu beitragen solle, daß eine bestimmte Situation [A 100]sich in einer bestimmten Richtung – sei es der an sich wahrscheinlichen, sei es der gerade entgegengesetzten oder irgendeiner anderen – entwickelt? endlich, daß einerseits die Frage: welche Ansicht sich bestimmte Personen unter konkreten, oder eine unbestimmte Vielheit von Personen sich unter gleichen,In A folgt: also: die Frage des faktischen Bestehens von „Entwicklungstendenzen“,
g
Umständen über ein Problem welcher Art immer mit Wahrscheinlichkeit (oder selbst mit Sicherheit) bilden werden? und andererseits die Frage: ob diese mit Wahrscheinlichkeit oder Sicherheit entstehende Ansicht richtig sei? – daß die Fragen jedes dieser Gegensatzpaare miteinander dem Sinn nach auch nurB: gleichen ; Emendation nach A.
h
das Mindeste zu tun haben? daß sie wirklich, wie immer einmal wieder behauptet wird, „voneinander nicht zu trennen“ seien? daß diese letztere Behauptung nichtA: diese hier in je zwei Gegensatzproben aufgestellten Fragen miteinander logisch
i
mit den Anforderungen des wissenschaftlichen Denkens im Widerspruch steheA: nicht vielmehr
k
? Ob dagegenA: steht
l
jemand, der die absoluteA: dann
m
Heterogenität beider Arten von Fragen zugibt, dennoch für sich in Anspruch nimmt: in einem und demselben Buch, auf einer und derselben Seite, ja in einem Haupt- und Nebensatz einer und derselben syntaktischen Einheit sich einerseits über das eine und andererseits über das andere der beiden heterogenen ProblemeIn A folgt: logische
n
zu äußern, – das ist seine Sache. WasA: andere, heterogene Problem
o
von ihm zu verlangen ist, ist [473]lediglich: daß er seine Leser über die absolute Heterogenität der Probleme nicht unabsichtlich (oder auch aus absichtsvoller Pikanterie)In A folgt: im Namen der Logik
p
täusche. Persönlich bin ich der Ansicht, daß kein Mittel der Welt zu „pedantisch“ ist, um nicht zur Vermeidung von Konfusionen am Platze zu sein.[473] Klammern fehlen in A.
q
In A folgt nach einem Absatz: Da ich im übrigen unmöglich hier schon oft literarisch Vertretenes nochmals wiederholen kann, beschränke ich mich auf einige wenige, in der Diskussion bisher gelegentlich mißverstandene Punkte. In A folgt ein weiterer Absatz.
Der
r
Sinn von Diskussionen über praktische Wertungen (der an der Diskussion Beteiligten selbst)In A geht voraus: 1.
s
kann alsoKlammern fehlen in A.
t
nur sein: [B 60]Fehlt in A.
- a) Die Herausarbeitung der letzten, innerlich „konsequenten“ Wertaxiome, von denen die einander entgegengesetzten Meinungen ausgehen. Nicht nur über die der Gegner, sondern auch über die eigenen täuscht man sich oft genug. Diese Prozedur ist dem Wesen nach eineuvon der Einzelwertung und ihrer sinnhaftenIn A folgt: rein logische,aAnalyse ausgehende, immer höher zu immer prinzipiellerenA: logischenbwertenden Stellungnahmen aufsteigende Operation. Sie operiert nicht mit den Mitteln einer empirischen Disziplin und zeitigt keine Tatsachenerkenntnis. Sie „gilt“ in gleicher Art wie dieA: allgemeinerencLogik.A: kraft der Geltung der
- b) Die Deduktion der „Konsequenzen“ für die wertende [A 101]Stellungnahme, welche aus bestimmten letzten Wertaxiomen folgen würdend, wenn man sie, und nur sie, der praktischen Bewertung von faktischen Sachverhalten zugrunde legteFehlt in A.e. Sie ist rein sinnhaftA: legtfin bezug auf die Argumentation, dagegen an empirische Feststellungen gebunden für die möglichst erschöpfende Kasuistik derjenigen empirischen Sachverhalte, welche für eine praktische Bewertung überhaupt in Betracht kommen können.A: logisch
- c) Die Feststellung der faktischen Folgen, welche die praktische Durchführung einer bestimmten praktisch wertenden Stellungnahme zu einem Problem haben müßte: 1. infolge der Gebundenheit an bestimmte unvermeidliche Mittel, – 2. infolge der Unvermeidlichkeit bestimmter, nicht direkt gewollter Nebenerfolgeg. Diese rein empirische Feststellung kann u. a. als Ergebnis haben: 1. die absolute Unmöglichkeit irgendeiner auch noch so entfernt annäherungsweisen Durchführung des Wertpostulates, weil keiner[474]lei Wege seiner Durchführung zu ermitteln sind; – 2. die mehr oder minder große Unwahrscheinlichkeit seiner vollen oder auch nur annäherungsweisen Durchführung, entweder aus dem gleichen Grunde oder weil die Wahrscheinlichkeit des Eintretens ungewollter Nebenerfolge besteht, welche direkt oder indirekt die Durchführung illusorisch zu machen geeignet sind; – 3. die Notwendigkeit, solche Mittel oder solche Nebenerfolge mit in Kauf zu nehmen, welche der Vertreter des betreffenden praktischen Postulats nicht in Betracht gezogen hatte, so, daß seineA: NebenverfolgehWertentscheidung zwischen Zweck, Mittel und Nebenerfolg ihm selbst zu einem neuen Problem wird und an zwingender Gewalt auf andere einbüßt. – Endlich können dabei[474]A: dessen – unvermeidlich nur von ihm selbst zu vollziehende –
- d) neue Wertaxiome und daraus zu folgernde Postulate vertreten werden, welche der Vertreter eines praktischen Postulats nicht beachtet und zu denen er infolgedessen nicht Stellung genommen hatte, obwohl die Durchführung seines eignen Postulats mit [B 61]jenen anderen entweder 1. prinzipiell oder 2. infolge der praktischen Konsequenzen, also: sinnhaftioder praktisch, kollidiert. Im Fall 1 handelt es sich bei der weiteren Erörterung um Probleme des Typus a, im Falle 2 des Typus cA: logischk.A: b
Sehr weit entfernt davon also, „sinnlos“ zu sein, haben
l
Wertungsdiskussionen dieses Typus, gerade wenn sie in ihren Zwecken richtig verstanden werdenIn A folgt: – was ich nicht im entferntesten bestritten habe –
m
, und m. E. nurA: würden
n
dann, ihren sehr erheblichen Sinn.A: nur
o
In A folgt: Was [A 102]ich (z. B. in Wien) dagegen sehr entschieden bekämpft habe und bekämpfen muß, ist: daß für die Zwecke der empirischen Wissenschaft Begriffe geschaffen werden, die unvermeidlich eine Vermischung von Tatsachen mit (in diesem Fall durchaus subjektiven) Wertungen enthalten, wie einige von einem Teil der Mitdiskutierenden akzeptierten Typen des „Produktivitätsbegriffes“. Der Verein wollte und sollte – nach meiner (subjektiven) Auffassung, die vielleicht andere nicht geteilt haben – in diesem Falle gerade eine „theoretische“, d. h. von praktischen Wertungen der Diskutierenden freie Erörterung über die Art, wie gewisse empirische Sachverhalte begrifflich zu erfassen seien, pflegen. Daher war die Kernfrage gerade die: ob und in welchen Fällen dies bei einem „Produktivitäts“-Begriff der Fall sei. Diese ihrem Wesen nach rein logische Erörterung aber wurde gestört durch das stets erneute Hineintragen der gar nicht hineingehörigen Frage: ob man auf dem Katheder oder im Verein für Sozialpolitik überhaupt auch „praktisch werten“ dürfe und solle oder nicht, – was ich persönlich bei wirklichen „Wertungs“-Diskussionen doch selbst mit aller Deutlichkeit getan habe und tun werde.
[475][[A 102]]Der
p
Nutzen einer Diskussion praktischer Wertungen, an der richtigen Stelle und im richtigen Sinne[475] In A geht voraus: 2.
q
ist aber mit solchenIn A folgt: – also z. B. in Vereinigungen wie der Verein für Sozialpolitik –
r
direkten „Ergebnissen“, die sie zeitigen kann, keineswegs erschöpft. Sie befruchtet vielmehr, wenn richtig geführt, die empirische Arbeit auf das Nachhaltigste, indem sie ihr die Fragestellungen für ihre Arbeit liefert. A: mit den unter Nr. 1 skizzierten
Die Problemstellungen der empirischen Disziplinen sind zwar
s
ihrerseits „wertfrei“ zu beantworten. Sie sind keine „Wertprobleme“. Aber sie stehen im Bereich unserer DisziplinenFehlt in A.
t
unter dem Einfluß der Beziehung von Realitäten „auf“ Werte. ÜberA: der „historischen Kulturwissenschaften“
u
die Bedeutung des Ausdruckes „Wertbeziehung“ muß ich mich auf eigene frühereA: Sowohl über die Bedeutung des Ausdruckes „Kulturwissenschaft“ wie für
a
Äußerungen und vor allem auf die bekannten Arbeiten von H[einrich] Rickert beziehen.A: die zitierten früheren
21
Es wäre unmöglich, das hier nochmals vorzutragen[475] Weber bezieht sich im wesentlichen auf seinen Aufsatz: Weber, Objektivität, bes. S. 49 f., sowie auf Rickert, Heinrich, Der Gegenstand der Erkenntnis. – Freiburg i. B.: J.C.B. Mohr 1892, und ders., Die Grenzen der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung, 1. Hälfte 1896, 2. Hälfte 1902. – Tübingen und Leipzig: J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) 1896–1902, in der 2. Aufl. erschienen 1913 (Rickert, Grenzen2).
b
. Es sei daher nur daran erinnert, daß der AusdruckA: vorzutragen, und ich möchte zweifeln, ob eine fruchtbare Diskussion rein logischer Fragen innerhalb des Ausschusses möglich wäre
c
„Wertbeziehung“ lediglich die philosophische Deutung desjenigen spezifisch wissenschaftlichen „Interesses“ meintFehlt in A.
d
, welches die Auslese und Formung des Objektes einer empirischen Untersuchung beherrschtA: besagen will
e
. A: determiniert
[A 103]Innerhalb der empirischen Untersuchung werden durch diesen rein
f
logischen Sachverhalt jedenfalls keinerlei „praktische Wertungen“ legitimiert. Wohl aber ergibt jener Sachverhalt in Übereinstimmung mit der geschichtlichen ErfahrungA: durch den betreffenden
g
, daß Kultur- und das heißt Wertinteressen es sind, welche auch der rein empirisch-wissenschaftlichen Arbeit die RichtungA: logische Sachverhalt, ebenso wie übrigens die geschichtliche Erfahrung und schließlich die eigene Praxis des Vereins für Sozialpolitik und die unbezweifelbaren wissenschaftlichen Leistungen, die er angeregt hat
h
weisen.A: Pfade
i
Es ist nunIn A folgt ein Absatz.
j
klar, [476]daß diese Wertinteressen durch Wertdiskussionen in ihrer Kasuistik sich entfalten können. DieseFehlt in A.
k
können dem wissenschaftlich, insbesondre[476]A: um so intensiver und in um so reicherer Kasuistik sich entfalten, je mehr Wertdiskussionen stattfinden. Sie
l
dem historisch arbeitenden,A: auch
N1
MWG: Komma fehlt in A. Anmerkungstexte zu den textkritischen Anmerkungen l und m in MWG-Druckfassung vertauscht; Korrektur in MWG digital.
m
Forscher vor allemKomma fehlt in A.
N2
MWG: auch ; Anmerkungstexte zu den textkritischen Anmerkungen l und m in MWG-Druckfassung vertauscht; Korrektur in MWG digital.
n
die Aufgabe der „Wertinterpretation“: für ihnFehlt in A.
o
eine höchst wichtige Vorarbeit seiner eigentlich empirischen ArbeitA: „Wertinterpretation“, welche
N3
Korrektur des in der MWG-Druckfassung fehlerhaften, schließenden textkritischen Index m in MWG digital.
p
, weitgehend abnehmen oder dochin A folgt: darstellt
q
erleichtern. Da die Unterscheidung nicht nur von Wertung und Wertbeziehung, sondern auch vonA: und
r
Wertung und Wertinterpretation (das heißt:Fehlt in A.
s
Entwicklung möglicherFehlt in A.
t
sinnhafter Stellungnahmen gegenüber einer gegebenen Erscheinung) vielfach nicht klar vollzogen wird und namentlich für die Würdigung [B 62]des logischen WesensIn A folgt: und in Betracht kommender
u
der Geschichte dadurch Unklarheiten entstehen,A: der Situation
a
so verweise ich in dieser Hinsicht auf die Bemerkungen im Archiv für Sozialwissenschaft XXII,Komma fehlt in B.
b
S. 168 f.B: XXII.
c
A: f.,
22
(ohne diese übrigens für irgendwie abschließend auszugeben)[476] Gemeint ist: Weber, Kritische Studien.
d
. –Klammern fehlen in A.
e
Gedankenstrich fehlt in A.
Statt einer nochmaligen Erörterung dieser methodologischen
f
Grundprobleme möchte ich einige für unsere Disziplinen praktisch wichtige Einzelpunkte näherA: der logischen
g
besprechen. Fehlt in A.
