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MWG digital

Die digitale Max Weber-Gesamtausgabe.

[30][A VII]Vorbemerkung des Herausgebers

Da ich in die Art der Gestaltung der nachstehenden Arbeit ziemlich tief eingegriffen habe,
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[30] Zur Beteiligung Max Webers an der Arbeit Abelsdorffs siehe den Editorischen Bericht, oben, S. 25–29.
so seien auch mir einige Bemerkungen über dieselbe gestattet.
Was zunächst den ersten Teil derselben (Fragebogen und Erhebungen)
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Der erste Teil von Abelsdorff, Beiträge, stellt eine Auswertung des in der „Vorbemerkung des Verfassers“, S. [XII], abgedruckten Fragebogens dar. Diese Auswertung umfaßt die Bereiche „1. Familienstand, Altersgliederung, Kinderzahl und Heiratsalter“, S. 1–7, „2. Aufenthaltsort, Gebürtigkeit und Beweglichkeit der Buchdrucker“, S. 8–24, sowie „3. Berufsgliederung der Väter, Geschwister und Kinder der Buchdrucker", S. 25–35. Schließlich ist diesem Teil noch ein zweigliedriger Anhang „Berufsarten der Väter und Kinder der deutschen Buchdrucker in alphabetischer Reihenfolge“ beigegeben, S. 36–49.
anlangt, so wird der Leser geneigt sein, mehrere Fragen zu stellen, insbesondere wird er sich mit gutem Grunde fragen:
1. Warum wurden nicht noch mehr Fragen gestellt? –
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Der Fragebogen umfaßt 15 Fragen über den Geburts- und Aufenthaltsort des Arbeiters und seiner Familienangehörigen, die altersmäßige Konstellation innerhalb der Familie sowie die familiäre und berufliche Situation seiner Eltern, Geschwister und Kinder.
Darauf ist zu antworten: Wie viele Fragen man bei einer derartigen, nur privaten, ihrem Zweck nach für die Befragten keineswegs durchsichtigen Erhebung ohne das Risiko eines Fiaskos stellen kann, läßt sich schließlich nur durch Experiment feststellen.
Ich hatte mit dem Verfasser den Eindruck, daß eine nennenswerte Vermehrung der Fragen das immerhin recht gute quantitative Ergebnis der Erhebung beeinträchtigt haben würde.
Ob nicht eine Anzahl der gestellten Fragen jetzt, wo man das Ergebnis vor sich hat, als minder wertvoll erscheint, und bei künftigen Erhebungen durch andere ersetzt werden sollte, darüber kann man sicherlich diskutieren, und ich will darin der eventuellen Kritik Berufenerer nicht vorgreifen.
2. Warum die räumliche Unvollständigkeit der Erhebung? – Sie
a
[30]A: sie
geht von Baden aus und zieht, wie die Einleitung des Verfassers und [31]Tabelle I ergiebt,
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[31] Mit „Einleitung“ ist die „Vorbemerkung des Verfassers“, in: Abelsdorff, Beiträge, S. XI–XV, gemeint. Dort findet sich auf S. XIV eine Tabelle, in der die untersuchten Bezirke aufgeführt sind. Es handelt sich dabei um Baden und Bayern, die preußischen Provinzen Rheinland, Westfalen, Schlesien, Ostpreußen, Westpreußen und Posen, um die Großstädte Berlin und Leipzig sowie um die Region „Frankfurt-Hessen“, zu der Abelsdorff sowohl die Stadt Frankfurt a.M. als auch die preußische Provinz Hessen und das Großherzogtum Hessen rechnet.
zum Vergleich noch 2 süddeutsche Staaten (Bayern und Hessen mit Frankfurt), ferner die beiden westlichsten und die 4 östlichsten Provinzen Preußens und endlich die Großstädte und Buchdruckereicentren Berlin und Leipzig heran.
