[352]LebenslaufN1Überschrift fehlt in MWG-Druckfassung; ergänzt in MWG digital. Bei der Spaltenwiedergabe der drei parallel abgedruckten Lebensläufe können die Zeilenumbrüche in MWG digital aus technischen Gründen nicht entsprechend der Druckvorlage wiedergeben werden.
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| [A 30Vs]Lebenslauf des Candidaten der juristischen Doktorwürde Referendar Max Weber. | [[B 59]]Lebenslauf. | [353][C 205Vs]Lebenslauf des Gerichtsassessors Dr. jur. Max Weber | ||
| Geboren am 21. April 1864 zu Erfurt, evangelischer Confession, besuchte ich, Carl Emil Maximilian Weber, nach Übersiedelung meiner Eltern, – Dr. jur. Max Weber, z. Z. Stadtrat in Berlin und Helene, geb. Fallenstein –, nach Berlin, zunächst die Doebbelin’sche Privatschule, dann, nach weiterer Übersiedelung nach Charlottenburg, das hiesige Kgl. Kaiserin-Augusta-Gymnasium. Nach bestandener Reifeprüfung bezog ich 1882 die Universität Heidelberg und hörte daselbst während dreier Semester Collegien bei den Geh. Räthen und Professoren Bekker, Karlowa, Herm[ann] Schulze, Heinze der juristischen, K[uno] Fischer, Knies und Erdmannsdörfer der philosophischen Facultät, besuchte ferner die juristischen Übungen des Geh. Rathes Bekker und die historischen des Prof. Erdmannsdörfer. Von Ostern 1883 1 bis ebenda 1884 diente ich in Straßburg i. E. beim 47. Inf. Reg. und war gleichzeitig bei der Universität daselbst immatrikuliert; ich belegte juristische Vorlesungen und ein historisches Seminar bei Prof. Baumgarten.[352] Nach Weber, Jugendbriefe, S. 76–82 (Brief vom 22. Okt. 1883 an seine Mutter Helene; MWG II/1) leistete Weber erst seit ca. Mitte Oktober Militärdienst in Straßburg. Dieser dauerte bis Ende September 1884 (Brief vom 29. Sept. 1884 an Max Weber sen.; MWG II/1), ebd., S. 134–137. 2 Von Herbst 1884 bis ebenda 1885 hörte ich an der Berliner Universität Vorlesungen bei den Geh. Räthen und Professoren Beseler, Dernburg, Gneist, Brunner, Aegidi; im Wintersemester 1885/6 hörte ich in Göttingen [A [30Rs]]bei den Geh. Räthen und Professoren [354]Dove, v. Bar, Frensdorff Vorlesungen und besuchte die Praktika der Professoren Regelsberger und R[ichard] Schröder. Gemeint ist Hermann Baumgarten. Nach am 5. Mai 1886 bestandenen Staatsexamen war ich bisher bei den Rixdorfer, Berliner und Charlottenburger Justizbehörden und bei Herrn Justizrat von Simson in Berlin als Referendar beschäftigt und hörte während dieser Zeit noch juristische und staatswissenschaftliche Vorlesungen bei den Herrn Geh. Räthen Dernburg und Wagner, besuchte ferner die Seminare der Herrn Professoren Pernice, Geheimrath Goldschmidt und Geheimrath Meitzen. Während meiner Studienzeit habe ich mich mit einigen Teilen des römischen Rechts, namentlich des Erbrechts, Agrarrechts und einzelnen Partien des römischen öffentlichen Rechts, später, im Anschluß an nationalökonomische Studien, mit deutschen Agrar- und Gemeindeverhältnissen, zuletzt mit der Geschichte des Handelsrechts, resp. einzelnen Partien desselben auf Grund der spanischen und italienischen Rechtsquellen, außerdem mit dem deutschen öffentlichen Recht, beschäftigt, und beabsichtige, in Zukunft mich insbesondere dem Studium des älteren deutschen Rechtes, insbesondere des Agrarrechts, unter Heranziehung auch des römischen Agrarrechts, sowie der Geschichte des Handelsrechts auf Grund eingehenden Studiums deutscher und italienischer Rechtsquellen, unter Berücksichtigung auch des handelsrechtlichen Gehalts der römischen Rechtsquellen und ferner fort[A 31Vs]dau[356]ernd der Beschäftigung mit dem öffentlichen Recht, insbesondere der Geschichte des Verwaltungsrechts im