Der Glaube ist noch immer verbreitet, daß man Weisungen für praktische Wertungen aus „Entwicklungstendenzen“ ableiten solle, müsse oder doch: könne. Allein aus
h
noch so eindeutigen „Entwicklungstendenzen“ sind eindeutige Imperative des Handelns dochA: 3. Zunächst im Anschluß an eine ausdrückliche Frage des Rundschreibens: In A folgt ein Absatz und danach: Aus
i
nur bezüglich der voraussichtlich geeignetstenFehlt in A.
k
Mittel bei gegebenerFehlt in A.
l
Stellungnahme, nicht aber bezüglich jener Stellungnahme selbst zu gewinnenIn A folgt: „letzter“
m
. Dabei ist freilichA: ableitbar
n
der Begriff des „Mittels“ der denkbar weiteste. Wem etwa staatlicheFehlt in A.
o
Machtinteressen ein letztesA: „nationale“
p
Ziel wären, der müßte je nach der gegebenen Situation sowohl eine absolutistische wie eine radikal-demokratische Staatsverfassung für das (relativ) geeignetere Mittel ansehen, [477]und es wäre höchst lächerlich, einen etwaigen„letztes“
q
Wechsel in der Bewertung dieser staatlichen Zweckapparate als Mittel[477] Fehlt in A.
r
für einen Wechsel in der „letzten“ Stellungnahme selbstFehlt in A.
s
anzusehen. Selbstverständlich aberA: eines Menschen
t
ist es nun fernerFehlt in A.
u
, wie früherFehlt in A.
a
schon gesagt,A: unter Nr. 1 c
23
für den einzelnen[477] Oben, S. 473 f.
b
ein stets erneut auftauchendes Problem: ob er die Hoffnung auf Realisierbarkeit seiner praktischen Wertungen aufzugeben habe angesichts seiner Erkenntnis des Bestehens einer eindeutigen Entwicklungstendenz, welche die Durchsetzung des von ihm ErstrebtenA: Einzelnen auch
c
[[A 104]]an die Bedingung der Verwendung neuer, eventuell ihm sittlich oder sonst bedenklich erscheinender Mittel oder an das Inkaufnehmen von ihm perhorreszierter Nebenerfolge knüpft, oder sie derart unwahrscheinlich macht, daß seine Arbeit daran, an der Chance des ErfolgsA: seine Stellung[A 104]nahme ändern solle angesichts einer neuen (oder ihm neu bekannt werdenden) Situation, welche die Realisierung des von ihm erstrebten Wertes
d
bewertet, als sterile „Donquixoterie“ erscheinen müßte. – AberA: überhaupt zunehmend unwahrscheinlicher, seine Arbeit daran also, an Erfolg
e
die Erkenntnis von solchenA: zur Sterilität oder „Don Quixoterie“ verurteilt erscheinen läßt. Dorthin gehört auch
f
mehr oder minder schwer abänderlichenFehlt in A.
g
„Entwicklungstendenzen“A: abänderlicher
h
nimmt schlechterdings keine Sonderstellung ein. Jede einzelne neue TatsacheA: „Entwicklungstendenzen“. Aber: sie
i
kann ebensogut die Konsequenz haben, daß der Ausgleich zwischen Zweck und unvermeidlichem Mittel, gewolltem Ziel und unvermeidlichem Nebenerfolg neu zu vollziehen ist. Allein ob und mit welchen praktischen SchlußfolgerungenA: „Tatsache“
k
dies zu geschehen habe, ist nicht nurA: Konsequenzen
l
keine Frage einer empirischen, sondern, wie gesagt,A: sicherlich
m
überhaupt keiner wie immer gearteten Wissenschaft. Man mag z. B. dem überzeugten Syndikalisten noch so handgreiflich beweisen, daß sein Tun nicht nur sozial „nutzlos“ sei, d. h. daß es keinen Erfolg [B 63]für die Änderung der äußeren Klassenlage des Proletariats verspreche, ja daß es diese durch Erzeugung „reaktionärer“ Stimmungen unweigerlich verschlechtere, so ist damit für ihn – wenn er sich wirklich zu den letzteren Konsequenzen seiner Ansicht bekennt – gar nichts bewie[478]sen. Und zwar nicht, weil er ein Irrsinniger wäre, sondern weil er von seinem Standpunkt aus „recht“ haben kann – wie gleich zu erörtern. Im ganzen neigen die MenschenA: der empirischen, ja m. E.
n
hinlänglich stark dazu, sich dem Erfolg oder dem jeweilig Erfolg Versprechenden innerlich anzupassen[478] In A folgt: m. E.
o
, nicht nur – was selbstverständlich ist – in den Mitteln oder in dem Maße, wieA: „anzupassen“
p
sie ihre letzten Ideale jeweils zu realisieren trachten, sondern in der Preisgabe dieser selbst. In Deutschland glaubt man dies mit dem Namen „Realpolitik“ schmücken zu dürfen. Es ist jedenfalls nicht einzusehen, warum gerade die Vertreter einer empirischen Wissenschaft das Bedürfnis fühlen sollten, dies noch zu unterstützen, indem sie sich als Beifallssalve der jeweiligen „Entwicklungstendenz“ konstituieren und die „Anpassung“ an diese aus einem letzten, nur vom einzelnenA: in dem
q
im Einzelfall zu lösenden, also auchA: Einzelnen
r
dem einzelnenFehlt in A.
s
ins Gewissen zu schiebenden Wertungsproblem zu einem durch die Autorität einer „Wissenschaft“ angeblich gedecktenA: Einzelnen
t
PrinzipFehlt in A.
u
machen. In A folgt: zu
Es ist – richtig verstanden – zutreffend, daß eine erfolgreiche Politik stets die „Kunst des Möglichen“
24
ist. Nicht minder richtig aber ist, daß das Mögliche[478] Ein Otto von Bismarck zugeschriebenes Bonmot.
a
sehr oft nur dadurch erreicht wurde, [A 105]daß man nach dem jenseits seiner liegenden UnmöglichenA: „Mögliche“
b
griff. Es ist schließlich doch nicht die einzige wirklich konsequente Ethik der „Anpassung“ an das MöglicheA: „Unmöglichen“
c
: die Bureaukratenmoral des KonfuzianismusA: „Mögliche“
d
,A: Konfucianismus
25
gewesen, welche die vermutlich von uns allen trotz aller sonstigen Differenzen (subjektiv) mehr oder minder positiv geschätzten spezifischen Qualitäten gerade unserer Kultur geschaffen hat. Daß, wie weiter oben ausgeführt, Vgl. dazu die Erläuterung, oben, S. 363, Anm. 27.
e
Fehlt in A.
26
neben dem „Erfolgswert“ einer Handlung ihr „Gesinnungswert“ stehe, möchte wenigstens ich Oben, S. 467 f.
f
der NationIn A folgt: (subjektiv)
g
nicht gerade im Namen der WissenschaftA: Jugend
h
systematisch aberzogen wissen. Jedenfalls aber hindert die Verkennung dieses Sachverhalts das Verständnis der Realitäten. [479]Denn umA: von den Universitäten
i
bei dem vorhin als Beispiel angezogenen SyndikalistenA: Das könnte sogar direkt logische Inkonsequenzen zur Folge haben. Um
k
zu bleiben: es ist auch logisch eine Sinnlosigkeit, ein Verhalten, welches – wenn konsequent – als Richtschnur den „Gesinnungswert“ nehmen muß, zum Zweck der „Kritik“[479]A: „Syndikalisten“
l
lediglich mit seinem „Erfolgswert“ zu konfrontieren. Der wirklich konsequente Syndikalist will jaFehlt in A.
m
lediglich eine bestimmte, ihm schlechthin wertvoll und heilig [B 64]scheinende Gesinnung sowohlFehlt in A.
n
in sich selbst erhalten alsFehlt in A.
o
, wenn möglich, in anderen wecken. SeineA: und
p
äußeren, gerade die von vornherein zu noch so absoluter ErfolglosigkeitA: Die
q
verurteilten Handlungen haben letztlich den Zweck, ihm selbst vor seinem eigenenA: „Erfolglosigkeit“
r
Forum die Gewißheit zu geben, daß diese Gesinnung echtA: eignen
s
ist, d. h. die Kraft hat, sich in Handlungen zu „bewähren“, und nicht ein bloßes Bramarbasieren. Dafür gibt es (vielleicht) in der Tat nur das Mittel solcher Handlungen. Im übrigen ist – wenn er konsequent ist – sein Reich, wie das Reich jeder Gesinnungsethik, nicht von dieser WeltA: „echt“
t
. „Wissenschaftlich“ läßt sichA: „nicht von dieser Welt“
u
lediglichIn A folgt: – wenn dies alles, was hier ad hoc einmal unterstellt werden möge, zutrifft –
a
feststellen, daß diese AuffassungIn A folgt: mit den Mitteln der Logik einerseits, der Empirie andrerseits
b
seiner eigenen Ideale die einzig innerlich konsequente, durch äußere „Tatsachen“ nicht widerlegbare ist. Ich möchteA: Aufstellung
c
glauben, daß damit sowohl Anhängern wie Gegnern des Syndikalismus ein Dienst, und zwar genauIn A folgt: – immer die Richtigkeit der hier gemachten Annahme vorausgesetzt –
d
der geleistet wäre, den sie mit Recht von der Wissenschaft verlangen. Mit dem „einerseits – andrerseits“ von sieben Gründen „für“ und sechs Gründen „gegen“ eine bestimmte Erscheinung (etwa: den Generalstreik) und deren AbwägungA: gerade
e
gegeneinander nach Art der alten Kameralistik und etwaA: subjektiver „Abwägung“
f
moderner chinesischer Denkschriften scheint mir dagegen im Sinn keiner wie immer gearteten Wissenschaft etwas gewonnen. Mit jener Reduktion des syndikalistischen Standpunkts auf seine mög[A 106]lichst rationale und innerlich konsequente Form und mit der Feststellung seiner empirischen Entstehungsbedingungen, Chancen und erfahrungsgemäßen praktischen Folgen ist vielmehr die Aufgabe jedenfalls der wertungsfreien WissenschaftIn A folgt: noch
g
ihm gegenüber erschöpft. Daß man ein Syndikalist sein solleA: „Wissenschaft“
h
oder nicht sein [480]solle, läßt sich ohne sehr bestimmte metaphysische Prämissen, welche nicht, und zwar in diesem Fall durch keine wie immer geartete Wissenschaft demonstrabel sind, niemals beweisen. Auch daßA: „solle“
i
ein Offizier sich mit seiner Schanze lieber in die Luft sprengt, als sich zu ergeben, kann im Einzelfall recht gut in jeder Hinsicht, am Erfolg gemessen,[480]A: „beweisen“. So wenig sich etwa „beweisen“ läßt, ob man die Rolle Don Quixotes oder diejenige Sancho Pansas vorzuziehen hätte, wenn man einmal in die fatale Lage käme, nur die Wahl zwischen beiden zu haben, – und eine wenigstens ähnliche Situation kommt öfter vor als zuweilen geglaubt wird. Daß
k
absolut nutzlos sein. Nicht gleichgültig aber dürfte sein, ob die Gesinnung, die das, ohne nach dem Nutzen zu fragen, tut, überhaupt existiert oder nicht. „Sinnlos“ muß jedenfallsFehlt in A.
l
sie so wenig sein wie die des konsequenten Syndikalisten. Wenn der Professor von der gemächlichen Höhe des Katheders herab einen solchen CatonismusFehlt in A.
27
empfehlen wollte, so würde sich das freilich nicht besonders stilgerecht ausnehmen. Aber es ist doch schließlich auch nicht geboten, daß er das Gegenteil preise und aus der Anpassung der Ideale an die gerade durch die jeweiligen Entwicklungstendenzen und Situationen[480] Bezug auf Cato den Älteren, der für seine politische Beharrlichkeit bekannt war.
m
gegebenen Chancen eine Pflicht mache. A: allgemeine „Entwicklungstendenzen“
[Β 65]Es ist hier soeben wiederholt der Ausdruck „Anpassung“ gebraucht worden, der im gegebenen Fall bei der gewählten Ausdrucksweise wohl auch hinlänglich unmißverständlich ist. Aber es zeigt
n
sich, daß er an sich doppelsinnig ist: Anpassung der MittelA: zeigte
o
einer letztenA: „Mittel“
p
Stellungnahme an gegebene Situationen („Realpolitik“ im engeren Sinn) oder: Anpassung in der Auswahl aus den überhaupt möglichenA: „letzten“
q
letzten StellungnahmenA: der
r
selbst an die jeweiligen wirklichen oder scheinbaren Augenblickschancen einer von ihnenA: Stellungnahme
s
(jene Art der „Realpolitik“, mit der unsere Politik seit 27 Jahren so merkwürdige Erfolge erzielteA: Chancen
t
).A: wir es in der Weit seit 25 Jahren so herrlich weit gebracht haben
28
Aber damit ist die Zahl seiner möglichen Bedeutungen bei weitem nicht erschöpft. Darum Vgl. dazu oben, S. 365, Anm. 31.
u
wäre es bei jederA: Und darum
a
Diskussion unserer Probleme, sowohl von „Wertungs“- wie von anderen Fragen, meines Erachtens gut, diesen viel [481]mißbrauchten Begriff lieber gänzlich auszuscheiden. Denn ganz und gar mißverständlich ist er als Ausdruck eines wissenschaftlichen Arguments, als welches er sowohl für die „Erklärung“ (etwa des empirischen Bestehens gewisser ethischer Anschauungen bei gewissen Menschengruppen zu bestimmten Zeiten) wie für die „Bewertung“In A folgt: polemischen
b
[A 107](z. B. jener faktisch bestehenden ethischen Anschauungen als objektiv „passend“ und daher objektiv „richtig“ und wertvoll) immer erneut auftaucht. In keiner dieser Hinsichten leistet er aber etwas, da er stets seinerseits erst der Interpretation bedarf. Er[481]A, B: „Bewertung“,
c
hat seine Heimat in der Biologie. Würde er wirklich im biologischen Sinn, also als durch die Umstände gegebene relativ bestimmbare Chance einer Menschengruppe, das eigene psychophysische Erbgut durch reichliche Fortpflanzung zu erhalten, gefaßt, dann wären z. B. die ökonomisch am reichlichsten ausgestatteten und ihr Leben am rationellsten regulierenden Volksschichten nach bekannten Erfahrungen der GeburtenstatistikA: Der Begriff
d
die „unangepaßtesten“. „Angepaßt“ an die Bedingungen der Umgebung des Salt Lake waren im biologischen Sinn – aber auch in jeder der zahlreichen sonst denkbaren wirklich rein empirischen Bedeutungen – die wenigen Indianer, die vor der Mormoneneinwanderung dort lebten,Fehlt in A.
e
genau so gut und schlecht wie die späteren volksreichen Mormonenansiedlungen. Wir verstehenIn A folgt: vermutlich
f
also vermöge dieses Begriffes nicht das geringste empirisch besser, bilden uns aber leicht ein, es zu tun. Und man kann – dies sei schon hier festgestellt – auch nur bei zwei im übrigenA: „verstehen“
g
in jeder Hinsicht absolut gleichartigen Organisationen sagen, daß ein konkreter Einzelunterschied eine empirisch für ihren FortbestandFehlt in A.
h
„zweckmäßigere“, in diesem Sinn den gegebenen Bedingungen „angepaßtere“ Lage der einen von ihnen bedingt. Für die Bewertung aber [B 66]kann jemand sowohl auf dem Standpunkt stehen:Fehlt in A.
i
die größere Zahl und die materiellen und sonstigen Leistungen und Eigenschaften, welche die Mormonen dorthin brachten und dort entfalteten, sei einA: stehen,
k
Beweis ihrer Überlegenheit über die IndianerA: für einen
l
, wie etwa ein anderer, der die Mittel und Nebenerfolge der Mormonenethik, welche für jene Leistungen mindestens mitverantwortlich ist, bedingungs[482]los perhorresziert, die Steppe sogar ohne alle Indianer, und also vollends die romantische Existenz dieser letzteren darin, vorziehen kann, ohne daß irgendeine, wie immer geartete Wissenschaft der Welt prätendieren könnte, ihn zu bekehren. Denn schon hier handelt es sich um den unaustragbaren Ausgleich von Zweck, Mittel und NebenerfolgIn A folgt: in Anspruch zu nehmen
m
. [482]A: „Zweck“ und „Mittel“
Nur
n
wo bei einem absolut eindeutig gegebenen ZweckA: Und nur
o
nach dem dafür geeigneten MittelA: „Zweck“
p
gefragt wird, handelt es sich um eine wirklich empirisch entscheidbare Frage. DerA: „Mittel“
q
Satz: x ist das einzige MittelA: Denn der
r
für y, ist in der Tat die bloße Umkehrung des Satzes: auf x folgt y. Der Begriff der „Angepaßtheit“ aber (und alle ihm verwandten) gibt – und das ist die Hauptsache – jedenfalls nicht die [A 108]geringste Auskunft über die letztlichA: „Mittel“
s
zugrunde liegenden Wertungen, die er vielmehr – ebenso wie z. B. der m. E. grundkonfuse neuerdings beliebte Begriff der „Menschenökonomie“A: in jedem von beiden und in allen ähnlichen Fällen
29
– lediglich verhüllt. „Angepaßt“ ist auf dem Gebiet der „Kultur“, je nachdem, wie man den Begriff meint, entweder alles oder: nichts. Denn nicht auszuscheiden ist aus allem Kulturleben der Kampf[482] Vgl. dazu die Erläuterung oben, S. 366, Anm. 32.
