[318][Rezension von:]
Schumacher, H[ermann]. Die Ursachen der Geldkrisis. Neue Zeit- und Streitfragen, herausgegeben v. d. Gehe-Stiftung V, 6 u. 7. Dresden 1908 v. Zahn und Jaensch, 65 S. Μ. 1.60.
Gegenstand: nicht die „Kapitalkrisis“, auch nicht die „Kreditkrisis“, sondern lediglich die „Geldkrisis“ der letzten Zeit.
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Sie war lokal bedingt in der amerikanischen Bankverfassung im allgemeinen[318] Schumacher, Geldkrisis, S. 3–6, unterscheidet drei Typen wirtschaftlicher Krisen, die Kapitalkrisis, die sich durch einen langfristigen Mangel an Kapital auszeichnet, die Kreditkrisis, bei der ein Mangel an Vertrauen im Wirtschaftsleben vorherrscht, sowie die Geldkrisis, die auf einem Mangel an umlaufenden Zahlungsmitteln beruht. Thema seiner Arbeit ist die Geldkrisis, da dieses Phänomen „neu, eigenartig, bisher wenig verstanden“ sei.
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(Zurücktreten der Tratten, Schumacher, Geldkrisis, S. 6 f., betont den lokalen Ursprung der gegenwärtigen Geldkrisis und sieht diese „in konkreten Organisationsfehlern im Wirtschaftsleben der Vereinigten Staaten“ begründet.
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große Rolle des Lombards, Gezogener Wechsel, durch den der Bezogene (Adressat) angewiesen wird, an den Wechselnehmer eine bestimmte Geldsumme zu zahlen. Durch Weitergabe, vor allem durch Verkauf an eine Bank, kann er bis zum Fälligkeitstermin wieder in Zahlung gegeben oder zu Geld gemacht werden. Im Gegensatz zu Deutschland, wo die Tratte „zum wichtigsten kaufmännischen Kreditmittel geworden“ sei, spiele sie, so Schumacher, Geldkrisis, S. 10 f., „im amerikanischen Inlandsverkehr […] keine Rolle.“
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Verwendung der promis[A 598]sory notes, Kurzfristiges Kreditgeschäft, bei dem verpfändete Waren oder Wertpapiere als Sicherheit dienen. Schumacher, Geldkrisis, S. 11 f., zufolge basiert das amerikanische Kreditwesen mehr als in Deutschland auf dem „Lombardgeschäft“, was die Liquidität der amerikanischen Banken stark einschränkte, da die Realisierbarkeit der Pfänder bei kurzfristig erhöhtem Geldbedarf nur unter Verlusten möglich sei.
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Basierung der Notenausgabe auf Staatsbonds und daher Fehlen des Zusammenhanges mit dem Verkehrsbedarf, Hier im Sinne von Solawechsel. Er dient zur persönlichen Geldbeschaffung (Personalkredit) und ist im Gegensatz zur Tratte von der Diskontierung (Ankauf durch eine Bank unter Abzug der Zinsen bis zum Fälligkeitstag) ausgeschlossen. Die „promissory notes“ kamen demgemäß kaum in Umlauf. Dies führe, so Schumacher, Geldkrisis, S. 12 f., ebenso wie die Bedeutung des Lombardgeschäfts, zu einem „Mangel an Liquidität“ bei den amerikanischen Banken.
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Barreservezwang gegen die Depositen[319]bank, In den USA gab es bis 1913 keine Zentralnotenbank. Vielmehr existierten zahlreiche Nationalbanken („National Banks“) als Privatunternehmen. Diese hatten das Recht, Banknoten auszugeben, wenn sie einen bestimmten Anteil ihres Grundkapitals in zinstragenden Staatspapieren („United States Bonds“) in Washington als Sicherheit deponierten. Ende des 19. Jahrhunderts galt die Regel, daß für eine Notenausgabe im Wert von 100.000 Dollar 90.000 Dollar in Staatsbonds hinterlegt werden mußten. Die Banken waren [319]verpflichtet, ihre Banknoten jederzeit in gesetzliches Geld, z. B. in Goldmünzen, einzulösen. Diese Form der Geldpolitik war im Falle erhöhten Wirtschaftswachstums und damit erhöhten Notenbedarfs nur wenig flexibel.
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Fehlen der Möglichkeit planvoller Diskontpolitik, daher ausschlaggebende Rolle des call money market der Börse Die amerikanischen Banken waren gesetzlich verpflichtet, einen relativ hohen Prozentsatz der Kundeneinlagen in Barreserve zu halten. Die Stadtbanken mußten 25 %, die Landbanken 15 % ihrer Depositen in Bargeld, d. h. in Gold oder in anderen gesetzlichen Zahlungsmitteln, verfügbar haben. Ein Teil dieser Reserve durfte bei den Nationalbanken der sog. „Reservestädte“ und der „Zentralreservestädte“ New York, Chicago und St. Louis hinterlegt werden. Dieses Reservesystem, so Schumacher, Geldkrisis, S. 21, trage viel dazu bei, daß das Kapital nicht „aus dem reichen Osten in die weniger entwickelten […] Gebiete des Westens gelenkt“, sondern „künstlich nach dem Osten zurückgezogen“ werde.