Mittelalter, zuzuwenden. Ich beabsichtige zunächst der zweiten juristischen d Staatsprüfung mich zu unterziehen. [356] A: die zweite juristische Wegen meiner bisherigen juristischen Vorbildung bin ich den oben genannten Herrn Dozenten, namentlich auch Herrn Professor Regelsberger und Herrn Geheimrath von Bar in Göttingen und Herrn Prof. Pernice in Berlin, ganz besonders aber, für viele im persönlichen Verkehr empfangene Anregungen den Herrn Geheimen Justizräthen Frensdorff in Göttingen und Goldschmidt in Berlin zu dauerndem Dank verpflichtet. Die der hohen Fakultät überreichte Dissertation entstammt der Erweiterung und Umarbeitung eines Referates in den handelsrechtlichen Übungen des Herrn Geheimen Raths Goldschmidt. | Geboren am 21. April 1864 zu Erfurt, besuchte ich, Karl Emil Maximilian Weber, evangelischer Konfession, nach Übersiedelung meiner Eltern, Dr. Max Weber, zur Zeit Stadtrat von Berlin, und Helene, geb. Fallenstein, nach Berlin, zunächst die Döbbelinsche Privatschule daselbst und seit 1872 das Königl. Kaiserin-Augusta-Gymnasium zu Charlottenburg, an welchem Ort meine Eltern derzeit ansässig sind. Ostern 1882 zur Hochschule entlassen, bezog ich nacheinander die Universitäten Heidelberg, Straßburg, Berlin, Göttingen, wurde nach bestandener erster juristischer Staatsprüfung am 4. Juni 1886 als Referendar vereidigt und arbeite zur Zeit am Königl. Amtsgericht in Charlottenburg. Während meiner Studienzeit hörte ich zunächst in Heidelberg juristische Vorlesungen und Übungen bei den Herren Geheimen Hofräten Bekker, Karlowa, Heinze und H[ermann] Schulze, philosophische bezw. nationalökonomische bei den Herren Geheimen Hofräten K[uno] Fischer und Knies und historische Vorlesungen und Übungen bei Herrn Professor Erdmannsdörffer; in Straßburg, woselbst ich zugleich der Militärpflicht genügte, belegte ich Vorlesungen bei den Herren Professoren Sohm und Bremer und historische Übungen bei Herrn Professor Baumgarten; in Ber[354]lin hörte ich Vorlesungen bei den Herren Geheimen Räten Beseler, Brunner, Gneist, Aegidi, und während meiner praktischen Ausbildungs[B 60]zeit bei Herrn Geheimrat Dernburg und Übungen bei den Herren Geheimen Räten Goldschmidt und Pernice, sowie staatswissenschaftliche Vorlesungen bei Herrn Professor Adolf Wagner und Übungen bei Herrn Geheimrat Meitzen; in Göttingen Vorlesungen bei den Herren Geheimen Räten Dove, v. Bar, Frensdorff und Übungen bei den Herren Professoren Regelsberger und R[ichard] Schröder. Allen meinen Herren Lehrern, namentlich aber den Herrn Geheimen Räten Goldschmidt, Frensdorff und Pernice wegen meiner theoretischen Vorbildung, und wegen meiner praktischen Ausbildung insbesondere dem Rechtsanwalt Herrn Justizrat v. Simson in Berlin, statte ich hiermit den wärmsten Dank ab. Am 28. Mai 1889 bestand ich magna cum laude das juristische Doktorexamen. | Am 21. April 1864 wurde ich, Carl Emil Max Weber, evangelischer Confession, zu Erfurt geboren. Meine Eltern, Dr. jur. Max Weber, damals Stadtrat in Erfurt, jetzt Stadtrat in Berlin und Landtags- sowie früher auch Reichstagsabgeordneter, und Helene, geb. Fallenstein, übersiedelten 1868 nach Berlin, sowie 1872 nach Charlottenburg. Ich besuchte zunächst die Döbbelin’sche Privatschule zu Berlin, sodann das Königl. Kaiserin-Augusta-Gymnasium zu Charlottenburg und, mit dem Zeugnis der Reife seitens der letzteren Anstalt versehen, von Ostern 1882 an die Universität Heidelberg, woselbst ich in der juristischen Fakultät immatrikuliert wurde. Abgesehen von philosophischen, nationalökonomischen und historischen Vorlesungen bei den Herren Professoren K[uno] Fischer, Knies und Erdmannsdörfer, welche ich dort