t
. Man kann seine Mittel, seinen Gegenstand, sogar seine Grundrichtung und seine Träger ändern, aber nicht ihn selbst beseitigen. Er kann statt eines äußeren RingensA: „Kampf“
u
von feindlichen Menschen um äußere Dinge ein inneres Ringen sich liebender Menschen um innere Güter und damit statt äußeren Zwangs eine innereA: aus einem äußeren Ringen
a
Vergewaltigung (gerade auch in Form erotischer oder karitativer HingabeA: aus äußerem Zwang zu innerer
b
) seinA: „Hingabe“
c
oder endlich ein inneresA: werden
d
Ringen innerhalb der Seele des Einzelnen selbst mit sich selbst bedeutenA: von da zu innerem
e
– stets ist er da, und oft um so folgenreicher, je weniger er bemerkt wird, je mehr sein Verlauf die Form stumpfen oder bequemen Geschehenlassens oder illusionistischen Selbstbetrugs annimmt oder sich in der Form der „Auslese“ vollzieht. „Friede“ bedeutet Verschiebung der Kampfformen oder derA: werden,
f
Kampfgegner oder der Kampfgegenstände oder endlichFehlt in A.
g
der Auslesechancen undFehlt in A.
h
nichts anderes. Ob und wann [483]solche Verschiebungen vor einem ethischenA: Auslesechancen,
i
oder einem anderen bewertenden Urteil die Probe bestehen, darüber läßt sich offenbar generell schlechthin nichts aussagen. Nur eines ergibt sich zweifellos: Ausnahmslos jede, wie immer geartete Ordnung [B 67]der gesellschaftlichen Beziehungen ist, wenn man sie bewerten will,[483]A: „ethischen“
k
letztlich auch daraufhin zu prüfen, welchem menschlichen Typus sie, im Wege äußerer oder innerer (Motiv-)Auslese, die optimalen Chancen gibt, zum herrschenden zu werden. Denn wederFehlt in A.
l
ist sonst die empirische Untersuchung wirklich erschöpfend, noch ist auch die nötige tatsächliche Basis für eine, seiA: Weder
m
es bewußt subjektiveA: eine – sei
n
, sei es eine objektiveA: „subjektive“
o
Geltung in Anspruch nehmende, BewertungA: „objektive“
p
überhaupt vorhanden.A: nehmende – Bewertung
q
WenigstensIn A folgt: In sicherlich vielfach unreifer Form wollte dies seinerzeit meine akademische Antrittsrede zum Ausdruck bringen, mit der ich mich sonst in vielen wichtigen Punkten nicht mehr identifizieren kann. In A folgt ein Absatz.
r
denjenigen zahlreichen Kollegen sei dieserA: Aber wenigstens
s
Sachverhalt in Erinnerung gebracht, welche glauben, es ließe sich mit eindeutigen „Fortschritts“-begriffenA: jener
t
bei der Feststellung von gesellschaftlichenA: „Fortschritts“begriffen
u
Entwicklungen operieren. Das führt nun zu einer näheren Betrachtung dieses wichtigen Begriffs.A: rein organisatorischen
a
Fehlt in A.
Man
b
kann natürlich den Begriff des „Fortschritts“ absolutIn A geht voraus: 4.
c
wertfrei [A 109]brauchen, wenn man ihn mit dem „Fortschreiten“ irgendeines konkreten,A: – immer aber mit der schweren Gefahr des Mißverständnisses –
d
isoliert betrachteten Entwicklungs-ProzessesIn A folgt: abstrahierend
e
identifiziert. Aber in den meisten Fällen ist der Sachverhalt wesentlich komplizierter.A: Prozesses
f
Wir betrachten hier einige FälleFehlt in A.
g
, wo die Verquickung mit Wertfragen am intimsten ist, aus heterogenen Gebieten.A: Um gleich diejenigen Fälle zu nehmen
h
A: so ist dies
Auf
i
dem Gebiet der irrationalen, gefühlsmäßigen, affektiven Inhalte unseres seelischen Verhaltens kannA: a) auf
k
die quantitative Zunahme und – was damit meist verbunden ist – qualitative Vermannigfaltigung der möglichenA: Verhaltens:
l
Verhaltungsweisen wertfrei als Fortschritt der seelischenIn A folgt: (im Gegensatz zum zweckrationellen Verhalten: „irrationalen“)
m
„Differenzierung“, bezeichnet werden. [484]Alsbald verbindet sich aber damit der WertbegriffA: durch (um den üblichen Ausdruck zu brauchen) seelische
n
: Vermehrung der „Spannweite“, der „Kapazität“ einer konkreten „Seele“ oder – was schon eine nicht eindeutige Konstruktion ist – einer „Epoche“[484]A: also
o
(so in Simmels „Schopenhauer und Nietzsche“In A folgt: in dieser Hinsicht
p
).A: von Simmel in „Schopenhauer und Nietzsche“ mit bedingungslos positivem Wertvorzeichen versehen
30
[484] Vgl. Simmel, Schopenhauer und Nietzsche; das Handexemplar Max Webers befindet sich in der Max Weber-Arbeitsstelle, BAdW München.
Es ist natürlich
q
gar kein Zweifel, daß es jenes faktische „Fortschreiten der Differenzierung“Fehlt in A.
r
gibt. Mit dem Vorbehalt, daß es nicht immer wirklich da vorhanden ist, wo man an sein Vorhandensein glaubt. Das für die Gegenwart zunehmendeA: dieses „Fortschreiten“
s
Beachten der Gefühlsnüancen, wie es auftritt,A: infolge des Umstandes glaubt, daß ein zunehmendes
t
sowohl als Folge zunehmender Rationalisierung und IntellektualisierungA: auftreten kann
u
aller Lebensgebiete wie als Folge zunehmender subjektiver Wichtigkeit, die der einzelne allen seinen eigenen (für andere oft äußerst gleichgültigen)A: Individualisierung
a
Lebensäußerungen beimißt, täuscht sehr leicht zunehmende Differenzierung vor. Es kann sie bedeuten oder befördern. Aber der Schein trügt leicht, und ichA: eigenen, in den Augen anderer vielleicht oft äußerst gleichgültigen,
b
gestehe, daß ich die faktische Tragweite dieser Täuschung ziemlichA: sehr leicht zunehmenden „Reichtum“, zunehmende „Kompliziertheit“ usw. im Sinn von fortschreitender „Differenzierung“ vortäuscht. Ich
c
hoch veranschlagen möchte. Immerhin: der Sachverhalt besteht.A: für die Gegenwart sehr
d
Ob nun jemand fortschreitende Differenzierung [B 68]als „Fortschritt“ bezeichnet, ist an sichA: Die Realität von Differenzierungsprozessen der erwähnten Art ist aber an sich eine historisch unbezweifelbare Tatsache.
e
terminologische Zweckmäßigkeitsfrage. Ob man sie aber als „Fortschritt“ im Sinn zunehmenden „inneren Reichtums“Fehlt in A.
f
bewerten soll, kann jedenfalls keine empirische Disziplin entscheiden. Denn dieFehlt in A.
g
Frage, ob jeweils die neu sich entwickelnden oder neu in das Bewußtsein gehobenenA: Die
h
Gefühlsmöglichkeiten mit unter Umständen neuen „Spannungen“ und „Problemen“ als „Werte“ anzuerkennen sind, geht sie nichts an. Wer aber zu derFehlt in A.
i
Tatsache der Differenzierung als solcher bewertende Stellung nehmenA: die
j
will – was gewiß keine empirische Disziplin jemandemA: solche bewerten
k
verbieten kann – und [485]nach dem Standpunkt dafür sucht, dem werden naturgemäß manche Erscheinungen der GegenwartA, B: jemanden
l
auch die Frage nahelegen: um welchen Preis dieser Prozeß, soweit er zurzeit überhaupt mehr als eine intellektualistische Illusion ist, „erkauft“ wird. Er wird z. B. nicht übersehen dürfen, daß die Jagd nach dem „Erlebnis“ – dem eigentlichen Modewert der deutschen Gegenwart – in sehr starkem Maß Produkt abnehmender Kraft sein kann, den „Alltag“ innerlich zu bestehen, und daß jene Publizität, welche der einzelne seinem „Erleben“ zu geben das zunehmende Bedürfnis empfindet, vielleicht auch als ein Verlust an Distanz- und also an Stil- und Würdegefühl bewertet werden könnte. Jedenfalls ist auf dem Gebiet der Wertungen des subjektiven Erlebens „Fortschritt der Differenzierung“ mit Mehrung des „Werts“ zunächst nur in dem intellektualistischen Sinn der Vermehrung des zunehmend bewußten Erlebens oder der zunehmenden Ausdrucksfähigkeit und Kommunikabilität identisch.[485] In A folgt: u. a.
m
A: wird. –
[[A 110]]Etwas komplizierter steht es mit der
n
Anwendbarkeit des „Fortschritts“begriffes (im Sinn der Bewertung) auf dem Gebiet der Kunst. SieA: Nur beiläufig sei erwähnt: die
o
wirdA: Kunst
p
gelegentlich leidenschaftlich bestritten. Je nach dem gemeinten Sinn mit Recht oder Unrecht. Es hat keine wertende Kunstbetrachtung gegebenIn A folgt: zwar
q
, die mit dem exklusiven Gegensatz von „Kunst“ und „Unkunst“ ausgekommen wäre,A: Nüchterne Erwägung zeigt, daß es keine „wertende Kunstbetrachtung“ gegeben hat
r
und nicht daneben noch die UnterschiedeKomma fehlt in A.
s
zwischen Versuch und ErfüllungA: dem Unterschied ; B: dem Unterschiede
t
, zwischen dem Wert verschiedener ErfüllungenA: Lösung
u
, zwischen der vollen und der in irgendeinem Einzelpunkt oderA: Lösungen
a
, in mehreren solcher, selbstFehlt in A.
b
in wichtigen PunktenFehlt in A.
c
mißglückten, dennoch aber nicht schlechthin wertlosen Erfüllung verwendete, und zwar nicht nur für ein konkretes Formungswollen, sondern auch für das KunstwollenIn A folgt: gebrochenen,
d
ganzer Epochen. Der Begriff eines „Fort[486]schritts“ wirkt zwar, auf solche Tatbestände angewendet, wegen seiner sonstigen Verwendung für rein technische Probleme trivial. Aber er ist nicht an sich sinnlos. Wieder anders liegt das Problem für die rein empirische Kunstgeschichte [B 69]und die empirische Kunstsoziologie. Für die erstere gibt es einen „Fortschritt“ der Kunst natürlich nicht im Sinn der ästhetischen Wertung von Kunstwerken als sinnhafter Erfüllungen; denn diese Wertung ist nichts mit den Mitteln empirischer Betrachtung zu leistendes und liegt also ganz jenseits ihrer Aufgabe. Dagegen kann gerade sie einen durchaus nur technischen, rationalen und deshalb eindeutigen „Fortschritts“-Begriff verwenden, von dem alsbald näher zu reden ist und dessen Brauchbarkeit für die empirische Kunstgeschichte eben daraus folgt: daß er sich ganz und gar auf die Feststellung der technischen Mittel beschränkt, welche ein bestimmtes Kunstwollen für eine fest gegebene Absicht verwendet. Man unterschätzt die kunstgeschichtliche Tragweite dieser sich streng bescheidenden Ermittlungen leicht oder mißdeutet sie in jenem Sinn, welchen ein modisches ganz subalternes und unechtes vermeintliches „Kennertum“ damit verbindet, indem es den Anspruch erhebt, einen Künstler „verstanden“ zu haben, wenn es den Vorhang seines Ateliers gelüftet und seine äußeren Darstellungsmittel, seine „Manier“, durchmustert hat. Allein der richtig verstandene „technische“ Fortschritt ist geradezu die Domäne der Kunstgeschichte, weil gerade er und sein Einfluß auf das Kunstwollen das am Ablauf der Kunstentwicklung rein empirisch, das heißt: ohne ästhetische Bewertung, Feststellbare enthält. Nehmen wir einige Beispiele, welche die wirklichen kunstgeschichtlichen Bedeutungen des „Technischen“ im echten Sinn des Worts verdeutlichen. d–d (bis S. 492: besagen will.) A: ganze Problematiken. Nicht nur etwa ein Buch wie Wölfflins „Klassische Kunst“, sondern die Mehrzahl der „wertvollen“ Leistungen der analytischen Ästhetik wäre sonst unmöglich. Nicht darin liegt der – hier nicht zu erörternde – grundstürzende Unterschied der Wertungsprobleme dieser Sphäre von der gleich näher zu besprechenden des „rationalen“ Fortschritts. Nur hat freilich Wertrealisierung in der Kunst weder mit diesem „rationalen“ Fortschritt noch mit dem „Fortschritt“ der Differenzierung der Gefühls[486]sphäre das mindeste zu schaffen, und die Verquickung aller dieser Dinge miteinander ist auch hier das spezifisch Fatale.