Dies erklärt sich – von dem keineswegs unerheblichen [A VIII]Kostenpunkt abgesehen – zunächst durch die Art ihrer Entstehung. Sie war ursprünglich als Teil einer Untersuchung über die Karlsruher Buchdrucker für den Verein für Sozialpolitik gedacht
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Gemeint ist die vom Verein für Sozialpolitik in den 1890er Jahren durchgeführte Enquete „Über die Lage des Handwerks in Deutschland“, für die Walter Abelsdorff seinerzeit den Beitrag „Die Lage der Buch- und Accidenzdruckereien in Karlsruhe“ geliefert hatte. Dieser Beitrag ist erschienen in: Untersuchungen über die Lage des Handwerks in Deutschland mit besonderer Rücksicht auf seine Konkurrenzfähigkeit gegenüber der Großindustrie, Band 8, Teil 2 (Schriften des Vereins für Socialpolitik 69). – Leipzig: Duncker & Humblot 1897, S. 313–329.
und daher auf Baden beschränkt; des Vergleichs halber wurden einige auswärtige Bezirke, deren Gauvorstände dem Verfasser bekannt oder leicht zugänglich waren, herangezogen, und so entwickelte sich schließlich die Arbeit in ihrer Selbständigkeit und Begrenzung.
Überdies aber handelte es sich um ein in seinem Erfolg durchaus problematisches Experiment, denn nichts ließ voraussehen, ob das Ergebnis die Mühe lohnen würde.
Heute möchte ich die Frage, ob dies der Fall, meinerseits entschieden bejahen. Dies allerdings unter dem Vorbehalt, daß die erhobenen Zahlen zumeist ihr volles Interesse erst gewinnen können, wenn gleichartige Erhebungen in andern Berufen einen Vergleich gestatten.
Insbesondere würde eine ähnliche Erhebung bei den einzelnen Schichten der Arbeiterschaft einer Großindustrie mit bestimmten Standorten, zumal wenn zwischen denselben starke Differenzen der Arbeitsbedingungen und des sozialen Milieu’s bestehen, charakteristisch abweichende Ergebnisse zeitigen. Ebenso andrerseits Erhebungen innerhalb der alten zünftigen Handwerke. – Es ist die Ab[32]sicht, gelegentlich eine solche Erhebung durch Angehen der Arbeiterorganisationen zu versuchen.
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[32] Max Weber hat diesen Plan auch in späteren Jahren weiterverfolgt. So schlug er im Jahre 1908 vor, im Rahmen der vom Verein für Sozialpolitik geplanten Enquete „über Auslese und Anpassung (Berufswahl und Berufsschicksal) der Arbeiter in den verschiedenen Zweigen der Großindustrie“ die Erhebung unter anderem durch Verteilung von Fragebögen an die Arbeiter mit Hilfe der Arbeiterorganisationen durchzuführen. Weber, Max, Erhebungen über Auslese und Anpassung (Berufswahl und Berufsschicksal) der Arbeiterschaft der geschlossenen Großindustrie, in: MWG I/11, S. 138.
3. Mit dem vorhin ad 2 Gesagten hängt die Auswahl der Gesichtspunkte, nach denen die Auszählung und Tabellierung des Materials erfolgte, zusammen. Es sind auch solche Zahlenreihen vorgeführt, die an sich wenig Bemerkenswertes bieten, aber künftig durch Vergleich Wert erlangen können.
Es ist ferner die Gliederung nach Bezirken in den Tabellen keineswegs ausschließlich zu dem Zweck möglichst überall durchgeführt, um Differenzen zwischen den einzelnen Gebieten ins Licht zu stellen, sondern ebenso auch, um durch die relative Übereinstimmung der Zahlen der Einzelbezirke unter sich und mit den Gesamtzahlen darzuthun,
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Große Übereinstimmungen in den Zahlenangaben der einzelnen Bezirke gibt es vor allem bei der familiären Situation. Zwar finden sich etwa beim Familienstand zum Teil signifikante Unterschiede – so waren in Leipzig und Berlin rund 65 % der befragten Buchdrucker verheiratet, in Mainz und München dagegen nur rund 45 % –, doch gibt es bei der Kinderzahl, der Altersdifferenz der Ehegatten und dem Alter des Vaters bei der Geburt des ältesten Kindes sehr große Gemeinsamkeiten. Vgl. dazu Abelsdorff, Beiträge, Tabelle 1, S. 1, sowie die Tabellen, S. 5 f.
daß es sich bei den letzteren um wirklich typische Größen, nicht um Zufallsdurchschnitte aus ganz heterogenen Einzelfaktoren handelt.
