[450]1.
[Einladung der Evangelisch-sozialen Vereinigung für Baden]
[[A –]]Geehrter Herr!
Der evangelisch-soziale Kongreß, der in der Pfingstwoche zu seiner XVIII. Tagung zusammentritt, wird in diesem Jahre das erste Mal in den Reichslanden, in Straßburg, tagen. Als im Jahre 1897 unsere evangelisch-soziale Vereinigung ihren auch aus dem Elsaß gut besuchten sozialwissenschaftlichen Kursus hielt,
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da wurde gerade von elsässischer Seite öffentlich hervorgehoben, daß die Erfüllung gemeinsamer idealer Aufgaben die beste Verbindungsbrücke zwischen den Reichslanden und dem deutschen Mutterlande sei. Eine solche ideale Aufgabe löst vor allem der evang[elisch]-soziale Kongreß, indem er die religiös-sittlichen Triebkräfte im Volksleben für den sozialen Fortschritt zu wecken und zu fördern bestrebt ist. So wird es bei der dieses Jahr im Elsaß stattfindenden Tagung noch mehr als sonst zu einer nationalen Pflicht, den Kongreß durch guten Besuch zu einem besonders erfolgreichen zu gestalten. [450] Gemeint ist der Kursus in Karlsruhe; vgl. den Editorischen Bericht, oben, S. 447.
Straßburg ist aber auch mangels genügenden eigenen Hinterlandes besonders auf badischen Zuzug angewiesen. Und gerade in der Zuversicht auf zahlreichen badischen Besuch haben es unsere elsässischen Freunde gewagt, den Kongreß nach Straßburg einzuladen. In ihrem Namen laden wir auch Sie persönlich ein, dem Kongreß, wenn es Ihnen nur irgend möglich ist, anzuwohnen und auch andere, Männer und Frauen, zum Besuch zu veranlassen. Sein Programm finden Sie auf der Rückseite. Die Referate liegen, wie Sie sehen, in den bewährtesten Händen, und die Teilnahme von Männern wie Harnack, Adolf Wagner, Friedrich Naumann, D. Rade, Freiherr v. Soden u. a. sind eine Gewähr für fruchtbaren und anregenden Verlauf der Debatten.
Bei dieser Gelegenheit fragen wir gleichzeitig an, ob Sie, falls Sie noch nicht Mitglied des evang[elisch]-sozialen Kongresses oder der [451]badischen evang[elisch]-sozialen Vereinigung sind, nicht gesonnen sind, es zu werden. Jeder Mitgliederzuwachs bedeutet eine Förderung unserer Bestrebungen. Einen Aufruf dazu, sowie die Satzungen und eine Anmeldekarte legen wir bei.
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[451] Eine derartige Anlage ist nicht nachgewiesen.
2.
Einladung [des Ortsausschusses in Straßburg]
Am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag der Pfingstwoche (21. bis 23. Mai 1907) wird der Evangelisch-soziale Kongreß seine 18. Tagung in Straßburg abhalten. Der Evangelisch-soziale Kongreß, der im Jahre 1890 gegründet worden ist, hat es sich zur Aufgabe gemacht, soziale Gesinnung als eine sittliche Forderung des Evangeliums zu wecken und zu fördern. Er ist unabhängig von jeder politischen oder kirchlichen Partei, verfolgt auch keinerlei spezifisch konfessionelle Interessen, will vielmehr durch Herausarbeitung der christlich-sittlichen Ideale wie durch wissenschaftliche Prüfung der Zustände und Bedingungen unseres sozialen Lebens dem ganzen Volke dienen, an seiner sittlichen und sozialen Gesundung arbeiten.
Dreimal schon hat der Kongreß seine Tagung in Süddeutschland abgehalten, in Stuttgart, Karlsruhe und Darmstadt.
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Diesmal will er den Rhein überschreiten und nach Straßburg ins Elsaß kommen. Wir entbieten ihm einen herzlichen Willkommgruß und laden alle Freunde evangelisch-sozialer Arbeit, alle Männer und Frauen, denen die sittlichen und sozialen Nöte unserer Zeit am Herzen liegen, alle, die ihr soziales Wissen mehren und ihren sozialen Willen stär[452]ken wollen, zur Teilnahme an den Verhandlungen ein. Wir hoffen, daß unsere Straßburger Bürgerschaft dem Kongreß eine gastliche Stätte bereiten und seinen Arbeiten ihr Interesse zuwenden wird, wir erwarten, daß nicht nur aus Elsaß-Lothringen, sondern auch aus den Nachbarländern Hörer und Redner herzuströmen werden, damit auch der Straßburger Kongreß zu fruchtbarer Aussprache führe und reiche Anregungen von ihm in unser Volk ausgehen! Es handelt sich dabei um die 7., 11. und 14. Tagung des Evangelisch-sozialen Kongresses. Sie fanden am 28./29. Mai 1896 in Stuttgart, am 7./8. Juni 1900 in Karlsruhe und am 3./4. Juni 1903 in Darmstadt statt.