Die Entstehung der Gotik war in allererster Linie das Resultat der technisch gelungenen Lösung eines an sich rein bautechnischen Problems der Überwölbung von Räumen bestimmter Art: die Frage nach dem technischen Optimum der Schaffung von Widerlagen für den Gewölbeschub eines Kreuzgewölbes, verbunden mit noch einigen hier nicht zu erörternden Einzelheiten. Ganz konkrete bauliche Probleme wurden gelöst. Die Erkenntnis, daß damit auch eine bestimmte Art der Überwölbbarkeit nicht quadratischer [487]Räume möglich gemacht war, weckte die leidenschaftliche Begeisterung jener vorläufig und vielleicht für immer unbekannten Architekten, denen die Entwicklung des neuen Baustils verdankt wird. Ihr technischer Rationalismus führte das neue Prinzip in alle Konsequenzen durch. Ihr Kunstwollen nutzte es als Erfüllungsmöglichkeit bis dahin ungeahnter künstlerischer Aufgaben und riß alsdann die Plastik in die Bahn eines primär durch die ganz neuen Raum- und Flächenformungen der Architektur geweckten neuen „Körpergefühls“ hinein. Daß diese primär technisch bedingte Umwälzung zusammenstieß mit [B 70]bestimmten in starkem Maße soziologisch und religionsgeschichtlich bedingten Gefühlsinhalten, bot die wesentlichen Bestandteile jenes Materials an Problemen dar, mit welchen das Kunstschaffen der gotischen Epoche arbeitete. Indem die kunstgeschichtliche und kunstsoziologische Betrachtung diese sachlichen, technischen, gesellschaftlichen, psychologischen Bedingungen des neuen Stils aufzeigt, erschöpft sie ihre rein empirische Aufgabe. Weder aber „wertet“ sie dabei den gotischen Stil im Verhältnis etwa zum romanischen oder etwa dem seinerseits sehr stark am technischen Problem der Kuppel und daneben an den soziologisch mitbedingten Änderungen des Aufgabenbereiches der Architektur orientierten Renaissancestil, noch „wertet“ sie ästhetisch, so lange sie empirische Kunstgeschichte bleibt, das einzelne Bauwerk. Vielmehr: Das Interesse an den Kunstwerken und an ihren ästhetisch relevanten einzelnen Eigentümlichkeiten und also: ihr Objekt ist ihr heteronom: als ihr Apriori, gegeben durch deren von ihr, mit ihren Mitteln, gar nicht feststellbaren ästhetischen Wert.
Ähnlich auf dem Gebiet etwa der Musikgeschichte. Ihr zentrales Problem ist für den Standpunkt des Interesses des modernen europäischen Menschen („Wertbezogenheit“!) doch wohl: warum die harmonische Musik aus der fast überall volkstümlich entwickelten Polyphonie nur in Europa und in einem bestimmten Zeitraum entwickelt wurde, während überall sonst die Rationalisierung der Musik einen andern und zwar meist den gerade entgegengesetzten Weg einschlug: Entwicklung der Intervalle durch Distanzteilung (meist der Quarte) statt durch harmonische Teilung (der Quinte). Im Mittelpunkt steht also das Problem der Entstehung der Terz, in deren harmonischer Sinndeutung: als Glied des Dreiklangs, und weiterhin: der harmonischen Chromatik, ferner: der modernen [488]musikalischen Rhythmik (der guten und schlechten Taktteile) – statt rein metronomischer Taktierung, – einer Rhythmik, ohne welche die moderne Instrumentalmusik undenkbar ist. Da handelt es sich nun wiederum primär um rein technisch rationale „Fortschritts“-Probleme. Denn daß z. B. Chromatik längst vor der harmonischen Musik
e
als Mittel der Darstellung von „Leidenschaft“ bekannt war, zeigt die antike chromatische (angeblich sogar: enharmonische[488]B: Musik,
f
) Musik zu den leidenschaftlichen Dochmien des neuerdings entdeckten Euripidesfragments.B: einharmonische
31
Nicht in dem künstlerischen Ausdruckswollen also, sondern in den technischen Ausdrucksmitteln lag der Unterschied dieser antiken Musik gegen jene Chromatik, welche die großen musikalischen Experimentatoren [B 71]der Renaissancezeit in stürmischem rationalen Entdeckungsstreben schufen, und zwar ebenfalls: um „Leidenschaft“ musikalisch formen zu können. Das technische Neue aber war, daß diese Chromatik diejenige unserer harmonischen Intervalle wurde und nicht eine solche mit den melodischen Halb- und Viertel-Ton-Distanzen der Hellenen. Und daß sie dies werden konnte, hatte seinen Grund wiederum in vorangegangenen Lösungen technisch-rationaler Probleme. So namentlich in der Schaffung der rationalen Notenschrift (ohne welche keine moderne Komposition auch nur denkbar wäre) und, schon vorher, bestimmter zur harmonischen Deutung musikalischer Intervalle drängender Instrumente und vor allem: des rational polyphonen Gesanges. Den Hauptanteil an diesen Leistungen aber hatte im frühen Mittelalter das Mönchtum des nordisch-abendländischen Missionsgebiets, welches ohne eine Ahnung von der späteren Tragweite seines Tuns die volkstümliche Polyphonie für seine Zwecke rationalisierte, statt, wie das byzantinische, sich seine Musik vom hellenisch geschulten Melopoiós[488] Einige Verszeilen des Dramas „Orestes“ von Euripides waren 1892 von Karl Wessely entdeckt und veröffentlicht worden, vgl. dazu Weber, Max, Zur Musiksoziologie, MWG I/14, S. 145–280, S. 168, Hg.-Anm. 59.
32
herrichten zu lassen. Durchaus konkrete, soziologisch und religionshistorisch bedingte, Eigentümlichkeiten der äußeren und inneren Lage der christlichen Kirche im Okzident ließen dort aus einem nur dem Mönchtum des Abendlandes eignen Rationalismus diese musikali[489]sche Problematik entstehen, welche ihrem Wesen nach „technischer“ Art war. Die Übernahme und Rationalisierung des Tanztakts andererseits, des Vaters der in die Sonate ausmündenden Musikformen, war bedingt durch bestimmte gesellschaftliche Lebensformen der Renaissance-Gesellschaft. Die Entwicklung des Klaviers endlich, eines der wichtigsten technischen Träger der modernen musikalischen Entwicklung und ihrer Propaganda im Bürgertum, wurzelte in dem spezifischen Binnenraum-Charakter der nordeuropäischen Kultur. All das sind „Fortschritte“ der technischen Mittel der Musik, welche deren Geschichte sehr stark bestimmt haben. Diese Komponenten der historischen Entwicklung wird die empirische Musikgeschichte entwickeln können und müssen, ohne ihrerseits eine ästhetische Bewertung der musikalischen Kunstwerke vorzunehmen. Der technische „Fortschritt“ hat sich recht oft zuerst an, ästhetisch gewertet, höchst unzulänglichen Leistungen vollzogen. Die Interessenrichtung: das historisch zu erklärende Objekt, ist der Musikgeschichte heteronom durch dessen ästhetische Bedeutsamkeit gegeben. Liederdichter, lyrischer Dichter.
Für das Gebiet der Entwicklung der Malerei ist die vornehme Bescheidenheit der Fragestellung in Wölfflins „Klassischer Kunst“
33
ein ganz hervorragendes Beispiel der Leistungsfähigkeit empirischer Arbeit. [489] Wölfflin, Klassische Kunst, vgl. dazu die Erläuterung, oben, S. 369, Anm. 35.
[B 72]Die völlige Geschiedenheit der Wertsphäre von dem Empirischen tritt nun darin charakteristisch hervor: daß die Verwendung einer bestimmten noch so „fortgeschrittenen“ Technik über den ästhetischen Wert des Kunstwerks nicht das geringste besagt. Kunstwerke mit noch so „primitiver“ Technik – Bilder z. B. ohne alle Kenntnis der Perspektive – vermögen ästhetisch den vollendetsten auf dem Boden rationaler Technik geschaffenen absolut ebenbürtig zu sein, unter der Voraussetzung, daß das künstlerische Wollen sich auf diejenigen Formungen beschränkt hat, welche jener „primitiven“ Technik adäquat sind. Die Schaffung neuer technischer Mittel bedeutet zunächst nur zunehmende Differenzierung und gibt nur die Möglichkeit zunehmenden „Reichtums“ der Kunst im Sinn der Wertsteigerung. Tatsächlich hat sie nicht selten den umgekehrten Effekt der „Verarmung“ des Formgefühls gehabt. Aber für [490]die empirisch-kausale Betrachtung ist gerade die Änderung der „Technik“ (im höchsten Sinn des Worts) das wichtigste allgemein feststellbare Entwicklungsmoment der Kunst.
Nun pflegen nicht nur Kunsthistoriker, sondern überhaupt die Historiker, zu entgegnen: daß sie sich das Recht politischer, kulturlicher, ethischer, ästhetischer Bewertung weder nehmen lassen, noch in der Lage seien, ohne diese ihre Arbeit zu leisten. Die Methodologie hat weder die Macht noch die Absicht, jemanden vorzuschreiben, was er in einem literarischen Werk zu bieten beabsichtigt. Sie nimmt sich nur ihrerseits das Recht festzustellen: daß gewisse Probleme untereinander heterogenen Sinn haben, daß ihre Verwechslung miteinander die Folge hat, daß eine Diskussion zum Aneinandervorbeireden führt, und daß über die einen eine Diskussion mit den Mitteln sei es der empirischen Wissenschaft, sei es der Logik sinnvoll, über die andren dagegen unmöglich ist. Vielleicht darf hier, ohne für jetzt den Beweis anzutreten, noch eine allgemeine Beobachtung hinzugefügt werden: eine aufmerksame Durchmusterung historischer Arbeiten zeigt sehr leicht, daß die rücksichtslose Verfolgung der empirisch-historischen Kausalkette bis zum Ende fast ausnahmslos dann zum Schaden der wissenschaftlichen Ergebnisse unterbrochen zu werden pflegt, wenn der Historiker zu „werten“ beginnt. Er kommt dann in die Gefahr, z. B. für die Folge eines „Fehlers“ oder eines „Verfalls“ zu „erklären“, was vielleicht Wirkung ihm heterogener Ideale der Handelnden war, und er verfehlt so seine eigenste Aufgabe: das „Verstehen“. Das Mißverständnis erklärt sich aus zweierlei Gründen. Zunächst daraus, daß, um bei der Kunst zu bleiben, die künstlerische Wirklichkeit [B 73]außer der rein ästhetisch wertenden Betrachtung einerseits und der rein empirisch und kausal zurechnenden andrerseits noch einer dritten: der wertinterpretierenden, zugänglich ist, über deren Wesen das an anderer Stelle (s. o.)
34
Gesagte[490] Oben, S. 476.
g
hier nicht wiederholt werden soll. Über ihren Eigenwert und ihre Unentbehrlichkeit für jeden Historiker besteht nicht der mindeste Zweifel. Ebenso nicht darüber, daß der übliche Leser kunsthistorischer[490]B: gesagte
h
Darstellungen auch, und gerade diese Darbietung zu finden erwar[491]tet. Nur ist sie, auf ihre logische Struktur hin angesehen, mit der empirischen Betrachtung nicht identisch. B: kunsthistorische
Sodann aber: wer kunstgeschichtliche, noch so rein empirische, Leistungen vollbringen will, bedarf dazu der Fähigkeit, künstlerisches Produzieren zu „verstehen“, und diese ist ohne ästhetische Urteilsfähigkeit, also ohne die Fähigkeit der Bewertung, selbstverständlich nicht denkbar. Das entsprechende gilt natürlich für den politischen Historiker, literarischen Historiker, Historiker der Religion oder der Philosophie. Aber offenbar besagt das gar nichts über das logische Wesen der historischen Arbeit.
Doch davon später.
35
Hier sollte lediglich die Frage erörtert werden: in welchem Sinn man, außerhalb der ästhetischen Bewertung, von „Fortschritt“ kunstgeschichtlich sprechen könne. Es zeigte sich, daß dieser Begriff da einen technischen und rationalen, die Mittel für einen künstlerische Absicht meinenden, Sinn gewinnt, der gerade empirisch-kunstgeschichtlich in der Tat bedeutsam werden kann. Es wird nun Zeit, diesen Begriff des „rationalen“ Fortschritts auf seinem eigensten Gebiet aufzusuchen und auf seinen empirischen oder nicht empirischen Charakter hin zu betrachten. Denn das Gesagte[491] Im vorliegenden Beitrag nicht behandelt.
i
ist nur ein Sonderfall eines sehr universellen Tatbestandes. [491]B: gesagte
Die Art, wie Windelband (Gesch[ichte] der Phil[osophie] § 2, 4. Aufl. S. 8)
36
das Thema seiner „Geschichte der Philosophie“ begrenzt („der Prozeß, durch welchen die europäische Menschheit ihre Weltauffassung … in wissenschaftlichen Begriffen niedergelegt hat“)[,] bedingt für seine nach meiner Ansicht ganz glänzende Pragmatik die Verwendung eines aus dieser Kulturwertbezogenheit folgenden spezifischen „Fortschritts“-Begriffs Weber bezieht sich auf: Windelband, Geschichte der Philosophie4.
k
(dessen Konsequenzen das. S. 15,B: „Fortschritts“-Begriff
l
16 gezogen werden), der einerseitsB: 15.
m
keineswegs für jede „Geschichte“ der Philosophie selbstverständlich ist, andererseits aber bei Zugrundelegung der entsprechend gleichen Kulturwertbezogenheit nicht nur für eine Geschichte der Philosophie und auch nicht nur für jede Geschichte irgendeiner anderen Wissenschaft, sondern – anders [B 74]als Windelband (ebenda S. 7, Nr. 1, [492]Abs. 2) annimmt – für jede „Geschichte“ überhaupt zutrifft. Nachstehend indessen soll nur von jenen rationalen „Fortschritts“-Begriffen die Rede sein, welche in unsren soziologischen und ökonomischen Disziplinen eine Rolle spielen. Unser europäisch-amerikanisches Gesellschafts- und Wirtschaftsleben ist in einer spezifischen Art und in einem spezifischen Sinn „rationalisiert“. Diese Rationalisierung zu erklären und die ihr entsprechenden Begriffe zu bilden[,] ist daher eine der Hauptaufgaben unserer Disziplinen. Dabei nun erscheint wiederum das am Beispiel der Kunstgeschichte berührte, aber dort offen gelassene Problem: was die Bezeichnung eines Vorgangs als eines „rationalen Fortschritts“ denn eigentlich besagen will.B: einerseits,
d
[492] d (ab S. 485: das Kunstwollen)–d A: ganze Problematiken […] hier das spezifisch Fatale.
