[458][A 1]Für die Preußische Wahlreform
Der entscheidende Augenblick ist gekommen, wo es sich zeigen muß, ob der Wille des Volkes stark genug ist, Preußen, den führenden Bundesstaat, auf die Bahn des politischen Fortschritts zu drängen. Die Bewegung, die an die überstürzte und egoistische Erledigung der Reichsfinanzreform durch den schwarz-blauen Block
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anknüpfte, würde ihr Ziel gründlich verfehlen, wenn es ihr nicht gelänge, endlich Bresche zu legen in die agrarkonservative Vorherrschaft über Preußen und damit über Deutschland. [458] Um das Finanzwesen im Deutschen Reich neu zu regeln, plante Reichskanzler Fürst Bülow 1908/09 die Durchführung einer Reichsfinanzreform. Die Mehreinnahmen des Staates sollten durch eine Reihe erhöhter Verbrauchssteuern sowie die Veränderung der Erbschaftssteuer rund 500 Millionen Mark betragen. Während die Vorlagen zur Erhöhung der Verbrauchssteuern die Zustimmung des Reichstags fanden, brachten die Deutschkonservativen und das Zentrum das vorgesehene Erbschaftssteuergesetz zu Fall. An dieser informellen Koalition aus Deutschkonservativen und Zentrum, die allgemein als „schwarz-blauer Block“ bezeichnet wurde, scheiterte die Vorlage am 24. Juni 1909. Reichskanzler Bülow trat daraufhin zurück.
Ein Volk von 60 Millionen, das in Handel und Industrie, in Gewerbe und Technik, in Wissenschaft und Kunst rastlos der Vollkommenheit zustrebt, darf die Richtlinie seiner Politik nicht ausschließlich bestimmen lassen nach den Bedürfnissen jener kleinen Oberschicht, die sich in den östlichen Provinzen Preußens dem Eindringen modernen Geistes erfolgreich entgegenstemmt.
Darum ist es eine Lebensfrage für Preußen nicht nur, sondern auch für das gesamte Deutsche Reich, daß den aufstrebenden Erwerbsständen der Weg freigemacht werde zur preußischen Volksvertretung. Mit vollem Rechte bezeichnete daher auch die Thronrede vom 20. Oktober 1908 die organische Fortentwicklung des Wahlrechts als eine der wichtigsten Aufgaben der Gegenwart.
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Zur Thronrede Wilhelms II. vor beiden Häusern des preußischen Landtags anläßlich der Eröffnung der II. Session 1908/09 vgl. den Editorischen Bericht, oben, S. 453.
Es gilt, diesem Gedanken Nachdruck zu verschaffen. Es gilt zu zeigen, daß die preußische Krone sich bei dieser Forderung in Übereinstimmung befindet mit den berufenen Vertretern deutscher Geistesbildung und deutschen Wirtschaftslebens.