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MWG digital

Die digitale Max Weber-Gesamtausgabe.

[513]Editorischer Bericht

I. Zur Entstehung

Die von Max Weber und Werner Sombart gemeinsam verfaßte Erklärung bezieht sich auf den Aufsatz „Das theoretische System der kapitalistischen Wirtschaftsordnung“, den Edgar Jaffé im „Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik“ im Oktober 1917 veröffentlichte.
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[513] Jaffé, Edgar, Das theoretische System der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, in: AfSSp, Band 44, Heft 1, 1917, S. 1–18 (hinfort: Jaffé, System).
Der Aufsatz ist die Besprechung des ersten Bandes von Robert Liefmanns „Grundsätzen der Volkswirtschaftslehre“.
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Vgl. Liefmann, Robert, Grundsätze der Volkswirtschaftslehre, I. Band: Grundlagen der Wirtschaft. – Stuttgart und Berlin: Deutsche Verlags-Anstalt 1917. Weber setzte sich erst im März 1920 intensiver mit dem Band auseinander, vgl. Brief Max Webers an Robert Liefmann vom 9. März 1920, MWG II/10, S. 946–954, was sich auch in dem Kapitel „Soziologische Grundkategorien des Wirtschaftens“, in: Weber, Wirtschaft und Gesellschaft. Soziologie, MWG I/23, S. 216–448, bes. S. 221 und S. 223, Hg.-Anm. 17, widerspiegelt. Liefmann hatte den Anspruch, als der Theoretiker unter den Nationalökonomen seiner Zeit hervorzutreten, vgl. hierzu Schluchter, Einleitung, in: ebd., S. 1–77, hier S. 32, Anm. 24, sowie die Einleitung zum vorliegenden Band, oben, S. 90.
Darin hebt Jaffé besonders hervor, daß sich Liefmann um klare Begriffsbestimmungen bemühe und damit einen wichtigen Beitrag zur „Erfassung und Durchleuchtung der Tatsachen des modernen wirtschaftlichen Lebens“ leiste.
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Jaffé, System (wie oben, Anm. 1), S. 15.
Einleitend bezieht sich Jaffé auf den Stand der Nationalökonomie, die nach seiner Auffassung von der historischen Nationalökonomie im Sinne Schmollers beherrscht werde und deshalb darauf verzichte, sich als eine „auf eigenen Füßen stehende, d. h. nach eigener Methode arbeitende Wissenschaft“
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Ebd., S. 1.
zu begründen. Für dieses unzulängliche Verständnis von Nationalökonomie seien Max Weber und Werner Sombart repräsentativ. Max Weber habe „trotz der außerordentlichen Breite seines Wissens und der Ausdehnung seiner Arbeit auf eine ganze Reihe angrenzender Gebiete […] [514]die national-ökonomische Theorie vollkommen vernachlässigt […] und auch gelegentlich seine Erwartungen bezüglich möglicher Resultate der reinen theoretischen Forschung auf ein Minimum beschränkt“.
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[514] Ebd., S. 1 f., vgl. dagegen die werkbiographische Darstellung zu Webers Theorieverständnis von Schluchter, Wolfgang, 1. Wirtschaft und Kultur: Von Karl Marx zu Max Weber, in: ders., Religion und Lebensführung, Band 1: Studien zu Max Webers Kultur- und Werttheorie. – Frankfurt a.Μ.: Suhrkamp 1988 (hinfort: Schluchter, Lebensführung), S. 23–113, bes. S. 52–63.
Demgegenüber habe Sombart zwar betont, daß eine „theoretische Unterbauung“
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Jaffé, System (wie oben, S. 513, Anm. 1), S. 2.
historischer Forschung möglich sei, doch verstehe er unter Theorie nur die Bildung historischer Typen und lehne eine darüber hinaus gehende theoretische Erörterung ab.
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Vgl. auch Schluchter, Lebensführung (wie oben, Anm. 5), S. 52 f., sowie Lenger, Friedrich, Werner Sombart 1863–1941. Eine Biographie. – München: C. H. Beck 1994, S. 223–225.
Auf diese Kritik Jaffés reagierten Weber und Sombart mit einer gemeinsamen Erklärung. Sie war am Ende des Heftes des „Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik“ abgedruckt, in dem die Besprechung Jaffés erschien.

II. Zur Überlieferung und Edition

Ein Manuskript dieser gemeinsamen Erklärung von Max Weber und Werner Sombart ist nicht überliefert. Der Abdruck folgt dem Text, wie er im Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik, hg. von Edgar Jaffé in Verbindung mit Werner Sombart, Max Weber und Joseph Schumpeter, Band 44, Heft 1, Oktober 1917, S. 348, unter dem Titel „Erklärung“ erschienen ist (A).