[[A 110]]Die
n
Verquickung von „Fortschritt“ im Sinne 1. des bloßen differenzierendenIn A geht voraus: b)
o
„Fortschreitens“, ferner 2. der fortschreitenden technischen Rationalität der Mittel, endlich 3. der WertsteigerungFehlt in A.
p
wiederholt sich auch hierA: und im Sinne 2. der Wertsteigerung
q
. Zunächst ist schon ein subjektivA: innerhalb der Sphäre des Rationalen selbst
r
„rationales“ Sichverhalten nicht mit rationalFehlt in A.
s
„richtigem“, d. h. die objektiv, nach der wissenschaftlichen Erkenntnis, richtigen Mittel verwendendem, Handeln identisch. Sondern esFehlt in A.
t
bedeutet an sich nur: daß die subjektive Absicht auf eineA: „objektiv“ richtigen Mittel verwendenden Handeln identisch, sondern
u
planvolle OrientierungA: die
a
an für richtig gehaltenen Mitteln für einen gegebenen Zweck gehe. Eine fortschreitende subjektive RationalisierungA: „Orientierung“
b
des Handelns ist alsoA: „Rationalisierung“
c
nicht notwendig auch objektivFehlt in A.
d
ein „Fortschritt“ in der Richtung auf das rational „richtige“Fehlt in A.
e
Handeln. Man hat z. B.In A folgt: (d. h. das objektiv richtige Mittel wählende)
f
die Magie ebenso systematisch „rationalisiert“ wie die Physik. Die erste ihrer eigenen Absicht nach „rationale“Fehlt in A.
g
Therapie bedeutete fast überall ein Verschmähen des Kurierens der empirischen SymptomeA: Physik, und die erste „rationale“, „wissenschaftliche“
h
mit reinA: „Symptome“
i
empirisch erprobten Kräutern und Tränken zugunsten der Austreibung der (vermeintlich) „eigentlichen“Fehlt in A.
k
(magischen, dämonischen) „Ursache“ der Erkrankung. Sie hatteA: Mitteln zugunsten der (vermeintlich) eigentlichen
l
also formal ganz die gleiche rationalereA: Erkrankung, hat
m
Struktur wie manche der [493]wichtigsten FortschritteA: rationalisiertere
n
der modernen Therapie. Aber wir werden diese magischen Priestertherapien nicht als „Fortschritt“ zum „richtigen“ Handeln gegenüber jener Empirie werten können.[493]A: „Fortschritte“
o
Und anderseits ist durchaus nicht etwa jeder „Fortschritt“ in der Richtung der Verwendung der „richtigen“ MittelFehlt in A.
p
erzielt durch ein „Fortschreiten“ im ersteren, subjektiv rationalen,A: des „richtigen“ Mittels
q
Sinne. Daß subjektiv fortschreitend rationaleres Handeln [A 111]zu objektiv „zweckmäßigerem“Fehlt in A.
r
Handeln führt, ist nurA: „zweckmäßigem“
s
eine von mehreren Möglichkeiten und ein mit (verschieden großer) WahrscheinlichkeitFehlt in A.
t
zu erwartender Vorgang.A: „Wahrscheinlichkeit“
u
Ist aber imIn A folgt: Man sagt dann: daß das „subjektive“ Verhalten dem „objektiven“ Tatbestand „entspreche“, weil es „technisch richtig“ sei.
a
Einzelfall der Satz richtig: die Maßregel x ist das (wir wollen annehmen: einzige) [B 75]Mittel für die Erreichung des Erfolges y – was eine empirische Frage ist, und zwar die einfache Umkehrung des Kausalsatzes: auf x folgt y – und wird nun dieser Satz – was ebenfalls empirisch feststellbar ist – von Menschen bewußt für die Orientierung ihres auf den Erfolg y gerichtetenA: in einem
b
Handelns verwertet, dann ist ihr Handeln „technisch richtig“ orientiertFehlt in A.
c
. Wird menschliches Verhalten (welcher Art immer) in irgendeinem Einzelpunkt in diesem Sinne technischA: so „entspricht“ ihr subjektives Verhalten den Tatsachen, und zwar weil es „technisch richtig“ ist
d
„richtiger“ als bisherFehlt in A.
e
orientiert, so liegt ein „technischerFehlt in A.
f
Fortschritt“ vor. Ob dies der Fall ist, das ist – immer natürlich: die absolute Eindeutigkeit des feststehenden Zweckes vorausgesetzt – für eine empirische Disziplin in der Tat eine mit den Mitteln der wissenschaftlichen Erfahrung zu treffende, also:A: „empirisch-technischer
g
eine empirische Feststellung. Fehlt in A.
Es gibt also in diesem Sinne, wohl gemerkt:
h
bei eindeutig gegebenem Zweck, eindeutig feststellbare Begriffe von „technischer“ Richtigkeit und vonFehlt in A.
i
„technischem“ Fortschritt in den Mitteln (wobei hier „Technik“ in einem allerweitesten Sinne als rationales SichverhaltenA: ebenso
k
überhaupt, auf allen Gebieten: auch denen der politischen, sozialen, erzieherischen, propagandistischen Menschenbehandlung und -beherrschung gemeintA: Sicherhalten
l
ist). Man kann insbesondere [494](um nur die uns naheliegenden Dinge zu berühren)A: Gebieten, gemeint
m
auf dem speziellen, gewöhnlich „Technik“ genannten Gebiet, ebenso aber[494]A, B: berühren),
n
auf dem der Handelstechnik, auchFehlt in A.
o
der RechtstechnikFehlt in A.
p
von einem „Fortschritt“In A folgt: (im Gegensatz zur Rechtspolitik)
q
annähernd eindeutig reden, wenn dabeiA: „technischen Fortschritt“
r
ein eindeutigA: einmal
s
bestimmter Status eines konkreten GebildesFehlt in A.
t
als Ausgangspunkt genommen wird. Annähernd: denn die einzelnen technisch rationalen Prinzipien geraten, wie jeder KundigeFehlt in A.
u
weiß, in Konflikte miteinander, zwischen denen ein Ausgleich zwar vom jeweiligen Standpunkt konkreter Interessenten, niemals aber „objektiv“, zu finden ist. Und es gibt, bei Annahme gegebener BedürfnisseA: jedermann
a
, bei der fernerenA: gegebenen Bedürfnissen
b
Unterstellung, daß alle diese Bedürfnisse als solche und ihre subjektive Rangeinschätzung der Kritik entzogen sein sollen, und schließlich beiFehlt in A.
c
Annahme einer fest gegebenen Art der Wirtschaftsordnung überdiesA: bei fernerer
d
– wiederum unter dem Vorbehalt, daß z. B. die Interessen an Dauer, Sicherheit und Ausgiebigkeit der Deckung dieser Bedürfnisse in Konflikt geraten können und geraten – auch „ökonomischen“ Fortschritt zu einem relativen Optimum der BedarfsdeckungA: ferner
e
bei gegebenen Möglichkeiten der Mittelbeschaffung. Aber nur unter diesen Voraussetzungen und Einschränkungen. A: Deckung derselben
[A 112]Es
f
ist nunIn A geht voraus: 5.
g
versucht worden, daraus die Möglichkeit eindeutiger und dabeiFehlt in A.
h
rein ökonomischer Wertungen abzuleiten. Ein [B 76]charakteristisches Beispiel dafür ist der s. Z.Fehlt in A.
i
von Prof. LiefmannFehlt in A.
k
herangezogene Schulfall der absichtlichen Vernichtung von unter den Selbstkostenpreis gesunkenenIn A folgt: (zuerst in der Debatte in Wien)
l
Konsumgütern im Rentabilitätsinteresse der Produzenten.Fehlt in A.
37
Diese sei als auch objektiv „volkswirtschaftlich richtig“ zu bewerten. Diese[494] Vgl. Liefmann, Diskussionsbeitrag „Über die Produktivität der Volkswirtschaft“, in: Verhandlungen VfSp 1909, S. 577–580, hier S. 579; vgl. dazu ausführlich mit Zitatwiedergabe und dem Hinweis auf Webers Kommentar während der Debatte, oben, S. 374, Anm. 38.
m
und – worauf es hier ankommt – jede ähnliche Darlegung nimmt aber eine Reihe vonA: Abgesehen von sonstigen nicht demonstrabeln Wertungen nimmt diese
n
[495]Voraussetzungen als selbstverständlich an, die es nicht sind: Zunächst: daßA: u. a. folgende
o
das Interesse des einzelnen über seinen Tod nicht nur faktisch oft[495]A: Daß
p
hinausreiche, sondern auch als darüberFehlt in A.
q
hinausreichend ein für alle Mal geltenFehlt in A.
r
solle. Ohne diese Übertragung aus dem „Sein“ in das „Sollen“ ist die betreffende angeblich rein ökonomische Wertung nicht eindeutig durchführbar. Denn ohne sieA: angesehen werden
s
kann man z. B. nicht von den Interessen der „Produzenten“ und „Konsumenten“ als von Interessen perennierender Personen reden. Daß der einzelne die Interessen seiner Erben in Betracht zieht, ist aberA: sonst
t
keine rein ökonomische Begebenheit mehr. Den lebendigen Menschen werden hier vielmehr Interessenten substituiert, welche „Kapital“ in „Betrieben“ verwerten und um dieser Betriebe willen existieren. Das ist eine für theoretische Zwecke nützliche Fiktion. Aber selbst als Fiktion paßt das nicht zu der Lage der Arbeiter. Insbesondere nicht: der kinderlosen.Fehlt in A.
u
– Zweitens ignoriert sie die Tatsache der „Klassenlage“, welche unter der Herrschaft des Marktprinzips nicht nur trotz, sondern gerade infolge der – vom Rentabilitätsstandpunkt aus gewertet jeweils möglichen – „optimalen“ Verteilung von Kapital und Arbeit auf die verschiedenen ErwerbszweigeA: Es folgt zwar aus der Pragmatik dessen, der Kapital in einem „Betrieb“ profitbringend verwertet, für diesen, weil er als „Diener“ seines eigenen Betriebes fungiert und, soll dieser ökonomisch rational geführt werden, fungieren muß. Aber es folgt z. B. durchaus nicht aus der Pragmatik der Lage der Arbeiter, insbesondere nicht der kinderlosen. Nützliche theoretische Fiktionen dürfen nicht zur Grundlage von praktischen Wertungen gemacht werden.
a
die Güterversorgung gewisser Konsumentenschichten absolut verschlechtern kann (nicht: muß). DennA: Erwerbssparten
b
jene „optimale“ Verteilung der Rentabilität, welche die Konstanz der Kapitalinvestition bedingt, ist jaA: muß), weil ja
c
ihrerseits von denFehlt in A.
d
Machtkonstellationen zwischen den Klassen abhängigFehlt in A.
e
, deren Konsequenzen die Preiskampfposition jener Schichten im konkreten Fall schwächen können (nicht: müssen). – Drittens ignoriert sie die Möglichkeit dauernder unausgleichbarer Interessengegensätze zwischen Mitgliedern verschiedener politischer Einheiten und nimmt also a prioriIn A folgt: sein kann
f
Partei für das „Freihandelsargument“Fehlt in A.
g
, welches sich aus einem höchst brauchbarenA: „Freiheitsargument“
h
heuristischen Mittel alsbald in eine gar nicht selbstverständliche „Wertung“ verwandelt, [496]sobald man an seiner Hand Postulate des Seinsollens aufstellt. Wenn sie aber etwa, um diesem Konflikt zu entgehen, die politische Einheit der Weltwirt[A 113]schaft unterstellt – was theoretisch absolut gestattet sein muß –,A: wichtigen
i
so verschiebt sich[496] Komma fehlt in B; Ergänzung nach Fassung A.
k
die unausrottbare Möglichkeit der Kritik, welche die Vernichtung jener genußfähigen Güter im Interesse des – wie hier unterstellt wer[B 77]den mag – unter den gegebenen Verhältnissen gegebenen dauernden Rentabilitätsoptimums (der Produzenten und Konsumenten) herausfordert, lediglich in ihrer Schlagweite. Die Kritik wendet sich dann nämlich gegen das gesamte Prinzip der Marktversorgung an der Hand solcher Direktiven, wie sie das in Geld ausdrückbare Rentabilitätsoptimum von tauschenden Einzelwirtschaften gibt, als solches. Eine nicht marktmäßige Organisation der Güterversorgung würde auf die durch das MarktprinzipA: sich, wenn nunmehr ökonomisch „gewertet“ wird,
l
gegebene Konstellation von Einzelwirtschaftsinteressen Rücksicht zu nehmen keinenFehlt in A.
m
Anlaß haben, daher auchA: weniger
n
nichtFehlt in A.
o
genötigt sein, jene einmal vorhandenen genußfähigen Güter dem Verbrauch zu entziehen. In A folgt: ebenso
Nur dann, wenn 1. ausschließlich dauernde Rentabilitätsinteressen konstant gedachter Personen mit konstant gedachten Bedürfnissen als leitender Zweck, – 2. die ausschließliche Herrschaft privatkapitalistischer Bedarfsversorgung durch ganz freien
p
Markttausch und: – 3.Fehlt in A.
q
eine uninteressierte Staatsmacht als bloße Rechtsgarantien als fest gegebeneA: und dabei
r
Bedingungen vorausgesetzt werden, ist die Ansicht von Prof. LiefmannA: gegebenen
38
auch nur theoretisch korrekt und dann freilich selbstverständlich[496] Vgl. dazu oben, S. 494, Anm. 37.
s
richtig. Denn die Wertung betrifft dann die rationalen Mittel zur optimalen Lösung eines technischen Einzelproblems der Güterverteilung. Die zu theoretischen Zwecken nützlichen Fiktionen der reinen Ökonomik können aber nicht zur Grundlage von praktischen Wertungen realer Tatbestände gemacht werden.A: selbst nach seinen eigenen, hier nicht zu erörternden Thesen
t
Es bleibt ebenFehlt in A.
u
dabei: daßFehlt in A.
a
die ökonomische Theorie absolut gar nichts andres aussagen kann als: daß für den gegebenen technischen ZweckIn A folgt: auch
b
x die Maßregel y [497]das allein oder das neben y1, y2 geeignete Mittel sei, daß im letztern FallA: „Zweck“
c
zwischen y, y1, y2 die und die Unterschiede der Wirkungsweise und – gegebenenfalls –[497] Fehlt in A.
d
der Rationalität bestehen, daß ihre Anwendung und alsoA: – wenn dies im Einzelfall zutreffen sollte –:
e
die Erreichung des Zweckes x dieFehlt in A.
f
„Nebenerfolge“ z, z1, z2 mit in den Kauf zu nehmen gebietetIn A folgt: und die
g
. Das alles sind einfache Umkehrungen von Kausalsätzen, und soweit sich daran „Wertungen“ knüpfen lassen,In A folgt: usw.
h
sind sie ausschließlichKomma fehlt in B; Ergänzung nach Fassung A.
i
solche des Rationalitätsgrades einer vorgestellten Handlung. Die Wertungen sind dann und nur dann eindeutig, wenn der ökonomische Zweck und die sozialen Struktur-Bedingungen fest gegeben sind und nur zwischen mehreren ökonomischenFehlt in A.
k
Mitteln zu wählen ist und wennA: Handlung, welche dann und nur dann eindeutig sind, wenn der Zweck und die allgemeinen Bedingungen gegeben und nur zwischen mehreren
l
diese überdies ausschließlichFehlt in A.
m
in bezug auf die Sicherheit, Schnelligkeit undA: in ausnahmslos jeder anderen Hinsicht als
n
quantitative Ergiebigkeit des Erfolges verschieden, in jeder anderen für menschliche Interessen möglicherweise wichtigen Hinsicht aber völlig identisch funktionierenA: Schnelligkeit,
o
. Nur dann ist das eine Mittel wirklich bedingungslos als das „technisch richtigste“A: völlig identisch sind
p
auch zu [B 78]werten und ist diese Wertung eindeutig. In jedem andern, also in jedem nicht rein technischen Fall hört die Wertung auf, eindeutig zu sein[,] und greifen Wertungen mit ein, welche nicht mehr rein ökonomisch bestimmbar sind.A: „richtigste“
q
A: nicht bloß als, unter Abstraktion von sonst möglichen Unterscheidungen, den (genau zu be[A 114]zeichnenden) Voraussetzungen nach in bestimmten einzelnen Beziehungen „rational richtiger“ zu bezeichnen.