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) mit ihrer mangelnden Elastizität und ihrer Neigung, gerade durch Reichtumsmomente (hohe Erntepreise und starke Depositen) Geldklemmen auszulösen. Schumacher, Geldkrisis, S. 39 f., sieht in der dezentralen Struktur des amerikanischen Bankwesens die Hauptursache für eine fehlende Steuerung des Geldmarktes. Während die europäischen Notenbanken durch eine zielgerichtete Zinspolitik das Kreditgeschäft und damit den Geldmarkt beeinflussen könnten, fehle in den USA eine solche „hohe neutrale Warte, wie sie die Voraussetzung ist für jede wirksame Diskontpolitik.“ Aufgrund der fehlenden Steuerung sei, so Schumacher, Geldkrisis, S. 41 ff., die Börse, vor allem die in der New Yorker Wall Street, der wichtigste Markt für kurzfristige Anlagen. Da hier – besonders auf dem „call money market“, dem Umschlagplatz für täglich kündbare Kredite – der Zinsgestaltung keine Grenzen gesetzt seien, übe die Wall-Street eine große Anziehungskraft auf die amerikanischen Banken aus, die dadurch mehr an der „Börsenspekulation“ als an der „Produktion in Gewerbe und Landwirtschaft“ interessiert seien. Eine Börsenkrise bringe deshalb „das reguläre Bankgeschäft im Lande […] ins Stocken“ und habe Auswirkungen auf das gesamte amerikanische Wirtschaftsleben.
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Bedrohlich erscheint ihr diesmaliger Verlauf insofern, als auch dieses Mal wieder, aber in einer bisher noch nie dagewesenen Weise, statt der fehlenden Zentralnotenbank die Regierung (Schatzsekretär) mit Gewährung von Depositen eingriff, um den Geldstand, in diesem Fall: durch Goldankauf[,] zu erleichtern Die Nachfrage nach kurzfristigen Geldern stieg wegen der Erntefinanzierung jährlich im Herbst an, konnte aber von den Banken aufgrund der zu geringen Geldmenge nicht ausreichend befriedigt werden. Diese Phänomene werden beschrieben bei Schumacher, Geldkrisis, S. 30.
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(fast 1½ Milliarden Mark hätten, nachdem die Aldrich Bill auch die Zolleinkünfte zu diesem Zweck disponibel gemacht hatte, im Ganzen zur Verfügung gestellt werden [320]können), Gemeint sind hier die Depositen des amerikanischen Staates. Der „Secretary of the Treasury“, Leslie Shaw, beseitigte im Herbst 1906 die für die staatlichen Depositen vorgeschriebene Sicherung durch Staatsbonds und stellte sie den Banken zum ausdrücklichen Zweck der Goldeinfuhr aus Europa zur Verfügung. Zu diesen Maßnahmen vgl. Schumacher, Geldkrisis, S. 54 ff.
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und als eine häufigere Wiederholung dieser ganz unberechenbaren, dem Wesen nach „staatssozialistischen“ Maßnahmen eines periodisch gewählten politischen Beamten[320] Die Zolleinkünfte hatte der Staat zur Bereitstellung von Barmitteln bislang nicht angreifen dürfen. Durch die Verabschiedung der „Aldrich Bill“ vom 4. März 1907 wurde diese Beschränkung aufgehoben. Danach bezifferte sich die „geplante Hilfsaktion der Regierung […] auf mehr als 1½ Milliarden Mark.“ Schumacher, Geldkrisis, S. 55 ff.
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die Geldpolitik der Bank von England und noch mehr die der Reichsbank in bisher nie gekannte, erst seit der Durchführung der Goldwährung in Amerika Als „ein unberechenbares Moment […] in der Geldpolitik der Vereinigten Staaten“ bezeichnet Schumacher, Geldkrisis, S. 58, unter anderem den großen Einfluß der Regierung. Besonders bedenklich sei die Tatsache, daß die staatlichen Hilfsmaßnahmen „abhängig vom subjektiven Ermessen eines Mannes“ seien, nämlich des jeweiligen Schatzsekretärs. Gerade in „einem demokratischen Staate, in dem alle leitenden Personen in den kurzen Fristen weniger Jahre wechseln“, fehle jede Garantie, „daß immer […] zuverlässige und einsichtsvolle Männer diesen einflußreichsten Posten im amerikanischen Zahlungswesen einnehmen.“
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mögliche Situationen zu versetzen vermöchte. Mit Gesetz vom 14. März 1900 wurde in den USA die Währung auf Goldstandard umgestellt.
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Anspielung darauf, daß sich sowohl die Bank von England als auch die Reichsbank zur Bewältigung der Krise und zur Begrenzung der Goldausfuhr in die USA zu erheblichen Erhöhungen des Diskontsatzes gezwungen sahen. In Großbritannien stieg er von April bis November 1907 von 4,5 % auf 7 %, im Deutschen Reich im selben Zeitraum von 5,5 % auf 7,5 %.