Überdies aber gab diese räumliche Gliederung Gelegenheit, ersichtlich zu machen, wie die Hauptfolge der räumlichen Unvollständigkeit der Erhebung: Das Überwiegen der Großstädte [A IX]in dem Antwortenmaterial –
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Wie sich aus Tabelle 1 (Abelsdorff, Beiträge, S. 1) errechnen läßt, lebten von den 4.816 befragten Buchdruckern 2.744 in größeren Städten.
auf die Gesamtziffer einwirkt.
Der Umstand, daß erst in Kombination mit den Resultaten künftiger gleichartiger Erhebungen die jetzige mehr versuchsweise Erhebung ihren vollen Wert erlangen kann, ist auch der Grund dafür, daß der Text, den der Verfasser den Tabellen beigiebt, in die Einzelheiten der Zahlen nicht allzutief einzudringen versucht, sondern im Wesentlichen nur eine allgemeine Erklärung der Tabellen enthält.
[33]Die vorliegende Arbeit ist eben ein probeweiser Anfang, kein Endergebnis. –
Was den zweiten Teil der Arbeit (Budgets)
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[33] Der zweite Teil von Abelsdorff, Beiträge, S. 51 ff., hat eine Untersuchung von „15 Arbeiterhaushaltungsbudgets aus dem deutschen Buchdruckergewerbe“ zum Gegenstand.
anlangt, so ist der Wert derartiger zweimonatlicher Hausbudgetausschnitte, wie sie der Verfasser bietet,
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Walter Abelsdorff hatte auf Vermittlung der Gauvorsteher des „Verbandes der Deutschen Buchdrucker“ 15 etwa gleich große Arbeiterfamilien dafür gewonnen, ihre laufenden Einnahmen und Ausgaben über einen Zeitraum von zwei Monaten genau zu verzeichnen. Die kurze Zeitspanne wurde deshalb gewählt, weil die „Ausdauer der Arbeiter bei solchen Erhebungen […] im allgemeinen gering“ sei und „die Geduld der Arbeiterfrauen – denn diese waren ja zum größten Teil die Ausführenden – auf eine nicht zu harte Probe gestellt“ werden sollte. Abelsdorff, Beiträge, S. 52.
gewiß ein begrenzter.
Aber auch hier war das Beschaffte wohl annähernd das Maximum dessen, was ohne schwere Gefährdung der Qualität beschafft werden konnte.
Jeder mit derartigen Erhebungen Vertraute
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[33]A: vertraute
weiß, wie selten Familien zu finden sind, welche sich überhaupt zur täglichen gewissenhaften Buchung ihrer Ausgaben bis ins kleinste – so wie sie die Frankfurter Budgets des deutschen Hochstifts
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Frankfurter Arbeiterbudgets.
bieten – bereit finden und zugleich hinreichend zuverlässig sind.
Bei Aufzeichnungen, die sich über das ganze Reich verteilen, hätte das Verlangen eines längeren Zeitraumes wahrscheinlich das Ergebnis gänzlich in Frage gestellt.
Der Wert desselben liegt in der gleichzeitigen Erhebung von Budgets örtlich weit getrennter Berufsgenossen mit vergleichbaren Einnahme- und Familiengrößen-Verhältnissen.
Möglichst zahlreiche ähnliche Erhebungen könnten uns allmählich manchen zentralen Fragen der Konsumentwickelung näher bringen: in wieweit unter anderm die unzweifelhaft vorhandene Tendenz zur Beseitigung der historisch gegebenen lokalen Konsumtypen eine Tendenz zur Uniformierung des Konsums überhaupt in dem Sinne darstellt, daß die Art desselben schlechthin Funktion der Klassenzugehörigkeit und Einkommenshöhe wird.