[[A 114]]Aber mit Feststellung der
r
Eindeutigkeit der technischen Wertung innerhalb der rein ökonomischen Sphäre wäre eine Eindeutigkeit der endgültigen „Wertung“ natürlichA: auch damit wäre eine endgültige
s
nicht erzielt. Vielmehr begänne nunA: der „Wertung“ natürlich bei weitem
t
jenseits dieser Erörterungen erst das Gewirr der unendlichen, nur durchFehlt in A.
u
Rückführung auf letzte Axiome zu bewältigendenIn A folgt: konstruktive
a
Mannigfaltigkeit möglicher Wertungen. Denn – um nur eins zu erwähnen –A, B: bewältigende
b
hinter der „Handlung“ steht: der Mensch. Für ihn kann die SteigerungFehlt in A.
c
der subjektiven Rationalität und objek[498]tiv-technischenA: das Steigern
d
„Richtigkeit“ des Handelns als solche[498]A: technischen
e
über eine gewisse Schwelle hinaus – ja, von gewissen Anschauungen aus: ganz generell – als eine Gefährdung wichtiger (z. B. ethisch oder religiös wichtiger) Güter gelten. Die buddhistische (Maximal-)Ethik z. B., die jede Zweckhandlung schon deshalb, weil sie Zweckhandlung ist, als von der Erlösung abführend verwirft, wird schwerlich jemand von uns teilen. Aber sie zu „widerlegen“, in dem Sinn wie ein falsches Rechenexempel oder eine irrige medizinische Diagnose, istA: solches
f
schlechthin unmöglich. Auch ohne so extremeA: scheint mir
g
Beispiele heranzuziehen aber ist es leicht einzusehenA: radikale
h
: daß noch so zweifellos „technisch richtige“ ökonomische RationalisierungenA: ja gerade die einzige wirklich gemeinsam gewesene und gebliebene Überzeugung der im Verein für Sozialpolitik vereinigten Sozialpolitiker
i
durch diese ihre Qualität allein noch in keiner ArtA: Erscheinungen
k
vor dem Forum der Bewertung legitimiert seien. Das gilt für ausnahmslos alle Rationalisierungen, einschließlich scheinbar so rein technischer Gebiete wieA: nicht
l
etwa des BankwesensA: derjenigen
m
. Diejenigen, welche solchen RationalisierungenA: Bankwesens, von denen in Wien auch die Rede war
n
opponieren, sind durchausA: ihnen
o
nicht notwendig Narren. Überall muß vielmehrFehlt in A.
p
, wenn man einmal werten will, der Einfluß der technischenFehlt in A.
q
Rationalisierungen auf Verschiebungen der gesamten äußeren und inneren LebensbedingungenA: solcher
r
mit in Betracht gezogen werden. Überall und ausnahmslos haftet der in unsren Disziplinen legitime Fortschrittsbegriff am „Technischen“, das soll hier, wie gesagt, heißen: am „Mittel“ für einen eindeutig gegebenen Zweck. Nie erhebt er sich in die Sphäre der „letzten“ Wertungen.A: auch der Klassenlage u. dgl.
s
[[A 115]]Ich halte nach allem GesagtenA: Selbstverständlich ist auf der anderen Seite freilich auch – was oft vergessen wird – daß man, wenn man einmal „werten“ will, unter gegebenen Bedingungen auch entschieden für eine Politik eintreten kann, welche im gegebenen Einzelfall scheinbar lediglich Rentabilitätsinteressen oder, allgemein gesprochen, die ökonomische ratio des Gütermarktes zur Richtschnur nimmt. Aus ganz anderen Gründen als weil man etwa keine anderen Maßstäbe der Bewertung kennte. Z. B. je nach den Umständen im politischen Machtinteresse der eigenen Nation. Unter allen jenen Phrasen z. B., denen die Deutschen je zum Opfer fielen, war die dreisteste das Gerede vom „Schutz der nationalen Arbeit“ in Fällen, wo es sich um Schutz von Renteninteressen handelte und einer der Effekte der jener Phrase ent[A 115]sprechenden Handelspolitik die Bevölkerung Deutschlands mit weit mehr als einer Million von Ausländern gewesen ist. –
t
die Verwendung des Ausdrucks „Fortschritt“ selbstFehlt in A.
u
auf dem begrenzten Gebiet seiner empirisch [499]unbedenklichen Anwendbarkeit:A: auch
a
für sehr inopportun. Aber Ausdrücke läßt sich niemand verbieten, und man kann schließlich[499]A: Bewertbarkeit: fortschreitende Differenzierung in der irrationalen Sphäre und fortschreitende Rationalisierung in der technisch-rationalen Sphäre, wegen der äußerst naheliegenden Mißverständnisse,
b
die möglichen Mißverständnisse vermeiden.In A folgt: ja
c
In A folgt ein Gedankenstrich.
[B 79]Es bleibt, ehe wir abschließen, noch eine letzte Problemgruppe über die Stellung des Rationalen innerhalb empirischer Disziplinen zu erörtern.
d
A: Es seien schließlich noch einige, die Frage der „praktischen“ Wertungen nicht mehr betreffende Bemerkungen über die Beziehungen des Empirischen zum normativ „Gültigen“ beigefügt.
Wenn das normativ Gültige Objekt empirischer Untersuchung wird, so verliert es, als Objekt, den Norm-Charakter: es wird als „seiend“, nicht als „gültig“, behandelt.
e
Beispielsweise: Wenn eine Statistik die Zahl der „Rechenfehler“ innerhalb einer bestimmten Sphäre berufsmäßigen RechnensA: 6. Empirische Disziplinen bedürfen in bestimmten Fällen für ihre Zwecke anderer als nur „empirischer“ Feststellungen als Hilfsmittel. (Ich muß auch hier für alles Nähere auf die früher zitierten Aufsätze verweisen.) Nicht immer und nicht in dem Sinne ist dies der Fall, wo und wie es zuweilen den Anschein hat.
f
feststellen wollte,A: Sphäre, in welcher berufsmäßig gerechnet wird,
g
– was recht wohl wissenschaftlichen Sinn haben könnte –, so würdenKomma fehlt in A.
h
für sie die Grundsätze des Einmaleins in zweierlei gänzlich verschiedenem Sinn „gelten“A: „gelten“
i
. Einmal ist ihre normative Gültigkeit natürlichFehlt in A.
k
absolute Voraussetzung ihrer eigenen rechnerischen Arbeit. Das andere Mal aber, wo der Grad der „richtigen“Fehlt in A.
l
Anwendung des Einmaleins als Objekt der Untersuchung in Frage kommt, steht es, rein logisch angesehen, durchaus anders. Hier wird die Anwendung des Einmaleins von seiten jener Personen, deren Rechnungen Gegenstand der statistischen Prüfung sind, als eine ihnenFehlt in A.
m
durch ErziehungA: wird die Anwendung dieses letzteren als eine konventionell und
n
gewohnt gewordene faktische Maxime des Sichverhaltens behandelt, deren tatsächliche Anwendung auf ihreIn A folgt: uns beigebrachte und
o
Häufigkeit hinA: statistische
p
festgestellt werden soll, ganz ebenso wie etwaFehlt in A.
q
bestimmte Irrsinnserscheinungen das Objekt einer statistischenFehlt in A.
r
Feststellung sein können. Daß das Einmaleins normativ „gelte“, d. h. „richtig“ sei, ist in diesem Fall, wo seine Anwendung „Objekt“ [500]ist,A: solchen
s
gar kein Gegenstand der Erörterung und logisch vollkommen gleichgültig. Der[500] In A folgt: im logischen Sinne
t
Statistiker mußA: Erörterung. Nach dem Einmaleins zu rechnen wird vielmehr als eine rein konventionelle Gepflogenheit behandelt, welcher der hier vorausgesetzte
u
bei der statistischen Nachprüfung der RechnungenFehlt in A.
a
der Untersuchungspersonen sich auch seinerseits natürlich dieser Konvention, „nach dem Einmaleins“ nachzurechnen, fügen. Aber er müßte ja ganz ebenso auch ein, normativ gewertet,A: „Rechnungen“
b
„falsches“ Rechenverfahren anwendenA: „fügen“ muß – ebenso wie er ein normativ
c
, falls etwa ein solches einmal in einer Menschengruppe für „richtig“ gehalten worden wäre und wenn er dann die Häufigkeit von dessen tatsächlicher, vom Standpunkt jener Gruppe aus „richtiger“, Anwendung statistisch zu untersuchen hätte. Für jede empirische, soziologische oder historische Betrachtung ist unser Einmaleins also, wo es als Objekt der Untersuchung auftritt, eine konventionell in einem Menschenkreise geltende und in mehr oder minder großer Annäherung befolgte Maxime des praktischen Verhaltens und nichts anderes.A: zeitweise anwenden müßte
d
[[A 116]]Jede Darstellung der pythagoreischen Musiklehre muß die – für unser WissenA: historisch vertreten worden wäre und nun die Häufigkeit von dessen empirischer Anwendung statistisch unter[A 116]sucht werden sollte. Eine im Mittelalter gelegentlich vertretene Annahme über das Verhältnis des Papstes zum Kaiser (Sonne und Mond) beruht z. B. auf der Voraussetzung, daß 8 × 7 nicht wie wir heute annehmen = 56, sondern = 57 sei. Jede Wiedergabe des Trinitätsdogmas muß eine – für unsere Annahme – rechnerische Absurdität hinnehmen und die „logischen“ Konsequenzen, welche daraus folgen, darlegen.
e
– „falsche“ Rechnung zunächst einmal hinnehmen: daß 12 Quinten = 7 Oktaven seien.A: Rechnen
39
Jede Geschichte der Logik ebenso die historische Existenz von (für uns)[500] Zur pythagoreischen Musiklehre vgl. die Erläuterung, oben, S. 377, Anm. 43.
f
widerspruchsvollenA: – für uns – logisch
g
logischen Aufstellungen – und es [B 80]ist menschlich begreiflich – gehörenIn A folgt: oder direkt „absurden“
h
aber nicht mehr zur wissenschaftlichen Leistung, wenn man solche „Absurditäten“ mit derartigenA, B: begreiflich, gehört
i
Explosionen des Zorns begleitet, wie ein ganz besonders verdienstlicher Historiker der mittelalterlichen Logik es getan hat.A: solchen
40
Weber könnte sich hier beziehen auf: Prantl, Carl, Geschichte der Logik im Abendlande. Vierter Band. – Leipzig: S. Hirzel 1870; ausführlicher dazu oben, S. 377, Anm. 44.
k
In A folgt: Der Tatsache nach werden aber in solchen Fällen empirische Feststellungen mit nicht rein empirischen Mitteln erreicht. Das führt nun weiter:
[501]Diese Metamorphose normativ gültiger Wahrheiten in konventionell geltende Meinungen, welcher sämtliche geistigen Gebilde, auch logische oder mathematische Gedanken, unterliegen, sobald sie Objekte einer auf ihr empirisches Sein, nicht ihren (normativ) richtigen Sinn reflektierenden Betrachtung werden, besteht durchaus unabhängig von dem Tatbestand, daß die normative Geltung logischer und mathematischer Wahrheiten andererseits das Apriori aller und jeder empirischen Wissenschaft ist. – Weniger einfach ist ihre logische Struktur bei einer schon oben
41
berührten Funktion, die ihnen bei der empirischen Untersuchung geistiger Zusammenhänge zukommt und die von jenen beiden: der Stellung als Objekt der Untersuchung und der Stellung als deren Apriori[,] wiederum sorgfältig zu scheiden ist. Jede Wissenschaft von geistigen oder gesellschaftlichen Zusammenhängen ist eine Wissenschaft vom menschlichen Sichverhalten (wobei in diesem Fall jeder geistige Denkakt und jeder psychische Habitus mit unter diesen Begriff fällt). Sie will dies Sichverhalten „verstehen“ und kraft dessen seinen Ablauf „erklärend deuten“. Nun kann hier der schwierige Begriff des „Verstehens“ nicht abgehandelt werden. Uns interessiert in diesem Zusammenhang nur eine besondere Art davon: die „rationale“ Deutung. Wir „verstehen“ es offenbar ohne weiteres, daß ein Denker ein bestimmtes „Problem“ so „löst“, wie wir selbst es für normativ „richtig“ halten, daß ein Mensch z. B. „richtig“ rechnet, daß er für einen beabsichtigten Zweck die – nach unserer eignen Einsicht – „richtigen“ Mittel anwendet. Und unser Verständnis für diese Vorgänge ist deshalb so besonders evident, weil es sich eben um die Realisation von objektiv „Gültigem“ handelt. Und dennoch muß man sich hüten zu glauben, in diesem Fall erscheine das normativ Richtige, logisch angesehen, in der gleichen Struktur wie in seiner allgemeinen Stellung als das Apriori aller wissenschaftlichen Untersuchung. Vielmehr ist seine Funktion als Mittel des „Verstehens“ genau die gleiche, wie sie das rein psychologische „Einfühlen“ in logisch irrationale Gefühls- und Affekt-Zusammenhänge da versieht, wo es sich um deren verstehende Erkenntnis handelt. Nicht die normative Richtigkeit, sondern [502]einerseits die konventionellen Gepflogenheiten des Forschers und Lehrers, so und nicht anders zu denken, andererseits aber auch erforderlichenfalls seine [B 81]Fähigkeit, sich in ein davon abweichendes, ihm, nach seinen Gepflogenheiten, als normativ „falsch“ erscheinendes Denken verstehend „einfühlen“ zu können, ist hier das Mittel der vorstehenden Erklärung. Schon daß das „falsche“ Denken, der „Irrtum“, dem Verständnis im Prinzip ganz ebenso zugänglich ist, wie das „richtige“, beweist ja, daß das als normativ „richtig“ Geltende hier nicht als solches, sondern nur als ein besonders leicht verständlicher konventioneller Typus in Betracht kommt. Und das führt nun zu einer letzten Feststellung über die Rolle des normativ Richtigen innerhalb der soziologischen Erkenntnis.[501] Oben, S. 499 f.
l
[501]Fehlt in A.