besuchte, habe ich von Dozenten meines Faches namentlich die Herren Professoren E[rnst] I[mmanuel] Bekker und H[ermann] Schulze, außerdem die Herren Professoren Heinze und Karlowa gehört. Vom Herbst 1883–1884 genügte ich in Straßburg i. E. meiner Militärpflicht, daneben, soweit dies angängig war, meine Studien fortsetzend. Mit einiger Regelmäßigkeit habe ich daselbst aber nur Vorlesungen des Herrn Professor R[udolph] Sohm daselbst gehört. [C [205Rs]]Vom Herbst 1884–1885 studierte ich in Berlin und hörte daselbst Vorlesungen der Herren Professoren Aegidi, Beseler, [354]Brunner, Gneist. Während meines letzten Semesters, Winter 1885/86 in Göttingen habe ich Vorlesungen bei den Herren Professoren von Bar, Dove, Frensdorff gehört und an den Übungen der Herren Professoren Regelsberger und R[ichard] Schröder b teilgenommen. Am 15. Mai 1886 bestand ich beim Oberlandsgericht Celle das erste juristische Staatsexamen und bin von da an bis Mitte Juni 1890 in und bei Berlin zur praktischen Ausbildung als Referendar beschäftigt gewesen. Am 18. October 1890 bestand ich die große juristische Staatsprüfung und wurde zum Assessor ernannt, jedoch, da mir die von mir zum Behufe wissenschaftlicher Studien erbetene Verwendung in Berlin nicht gewährt wurde, auf meinen Antrag bis Ende 1891 aus dem Staatsdienst beurlaubt. – [355]C: Schroeder Inzwischen hatte ich während des Vorbereitungsdienstes Vorlesungen bei den Herren Professoren Dernburg und A[dolph] Wagner gehört und war es mir von den Herren Professoren Goldschmidt und Pernice gestattet worden, ihren Seminarien beizuwohnen. Eine für das Seminar des Herrn Geheimrat Goldschmidt verfaßte Arbeit habe ich nach weiterer Um- und Ausarbeitung unter dem Titel „Zur Geschichte der [C 206Vs]Handelsgesellschaften“ c 1889 erscheinen lassen, ein Teil derselben hat als Doctordissertation der juristischen Fakultät in Berlin vorgelegen unter dem Titel: „Entwicklung des Solidarhaftprinzips und des Sondervermögens der offenen Handelsgesellschaft aus den Haushalts- und Gewerbegemeinschaften in den italienischen Städten“. Ausführungszeichen fehlt in C. [357]Die gedachte Fakultät hat mich nach „magna cum laude“ bestandener Prüfung am 1. August 1889 zum Doctor promoviert. Ich bin seitdem bestrebt gewesen[,] meine Kenntnisse auf dem Gebiete des Handelsrechts zu vervollkommnen und habe mich außerdem im Anschluß an Studien, zu welchen mich der Besuch der agrarhistorischen Übungen des Herrn Geheimrat Meitzen anregte, eingehender mit Teilen der römischen Rechtsgeschichte, namentlich auch mit römischem e Staats- und Verwaltungsrecht beschäftigt. [357]C: römischen Ich habe versucht[,] einige Probleme der römischen Rechtsgeschichte unter Zuhülfenahme wirtschafts- und sozialhistorischer Gesichtspunkte zu behandeln und nach dieser Richtung zunächst jetzt eine Schrift „Die Römische Agrargeschichte in ihrer Bedeutung für das Staats- und Privatrecht“ veröffentlicht, welche [C [206Rs]]wesentlich diejenigen Gesichtspunkte darlegen sollte, von welchen ich in einer größeren Zahl von Spezialuntersuchungen ausgehen werde. Daneben beabsichtige ich[,] mich eingehender als bisher mit mittelalterlichem Verwaltungs- und Verkehrsrecht und unter diesem Gesichtspunkte mit dem deutschen Recht zu beschäftigen, und zwar einerseits historisch, namentlich mit der Geschichte des Gesellschaftsrechts im germanistischen Rechtsgebiet, andererseits mit modernem öffentlichem (Staats- und Verwaltungs)Recht. – a [357]a–(ab S. 353: Am 21. April)–a(S. 357) Von dritter Hand geschrieben. Charlottenburg, October 1891 f Auf die eigenhändige Orts- u. Datumsangabe folgt in C die eigenhändige Unterschrift: Dr. Max Weber |