Schon um eine „falsche“ Rechnung oder logische Feststellung zu „verstehen“ und ihren Einfluß in denjenigen faktischen Konsequenzen, welche sie gehabt hat, feststellen und darlegen zu können, wird man offenbar nicht nur selbstverständlich seinerseits sie „richtig“ rechnend bzw. logisch denkend nachprüfen, sondern auch gerade denjenigen Punkt
m
mit den Mitteln des „richtigen“ Rechnens bzw. der „richtigen“ Logik ausdrücklich bezeichnen müssenA: denjenigen Punkt
n
, an welchem die untersuchte Rechnung oder logische Aufstellung von dem, was der darstellende Schriftsteller seinerseits als normativFehlt in A.
o
„richtig“ ansieht, abweichtFehlt in A.
p
. Nicht notwendig nur zu dem praktisch-pädagogischen Zweck, den z. B. Windelband in der Einleitung zu seiner Geschichte der Philosophie in den Vordergrund stellt („Warnungstafeln“ vor „Holzwegen“ aufzusteilen),A: abweicht
42
der doch[502] Das von Weber angeführte Zitat findet sich nicht an der angegebenen Stelle, sondern in: Windelband, Wilhelm, Geschichte der Philosophie, in: ders. (Hg.), Die Philosophie im Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Festschrift für Kuno Fischer. – Heidelberg: Winter 1905, S. 175–199, hier S. 179; ausführlicher dazu oben, S. 378, Anm. 45.
q
nur einen erwünschten Nebenerfolg der historischen ArbeitFehlt in A.
r
bedeutet. Und auch nicht, weil jeder geschichtlichen Problematik, zu deren Objekt irgendwelche logische oder mathematische oder andere wissenschaftliche Erkenntnisse gehörenFehlt in A.
s
, unvermeidlich nur der von uns als gültig anerkannteA: der objektiv die Logik (oder das Rechnen) gehörte
t
„Wahrheitswert“ – und also der [503]„Fortschritt“ in der Richtung auf diesen – als einzig mögliche, für die Auslese maßgebende letzteFehlt in A.
a
Wertbeziehung zugrunde liegen könnte. (Obwohl selbst dann, wenn dies tatsächlich der Fall wäre,[503]A: leitende
b
trotzdemA: müßte, – wobei übrigens
c
der gerade von WindelbandIn A folgt: natürlich
d
so oft festgestellte Sachverhalt zu beachten bliebe: daß der „Fortschritt“ in diesem Sinne sehr oft statt des direkten Weges den – ökonomisch ausgedrückt – „ergiebigen Produktionsumweg“ über „Irrtümer“: Problemverschlingungen,A: Windelband, in anderer Formulierung,
e
eingeschlagen hat.)A: „Irrtümer“
f
Klammer fehlt in A.
43
Sondern deshalb, weil (und also[503] Der Ausdruck „Problemverschlingung“ findet sich bei Windelband, Geschichte der Philosophie4, S. 11–13. Es sei ein Problem der systematischen Geschichte der Philosophie, daß „Fragen, die an sich nichts miteinander zu tun haben, vermischt und in ihrer Lösung unabhängig voneinander gemacht werden“.
g
[A 117]auch nur soweit, als) diejenigen Stellen, an welchen das als Objekt untersuchte geistige Gedankenbilde von demjenigen abweicht, welchesA: deshalb
h
der Schriftsteller selbst für „richtig“ halten muß, regelmäßig zu den in seinen Augen ihmA: die dargestellte geistige Konzeption – um diesen möglichst farblosen Ausdruck zu gebrauchen, – von derjenigen abweicht, welche
i
spezifisch „charakteristischen“, d. h. zu den, von ihm aus gesehen, entweder direkt wertbezogenenA: ihr
k
oder kausal unter dem Gesichtspunkt andrer wertbezogenerA: „wertbezogenen“
l
Sach[B 82]verhalte wichtigen gehören werdenA: „wertbezogener“
m
. Das wird nun allerdingsA: werde
n
normalerweise um so mehr der Fall sein, je mehr der WahrheitswertFehlt in A.
o
von Gedanken der leitende Wert einer historischen Darstellung ist, also namentlich bei einer Geschichte einer bestimmten „Wissenschaft“ (etwa der Philosophie oderA: „Wahrheitswert“
p
der theoretischen Nationalökonomie). Aber es ist keineswegs notwendig nur dann der Fall. Sondern esFehlt in A; B: der Philosophie, oder
q
tritt ein wenigstens ähnlicher Sachverhalt überallA: Es
r
da ein, wo ein subjektiv, der Absicht nach, rationalesA: auch
s
Handeln überhaupt den Gegenstand einer Darstellung bildet, und wo also „Denk“- oder „Rechen-Fehler“ kausale Komponenten des Ablaufes des Handelns bilden können. Um z. B. die Führung eines KriegesA: „rationales“
t
zu „verstehen“, muß unvermeidlich – wenn auch nicht notwendig ausdrücklich oder in ausgeführter Form – beiderseitsA: des Krieges von 1866
u
[504]ein idealerFehlt in A.
a
Feldherr vorgestellt werden, dem die Gesamtsituation und Dislokation der beiderseitigen militärischen Machtmittel und die sämtlichen daraus sich ergebenden Möglichkeiten, das in concreto[504]A: „idealer“
b
eindeutige Ziel: Zertrümmerung der gegnerischen Militärmacht, zu erreichen, bekannt und stets gegenwärtig gewesen wärenA: concreto, wenigstens rein militärisch betrachtet,
c
, und der auf Grund dieser Kenntnis“A: sind
d
irrtumslos und auch logisch „fehlerfrei“ gehandelt hätteFehlt in A.
e
. Denn nurA: handelt
f
dann kann eindeutig festgestellt werden, welchen kausalen Einfluß der Umstand, daß die wirklichen FeldherrnA: Nur
g
weder jeneA: der wirkliche Feldherr
h
Kenntnis noch diese Irrtumlosigkeit besaßen und daß sieA: diese
i
überhaupt keine bloß rationalen Denkmaschinen warenA: besaß und
k
, auf den Gang der Dinge gehabt hat. Die rationale Konstruktion hat alsoA: rationale Denkmaschine war
l
hier den Wert, als Mittel richtiger kausaler „Zurechnung“ zu fungieren. Ganz den gleichen Sinn haben nunFehlt in A.
m
diejenigen utopischen Konstruktionen streng und irrtumslos rationalen Handelns, welche die „reine“ ökonomische Theorie schafft. Fehlt in A.
Zum Zweck der kausalen Zurechnung empirischer Vorgänge
n
bedürfen wir ebenIn A folgt: also
o
rationaler, je nachdemFehlt in A.
p
empirisch-technischer oder auch logischer KonstruktionenA: jenachdem
q
, welche auf die Frage antworten: wie bei absoluter rationaler, empirischer und logischer „Richtigkeit“ und „Widerspruchslosigkeit“A: „Utopien“
r
ein Sachverhalt, möge er einen äußeren Zusammenhang des HandelnsIn A folgt ein Komma.
s
oder etwa ein Gedankengebilde (z. B. ein philosophisches System) darstellenA: Handels
t
, aussehen (oder ausgesehen haben) würde. [A 118]LogischA: sein
u
betrachtet, ist nun aberA: Aber, logisch
a
die Konstruktion einer rational „richtigen“ solchenFehlt in A.
b
Utopie dabei nur eine der verschiedenen möglichen Gestaltungen eines „Idealtypus“Fehlt in A.
c
– wie ich (in einer mir für jeden anderen Ausdruck feilen Terminologie) solche Begriffsbildungen genannt habe. Denn nicht nurIn A folgt ein Komma.
d
lassen sich, wie gesagt,A: Es
e
Fehlt in A.
44
Fälle denken, wo[504] Weber verweist auf seinen Aufsatz: Weber, Objektivität, bes. S. 69, 77.
f
als Idealtypus geradeIn A folgt: etwa
g
ein in charakteristischer Art falschesFehlt in A.
h
Schluß[505]verfahren oder ein bestimmtes typisch [B 83]zweckwidriges VerhaltenA: logisch falsches
i
einen besseren Dienst tun könnte. Sondern[505] In A folgt: den gleichen oder selbst
k
es gibt vor allem ganze Sphären des Verhaltens (die Sphäre des „Irrationalen“), wo nicht das Maximum von logischer Rationalität, sondern lediglich die durch isolierende Abstraktion gewonnene Eindeutigkeit jenen Dienst am besten leistetA: könne, und
l
. Faktisch zwarA: leisten kann
m
verwendet der Forscher besonders häufigA: also
n
normativ „richtig“ konstruierte „Idealtypen“. Logisch betrachtet aber ist gerade dies: die normative „Richtigkeit“ dieser TypenA: überempirisch, insbesondere – in den gewählten Beispielen –
o
, kein Essentiale. Sondern esA: „Geltung“
p
kann ein Forscher, um z. B.A: Ebenso
q
eine spezifische Art von typischerFehlt in A.
r
Gesinnung der Menschen einer EpocheFehlt in A.
s
zu charakterisieren, sowohl einen ihm persönlich ethisch normgemäßA: (eine „Epoche“)
t
und in diesem Sinn objektiv „richtig“, wie einen ihm ethisch durchausA: „normgemäß“
u
normwidrig erscheinenden Typus von Gesinnung konstruieren und dannFehlt in A.
a
das Verhalten der zu untersuchendenFehlt in A.
b
MenschenFehlt in A.
c
damit vergleichen,In A folgt: (jener Epoche)
d
oder endlich auchKomma fehlt in A.
e
einen Gesinnungstypus, für den er persönlichFehlt in A.
f
gar kein positives oder negatives Prädikat irgendeinerFehlt in A.
g
Art in Anspruch nimmt. Das normativA: keine normative Dignität irgend einer
h
„Richtige“ hat für diesen Zweck alsoFehlt in A.
i
keinerlei Monopol. Denn welchen Inhalt immerA: da
j
der rationale Idealtypus hat: ob er eine ethische, rechtsdogmatische, ästhetische oder religiöse Glaubensnorm oder eine technische oder ökonomische oder eine rechtspolitische oder sozialpolitische oder kulturpolitische Maxime oder eine in eine möglichst rationale Form gebrachte „Wertung“ welcher Art immer darstellt, stets hat seine Konstruktion innerhalb empirischer Untersuchungen nur den Zweck:A: Welchen Inhalt überhaupt
k
die empirische Wirklichkeit mit ihm zu „vergleichen“, ihren Kontrast oder ihren Abstand von ihm oder ihre relative Annäherung an ihn festzustellen, um sie so mit möglichst eindeutig verständlichen BegriffenA: den Zweck,
l
beschreiben und kausal zurechnend verstehen undA: möglichst eindeutigen Begriffen
m
erklären zu können. Diese Funktionen versieht die rationale rechtsdogmatische Begriffsbildung z. B. für die empirische Disziplin der Rechts[506]geschichte (vgl. dazuFehlt in A.
n
Archiv f. Sozialwissensch[aft] Bd. XXIV S. 132 f.)[506]A: cf.
45
und[506] Gemeint ist: Weber, Stammlers Überwindung.
o
die rationale Kalkulationslehre für die Analyse des realen Verhaltens der Einzelwirtschaften in der Erwerbswirtschaft. Beide eben genannten dogmatischenA: 132 f.), ; B: 132 f.), und
p
Disziplinen haben nun natürlich außerdem noch als „Kunstlehren“ eminente normativ-praktische Zwecke. Und beide Disziplinen sind in dieser ihrer EigenschaftFehlt in A.
q
, als dogmatische Wissenschaften, ebensowenig empirische Disziplinen im hier erörterten [A 119]SinnFehlt in A.
46
wie etwa Mathematik, Logik, normative Ethik, Ästhetik, von denen sie im übrigen aus anderen Gründen so völlig verschieden sind wie diese untereinander es auch sind. Weber bezieht sich auf seinen Aufsatz: Weber, Objektivität, S. 64 ff.
r
Kein Absatz in A.
Die ökonomische Theorie endlich
s
ist offensichtlichFehlt in A.
t
eine DogmatikFehlt in A.
u
[B 84]in einem logisch sehr anderen Sinn als etwaA: „Dogmatik“
a
die Rechtsdogmatik. Ihre Begriffe verhalten sich zur ökonomischen Realität spezifisch anders als diejenigen der Rechtsdogmatik zur Realität des Objekts der empirischen Rechtsgeschichte und Rechtssoziologie. Aber wie die dogmatischen RechtsbegriffeFehlt in A.
b
als „Idealtypen“ für die letzterenA: Rechtsdogmatik; sie gebiert keinerlei praktische „Kunstlehre“ aus sich; ihre Begriffe verhalten sich zur ökonomischen Realität spezifisch anders als diejenigen der Rechtsdogmatik zur empirischen Rechtsgeschichte. Aber wie jene
c
verwertet werden können und müssen, so ist diese Art der Verwendung für die Erkenntnis der sozialen Wirklichkeit der Gegenwart und VergangenheitA: letztere
d
der geradezu ausschließliche Sinn der reinen ökonomischen Theorie.Fehlt in A.
e
Sie macht bestimmte, in der Realität kaum jemals rein erfüllte, aber in verschieden starker Annäherung an sie anzutreffendeA: „Theorie“. In A folgt ein Absatz.
f
Voraussetzungen und fragt: wie sich das soziale Handeln von Menschen, wenn es strikt rational verliefe, unter diesen Voraussetzungen gestalten würde. Sie unterstelltA: in ihr angetroffenen
g
insbesondere das Walten rein ökonomischer [507]Interessen und schaltet also den Einfluß machtpolitischer ebenso wie anderer außerökonomischer Orientierungen des Handelns aus. g–g (bis S. 512: Zukunft ankommen. –) A: Nicht nur die Nationalökonomie, sondern jede soziologische empirische Betrachtung bedarf solcher rationaler Konstruktionen, um der Mannigfaltigkeit des Empirischen überhaupt Herr zu werden. Ich verweise auf das früher (Archiv f. Sozialwissensch[aft] Bd. XIX S. 64 ff.) Gesagte und füge nur hinzu: die jenige besondere Art des Betriebes der Soziologie („verstehende Soziologie“), als deren „Spezialfall“ (mit einigen Vorbehalten) die systematische Nationalökonomie betrachtet[507]werden darf, ist eine Wissenschaft vom menschlichen Handeln. Menschliches Handeln ist dabei ein (subjektiv) „sinnhaftes“ auf „Objekte“, ausschließlich innere (wie z. B. bei der Kontemplation) oder, beim „aktiven“ Handeln, äußere Objekte (Dinge oder Menschen) bezogenes Sichverhalten. „Gemeinschaftshandeln“ ist (für diese besondere Art von Soziologie) ein auf das Handeln Anderer seinem (subjektiv gemeinten) „Sinn“ nach bezogenes Handeln. Ein wichtiger Spezialfall des so definierten „Handelns“ ist nun das „rational“, d. h. unter (subjektiver) Orientierung an „Mittel“ und „Zweck“, auf die Außenwelt bezogene, innerhalb des Gemeinschaftshandelns also: auf das Handeln Anderer bezogene, Handeln. Nicht jedes ökonomisch rationale Handeln ist „Gemeinschaftshandeln“. Aber z. B. das rationale Handeln auf dem Markt, wie es die rationale Preisbildungstheorie konstruiert, ist ein solches. Innerhalb des (subjektiv) sinnhaft auf das Handeln Anderer bezogenen Handelns, des Gemeinschaftshandelns also, wird nun das rationale Handeln von der Theorie deshalb als „Idealtypus“ gebraucht, weil es besonders eindeutig und ohne alle „psychologische“ Erörterungen konstruierbar ist. Und – was hier nicht näher aus[A 120]geführt werden kann- auch soweit im übrigen die empirische Erkenntnis der ökonomischen Realitäten „psychologische“ Einsichten verwertet, haben diese, weitaus dem Schwerpunkt nach, den Charakter der „psychologia [A: „psychologie] rationalis“ (also einer in Wahrheit unpsychologischen Erkenntnis), und der Rest gehört dem Typus der neuerdings sogenannten „verstehenden“ Psychologie an. Denn die Nationalökonomie, speziell auch die historische, ist eine menschliches Handeln in seinen Motiven und Konsequenzen „verstehende“ Wissenschaft, eben daher intim verknüpft mit der „verstehenden Soziologie“. – Auch noch diese methodischen Sachverhalte im Ausschuß nebenher mitzuerörtern, würde aber doch wohl kaum möglich sein, obwohl gerade erst sie die logischen Probleme klarstellen. Es herrscht zurzeit in unserer Disziplin so etwas wie eine methodologische Pestilenz. Fast kein noch so rein empirischer Aufsatz kann geschrieben werden, ohne daß der Autor sozusagen um seiner Reputation willen, „methodologische“ Bemerkungen dazu für nötig hält. Das kann sehr leicht zu dem Zustand des „Fluchs der Kröte“ führen. Man kann gehen, ohne die Anatomie seiner Beine zu kennen. Nur wenn etwas nicht in Ordnung ist, kommt diese für das Gehen praktisch in Betracht. – Ich nehme also an, daß man sich auf das einfache zur Diskussion gestellte Problem der allgemeinen Beziehung von praktischer Wertung und empirischer Wissenschaft beschränken wird, wollte die große Komplikation der näheren Beziehungen zwischen dem Rationalen und dem Empirischen hier nur angedeutet haben und verweise auf den gleichzeitig erscheinenden Aufsatz im „Logos“.
Nun vollzog sich aber an ihr der typische Hergang der „Problemverschlingung“.
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Denn diese, in diesem Sinn, „staatsfreie“, „moralfreie“, „individualistische“ reine Theorie, welche als methodisches Hilfsmittel unentbehrlich war und immer sein wird, faßte die radikale Freihandelsschule[507] Zum Begriff „Problemverschlingung“ vgl. oben, S. 503, Anm. 43.
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als ein erschöpfendes Abbild [508]der „natürlichen“, d. h. der nicht durch menschliche Torheit verfälschten, Wirklichkeit, darüber hinaus aber und auf Grund dessen als ein „Sollen“ auf: als ein in der Wertsphäre geltendes Ideal statt als einen für die empirische Erforschung des Seienden brauchbaren Idealtypus. Als infolge wirtschafts- und sozialpolitischer Änderungen der Einschätzung des Staats der Rückschlag in der Wertungssphäre eintrat, griff er seinerseits alsbald auf die Seinssphäre über und verwarf die rein ökonomische Theorie nicht nur als Ausdruck eines Ideals – als welches zu gelten sie nie hätte Diese auf Adam Smith zurückgehende klassische Wirtschaftslehre besagt, daß unter der Voraussetzung eines von staatlicher Regulierung freien Marktes die Arbeit aller den Wohlstand des Gemeinwesens schafft. Das Selbstinteresse des Menschen, seine Lage zu verbessern, diene als treibende Wirtschaftskraft zugleich dem Allgemeinwohl.
h
beanspruchen dürfen –[,] sondern auch als methodischen Weg zur Erforschung des Tatsächlichen. „Philosophische“ Erwägungen der verschiedensten Art sollten die rationale Pragmatik ersetzen, und bei der Identifizierung des „psychologisch“ Seienden mit dem ethisch Geltenden wurde eine reinliche Scheidung der Wertungssphäre von der empirischen Arbeit undurchführbar. Die außerordentlichen Leistungen der Träger dieser wissenschaftlichen Entwicklung auf historischem, soziologischem, sozialpolitischem Gebiet sind ebenso allgemein anerkannt, wie für den unbefangen Urteilenden der Jahrzehnte dauernde völlige Verfall der theoretischen und der streng wirtschaftswissenschaftlichen Arbeit überhaupt als naturgemäße Folge jener Problemvermischung zutage liegt. Die [B 85]eine der beiden Hauptthesen, mit welchen die Gegner der reinen Theorie arbeiteten, war: daß die rationalen Konstruktionen dieser „reine Fiktionen“ seien, welche über die Realität der Tatsachen nichts aussagten. Richtig verstanden, trifft diese Behauptung zu. Denn die theoretischen Konstruktionen stehen durchaus nur im Dienst der von ihnen selbst keineswegs gelieferten Erkenntnis der Realitäten, welche, infolge der Mitwirkung anderer, in ihren Voraussetzungen nicht enthaltener, Umstände und Motivenreihen, selbst im äußersten Fall nur Annäherungen an den konstruierten Verlauf enthalten. Das beweist freilich, nach dem Gesagten, nicht das Mindeste gegen die Brauchbarkeit und Notwendigkeit der reinen Theorie. Die zweite These war: daß es jedenfalls eine wertungsfreie Lehre von der Wirtschaftspolitik als Wissenschaft nicht geben könne. Sie ist natürlich grundfalsch, so falsch, daß gerade die „Wertungsfreiheit“ – im vorstehend vertretenen Sinn – die Voraussetzung jeder rein wissenschaftlichen Behandlung der Politik, ins[509]besondere der Sozial- und Wirtschaftspolitik, ist. Daß es selbstverständlich möglich, wissenschaftlich nützlich und nötig ist, Sätze zu entwickeln von dem Typus: für die Erreichung des (wirtschaftspolitischen) Erfolgs x ist y das einzige oder sind, unter den Bedingungen b1, b2, b3, y1, y2, y3[508]B: hätten
i
die einzigen oder die erfolgreichsten Mittel, bedarf wohl nicht der Wiederholung. Und nur daran sei nachdrücklich erinnert, daß das Problem in der Möglichkeit absoluter Eindeutigkeit der Bezeichnung des Erstrebten besteht. Liegt diese vor, dann handelt es sich um einfache Umkehrung von Kausalsätzen und also um ein rein „technisches“ Problem. Eben deshalb liegt aber auch in all diesen Fällen gar kein Zwang für die Wissenschaft vor, diese technischen teleologischen Sätze nicht als einfache Kausalsätze, also in der Form zu fassen: auf y folgt stets bzw. auf y1, y2, y3 folgt unter den Bedingungen b1, b2, b3, der Erfolg x. Denn das besagt genau dasselbe, und die „Rezepte“ kann sich der „Praktiker“ daraus unschwer entnehmen. Aber die wissenschaftliche Lehre von der Wirtschaft hat denn doch neben der Ermittlung rein idealtypischer Formeln einerseits und andrerseits der Feststellung solcher kausalen wirtschaftlichen Einzelzusammenhänge – denn um solche handelt es sich ausnahmslos, wenn „x“ hinlänglich eindeutig und also die Zurechnung des Erfolgs zur Ursache und also des Mittels zum Zweck hinlänglich streng sein soll – noch einige andere Aufgaben. Sie hat außerdem die Gesamtheit der gesellschaftlichen Erscheinungen auf die Art ihrer Mitbedingtheit durch ökonomische Ursachen zu untersuchen: durch ökonomische Geschichts- und Gesellschafts[B 86]deutung. Und sie hat andererseits die Bedingtheit der Wirtschaftsvorgänge und Wirtschaftsformen durch die gesellschaftlichen Erscheinungen nach deren verschiedenen Arten und Entwicklungsstadien zu ermitteln: die Aufgabe der Geschichte und Soziologie der Wirtschaft. Zu diesen gesellschaftlichen Erscheinungen gehören selbstverständlich[,] und zwar in allererster Linie, die politischen Handlungen und Gebilde, vor allem also: der Staat und das staatlich garantierte Recht. Aber ebenso selbstverständlich nicht die politischen allein. Sondern die Gesamtheit aller derjenigen Gebilde, welche – in einem für das wissenschaftliche Interesse hinlänglich relevanten Grade – die Wirtschaft beeinflussen. Der Ausdruck: Lehre von der „Wirtschaftspo[510]litik“ wäre natürlich für die Gesamtheit dieser Probleme sehr wenig geeignet. Sein dennoch vorkommender Gebrauch dafür ist nur durch die äußerlich aus dem Charakter der Universitäten als Bildungsstätten für Staatsbeamte, innerlich aber aus den zur intensiven Beeinflussung der Wirtschaft besonders fähigen gewaltigen Machtmitteln des Staats, aus der dadurch gegebenen praktischen Wichtigkeit gerade seiner Betrachtung, erklärlich. Daß bei allen diesen Untersuchungen Umkehrungen von Aussagen über „Ursache und Wirkung“ in solche über „Mittel und Zweck“ jedesmal dann möglich sind, wenn der Erfolg, um den es sich handelt, hinlänglich eindeutig angegeben werden kann, bedarf kaum der erneuten Feststellung. An dem logischen Verhältnis von Wertungssphäre und Sphäre des empirischen Erkennens wird dadurch natürlich auch hier nichts geändert. Und nur auf Eins soll zum Schluß in diesem Zusammenhang noch hingewiesen werden. [509] Lies: sind – unter den Bedingungen b1, b2, b3 – y1, y2, y3
Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte und vollends die beispiellosen Geschehnisse, deren Zeugen wir jetzt sind, haben das Prestige gerade des Staates gewaltig gesteigert. Ihm allein von allen sozialen Gemeinschaften wird heute „legitime“ Macht über Leben, Tod und Freiheit zugeschrieben, und seine Organe machen davon Gebrauch: im Krieg gegen äußere Feinde, im Frieden und Krieg gegen innere Widerstände. Er ist im Frieden der größte Wirtschaftsunternehmer und machtvollste Tributherr der Bürger, im Krieg aber der Träger schrankenlosester Verfügung über alle ihm zugänglichen Wirtschaftsgüter. Seine moderne, rationalisierte, Betriebsform hat auf zahlreichen Gebieten Leistungen ermöglicht, welche zweifellos von gar keinem andersartig vergesellschafteten Zusammenhandeln auch nur annähernd ähnlich vollbracht werden könnten. Es konnte kaum ausbleiben, daß daraus die Folgerung gezogen wurde: er müsse auch – zumal für Wertungen, die sich auf dem Gebiet der „Politik“ [B 87]bewegen – der letzte „Wert“ sein, an dessen Daseinsinteressen alles gesellschaftliche Handeln letztlich zu messen sei. Allein auch dies ist eine durchaus unzulässige Umdeutung von Tatsachen der Seinssphäre in Normen der Wertungssphäre, wobei hier von der fehlenden Eindeutigkeit der Konsequenzen aus jener Wertung, die sich bei jeder Erörterung der „Mittel“ (der „Erhaltung“ oder „Förderung“ des „Staats“) bald zeigt, ganz abgesehen werden soll. Innerhalb der Sphäre des rein Tatsächlichen ist zunächst gerade gegenüber jenem Prestige die Feststellung zu tref[511]fen: daß der Staat gewisse Dinge nicht kann. Und zwar sogar auf den Gebieten, welche als seine eigenste Domäne gelten: den militärischen. Die Beobachtung mancher Erscheinungen, welche der jetzige Krieg bei den Armeen national gemischter Staaten hat hervortreten lassen, lehrt, daß die vom Staat nicht erzwingbare freie Hingabe des Einzelnen an die Sache, welche sein Staat vertritt, auch für den militärischen Erfolg nicht gleichgültig ist. Und auf wirtschaftlichem Gebiet sei nur angedeutet: daß die Übertragung der Kriegsformen und Kriegsprinzipien der Wirtschaft auf den Frieden als dauernder Erscheinungen sehr schnell Folgen haben könnte, welche gerade den Vertretern expansiver Staatsideale das Konzept verderben würden. Dies ist indessen hier nicht weiter zu besprechen. In der Wertungssphäre aber ist ein Standpunkt sehr wohl sinnvoll vertretbar, der die Macht des Staates im Interesse seiner Verwertbarkeit als Zwangsmittel gegen Widerstände auf das denkbar äußerste gesteigert sehen möchte, andererseits aber ihm jeglichen Eigenwert abspricht und ihn zu einem bloßen technischen Hilfsmittel für die Verwirklichung ganz anderer Werte stempelt, von denen allein er seine Würde zu Lehen tragen und also auch nur so lange bewahren könne, als er sich dieses seines Handlangerberufs nicht zu entschlagen versuche.
Hier soll natürlich weder dieser noch überhaupt irgendeiner der möglichen Wertungsstandpunkte entwickelt oder gar vertreten werden. Sondern es soll nur daran erinnert werden: daß, wenn irgendetwas, dann wohl dies eine berufsmäßigen „Denkern“ besonders nahezulegende Obliegenheit ist: sich gegenüber den jeweilig herrschenden Idealen, auch den majestätischsten, einen kühlen Kopf im Sinn der persönlichen Fähigkeit zu bewahren, nötigenfalls „gegen den Strom zu schwimmen“. Die „deutschen Ideen von 1914“
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waren ein Literatenprodukt. Der Sozialismus der Zukunft [512]ist eine Phrase für die Rationalisierung der Wirtschaft durch eine Kombination von weiterer Bürokratisierung und Zweckverbandsverwaltung durch In[B 88]teressenten[511] Die „Ideen von 1914“ umschreiben die in deutschen Intellektuellenkreisen vor und im Ersten Weltkrieg herrschende nationalistisch verklärte Stimmung, daß Deutschland um der Bewahrung seiner Kultur willen sich gegen die anderen europäischen Mächte durchaus auch mit kriegerischen Mitteln behaupten müsse. Diese „deutschen Ideen“, in denen nach Weber nur ein Bedürfnis nach vermehrter staatlicher und wirtschaftlicher Bürokratisierung ohne innere Bereitschaft zu eigener politischer Verantwortung zum Ausdruck kam, beschrieb er im Frühsommer 1917 auch in einer Artikelserie für die Frankfurter Zeitung, vgl. Weber, Parlament und Regierung im neugeordneten Deutschland, MWG I/15, S. 421–596, hier S. 595, sowie dazu Lichtblau, Klaus, Kulturkrise und Soziologie um die Jahrhundertwende. Zur Genealogie der Kultursoziologie [512]in Deutschland. – Frankfurt a.Μ.: Suhrkamp 1996, Kap. V.I. Die „Ideen von 1914“ und der Erste Weltkrieg, S. 392–419.
k
. Wenn der Fanatismus wirtschaftspolitischer Ressortpatrioten für diese rein technischen[512]B: Intressenten
l
Maßnahmen, statt sachlicher Erörterung ihrer Zweckmäßigkeit, die zum guten Teil ganz nüchtern finanzpolitisch bedingt ist, die Weihe nicht nur der deutschen Philosophie, sondern auch der Religion herabbeschwört, – wie es heute massenhaft geschieht –, so ist das nichts als eine widerwärtige Geschmacksentgleisung sich wichtig nehmender Literaten. Wie die realen „deutschen Ideen von 1918“, bei deren Formung die heimkehrenden Krieger das Wort haben werden, aussehen könnten oder sollten, kann heut vorweg wohl noch niemand sagen. Auf diese aber wird es wohl für die Zukunft ankommen. –B: reintechnischen
g
g (ab S. 506: Sie unterstellt)–g A: Nicht nur die Nationalökonomie […] erscheinenden Aufsatz im „Logos“.